Weltweit werden 152 Millionen Kinder ausgebeutet

Words by Claudia Marisa Alves de Castro
Photography: Seabass Creatives via Unsplash
Kind mit braunen Augen und schwarzen Haaren lächelt mit einem Ballon in die Kamera
Noch immer wird fast jedes zehnte Kind der Welt zur Arbeit gezwungen. Wie eine Studie von Terre des Hommes darlegt, ist die Zahl der arbeitenden Minderjährigen zwar gesunken, doch weiterhin viel zu hoch. 
 

Kinder sollten spielen, in den Kindergarten gehen und die Schule besuchen. Doch vielerorts ist dies nicht möglich. Um das Überleben ihrer Familien zu sichern, werden weltweit 152 Millionen Kinder zum Arbeiten gezwungen. Diese und viele weitere Fakten gibt es im Kinderarbeitsreport 2019 der Kinderschutzorganisation Terre des Hommes nachzulesen. Darunter auch, dass etwa die Hälfte von ihnen, also 72 Millionen Mädchen und Jungen, sogar zur Sklaverei gezwungen werden, also als Dienstmädchen Tag und Nacht verfügbar sein, im Bergbau schuften oder Baumwolle von pestizidverseuchten Äckern ernten müssen. Diese extremen ausbeuterischen Bedingungen führen häufig zu »schweren körperlichen und seelischen Schäden«, heißt es in dem Report.  

Die meisten arbeitenden Kinder gibt es in Afrika und Asien

Obwohl die Zahl der arbeitenden Mädchen und Jungen zuletzt gesunken ist (von 246 Millionen im Jahr 2000 auf 152 Millionen seit 2016), habe sich in der letzten Zeit nur kaum etwas an den Bedingungen verändert: »Wenn der Fortschritt lediglich im aktuellen Tempo weitergeht, werden auch im Jahr 2025 noch 121 Millionen Mädchen und Jungen von Kinderarbeit betroffen sein«, erklärt die Hilfsorganisation. Die meisten betroffenen Kinder leben in Afrika (72 Millionen) und Asien (62 Millionen) – 70 Prozent von ihnen sind in der Landwirtschaft beschäftigt. 

Ausbeuterische Kinderarbeiten muss gestoppt werden 

Um vor allem die schlimmste Form, die ausbeuterische Kinderarbeit, zu stoppen, hat Terre des Hommes Richtlinien aufgestellt, die dazu beitragen sollen, den Kindern schnellstmöglich zu helfen. So heißt es in dem Bericht: »Grundsätzlich müssen alle Akteure zwischen ausbeuterischer und nicht ausbeuterischer Arbeit unterscheiden. Erst dann können die Prioritäten richtig gesetzt und ausbeuterische Kinderarbeit, besonders ihre schlimmsten Formen, entschieden und zielgenau angegangen werden. Da heute 72 Millionen Mädchen und Jungen unter solchen schlimmsten Formen leiden, ist Abhilfe dringend notwendig.«

 

Die Bundesregierung soll Vorreiterrolle einnehmen

Um das zu erreichen, sollen unter anderem Regierungen, Wirtschaftsverbände und zivilgesellschaftliche Organisationen aktiv werden und viel enger zusammenarbeiten, um wirksame Methoden umzusetzen und weiterzuentwickeln. Das bedeutet zum einen strengere Gesetze, striktere Kontrollen, Altersbeschränkungen und eine verpflichtende Grundbildung für alle Kinder. Zudem müssten auch Eltern viel stärker aufgeklärt werden und Kinder, die in privaten Haushalten arbeiten, regelmäßig über die vorherrschenden Bedingungen befragt werden.

Die Organisation fordert auch die Bundesregierung auf, eine Vorreiterrolle zu übernehmen und finanzielle Mittel und personelle Expertise einzubringen. »Gegenwärtig sind im Haushalt 2019 18 Millionen Euro für die Globale Bildungspartnerschaft (GPE) zur Förderung von Grundbildung und Bildungssystemen vorgesehen. Benötigt werden hierfür insgesamt 100 Millionen Euro«, heißt es in dem Report. Denn auch in Deutschland gibt es Einzelfälle von ausbeuterischer Kinderarbeit, wie etwa im Drogenhandel, der Prostitution oder im Baugewerbe. 

Im Jahr 2015 haben sich fast alle Staaten der Welt auf das Ziel geeinigt, jegliche Form von Kinderarbeit bis 2025 vollständig abzuschaffen. Bis die sogenannten UN-Nachhaltigkeitsziele erreicht sind, ist es jedoch noch ein langer Weg – und die Zeit rennt.  

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Alltag

Claudia Marisa Alves de Castro

Redaktionsleiterin

Claudia Alves de Castro kommt vom Land, war aber nie für die Kleinstadt gemacht. Jetzt – da sie in Hamburg lebt – kann sie ihrem Interesse für Menschen, Geschichten und dem Schreiben freien Lauf lassen. Vom Lifestyle- und Fashionblog, über die Arbeit beim Fernsehen vor und hinter der Kamera, bis hin zu den Online-Redaktionen großer Verlage, Claudia ist mit allen Medien-Wassern gewaschen. Neben ihrer Leidenschaft für ihren Beruf, macht sie ihre Liebe für Kultur, Medien und Reisen besonders glücklich. Seit März 2018 schreibt sie über all das bei uns.

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