Jetzt einreichen: Eure Ideen für Geschlechter-Gerechtigkeit

Words by Jana Ahrens
Photography: Julie Johnson
6 Teenager Mädchen verschiedener Ethnie sind gemeinsam in ein buntes, südamerikanisches Webtuch gewickelt und tragen Blumenkränze im Haar.
Geschlechtergerechtigkeit? Werden wir nicht erleben. Zumindest, wenn die Berechnungen des Weltwirtschaftsforums und der Vereinten Nationen stimmen. Erstere gehen davon aus, dass es 108 Jahre dauert, bis Frauen nicht mehr aufgrund ihres Geschlechts benachteiligt werden. Die UN erwartet sogar, dass es 202 Jahre dauern wird, sollten wir bei diesem Tempo weitermachen.
 

Die Prognosen des Weltwirtschaftsforums und der UN zeigen: Es tut sich was in Sachen Geschlechtergerechtigkeit, aber es geht eindeutig zu langsam. Deshalb wird es zum G7 Gipfel in Biarritz etliche Veranstaltungen und Initiativen geben, die mehr politisches Engagement zu diesem Thema fordern. Und ihr könnt jetzt ganz bequem von Zuhause aus mitmachen. Denn die französische Regierung hat in Vorbereitung auf den G7 Gipfel eine Umfrage gestartet. Mit welchen staatlichen Maßnahmen können Mädchen und Frauen weltweit noch besser gestärkt werden? Die Umfrage ist offen für alle, die gute Ideen haben und sich einbringen wollen.

Auf der Plattform der NGO One könnt auch ihr eure Ideen zu dieser Umfrage zum Thema Geschlechtergerechtigkeit beisteuern.

Auf der Webseite von ONE kannst du dich an der Initiative beteiligen.

 

ONE wird als Nichtregierungsorganisation beim G7-Gipfel vertreten sein, um Fortschritte – statt leerer Versprechen – einzufordern. Deshalb sammelt ONE eure Einreichungen und wird sie voraussichtlich zum G7-Gipfel an die französische Gleichstellungsministerin Marlene Schiappa übergeben. Auch auf Twitter wird es von ONE eine Kampagne zu diesem Thema geben. So soll sichergestellt werden, dass die Themen, die euch wirklich unter den Nägeln brennen, beim G7 Gipfel in Biarritz vom 24.8. bis zum 26.08.2019 auch verhandelt werden.  

Was können Gesetze für Geschlechtergerechtigkeit erreichen?

 

Aber können denn Gesetzesentwürfe der Geschlechtergerechtigkeit überhaupt auf die Sprünge helfen? Ein Bericht der Weltbank sagt eindeutig: Ja. Doch die Prozesse sind komplex. Die Forschung der Weltbank hat ergeben, dass es 8 grundlegende Themen gibt, anhand derer die Gleichstellung von Frauen weltweit gemessen werden kann. Und alle 8 müssen in rechtliche Neuentwicklungen mit einbezogen werden, wenn wir das Tempo in der Gleichstellung beschleunigen wollen.

Die 8 Indikatoren für Geschlechtergerechtigkeit

Going places: In diesem Kontext wird die Bewegungsfreiheit von Frauen untersucht. Denn wenn eine Frau nicht ohne die Erlaubnis von männlichen Verwandten oder ihrem Ehemann das Haus verlassen darf, kann sie kein selbstbestimmtes Leben führen.

Starting a Job: Unter diesem Punkt werden alle Rechte zusammengefasst, die Frauen das Arbeiten ermöglichen oder erschweren.

Getting Paid: Hier werden rechtliche Regelungen untersucht, die Auswirkungen auf die Bezahlung von Frauen haben.

Getting Married: Dieser Punkt bewertet rechtliche Einschränkungen zum Thema Ehe.

 

Having Childen: In diesem Kontext werden Gesetze untersucht, die Einfluss auf die Wiederaufnahme von Arbeit von Frauen nach der Geburt beeinflussen.

Running a Business: Hier wird analysiert, inwiefern Frauen rechtlichen Nachteilen beim Gründen und Führen eines Geschäfts unterliegen.

Managing Assets: Hier werden alle rechtlichen Themen untersucht, die Einfluss auf Geschlechterunterschiede im Bezug auf Besitz und Erbe haben könnten.

Getting a Pension: Unter diesem Punkt werden Gesetze untersucht, die Einfluss auf die Rente von Frauen haben können.

Allein diese Liste verschiedener rechtlicher Themen verdeutlicht, dass es sich bei der Geschlechtergleichstellung um ein zutiefst strukturelles Thema handelt. Und eben nicht um Einzelentscheidungen von Frauen oder Männern, die individuell biologischen und wirtschaftlichen Tendenzen ausgesetzt sind. Es lohnt sich also sehr, darüber nachzudenken, was sich grundsätzlich noch ändern sollte. Und was unsere Regierung, das Europäische Parlament und andere staatliche Instanzen noch in die Hand nehmen könnten.

 

Was ist eigentlich der G7 Gipfel?

Die Teilnehmer des G7 Gipfels 2017: Donald Tusk, Justin Trudeau, Angela Merkel, Donald Trump, Paolo Gentiloni, Emmanuel Macron, Shinzō Abe, Theresa May, Jean-Claude Juncker (v.l.n.r.)

G7 steht abkürzend für »Gruppe der 7«. Dabei handelt es sich um einen informellen Zusammenschluss von Staaten, die zum Gründungszeitpunkt als die 7 einflussreichsten Industrienationen bezeichnet werden konnten. Die Staats- und Regierungschefs und Chefinnen dieser G7 treffen sich seit der Gründung regelmäßig, um Fragen der Weltwirtschaft zu besprechen.

Dieser informelle Zusammenschluss und Austausch ist nicht frei von Kritik. Denn die 7 beteiligten Nationen Deutschland, Frankreich, Italien, Japan, Kanada, Großbritannien und die USA bilden nur 10,5% der Weltbevölkerung ab. So wird kritisiert, dass durch die Treffen primär der Machterhalt und die wirtschaftliche Absicherung der beteiligten Staaten gesichert werden soll und viele wirtschaftliche Absprachen hier abseits der nationalen Kontrollgremien stattfänden. Hingegen würden jegliche gemeinsam beschlossenen Ziele zur Verbesserung der Weltlage in Bezug auf Armut, Klimawandel oder Geschlechtergerechtigkeit keinen rechtlichen Umsetzungszwang nach sich ziehen.

All diese Frauen setzten sich gegen extreme Armut ein. Und da Armut sexistisch ist, geht das nur mithilfe von Gleichberechtigung.

Gerade deshalb ist es besonders wichtig, dass sich auch Nichtregierungsorganisationen und Lobby-Gruppen für Minderheiten und Menschenrechte in die Gespräche rund um die G7-Gipfel einmischen.

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Jana Ahrens

Chefredakteurin

Jana Ahrens liebt die Auseinandersetzung mit der Mode und mit den Gegenständen und Situationen eines modernen Lebens. Sie interessiert sich weniger für schöne Dinge, als eher für die Schönheit ihrer Umstände. Im Januar 2018 hat sie die Chefredaktion des Monda Magazins übernommen.

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