Instagram: Werden »Likes« künftig nicht mehr angezeigt?

Words by Claudia Marisa Alves de Castro
Photography: Unsplash
Likes auf Social Media können süchtig machen & Druck aufbauen

Welches Foto bekommt die meisten Likes? Das spielt aktuell nicht nur für sogenannte Influencer*innen oder Content Creator*innen eine große Rolle. Die Zahl der »Gefällt mir«-Angaben baut in der Social-Media-Welt einen großen Performance-Druck auf. Doch der könnte schon bald gelockert werden – zumindest auf den ersten Blick.

 

Es ist ein Phänomen, dass für viele Menschen noch immer kaum nachvollziehbar ist. Instagram avancierte in kürzester Zeit von einer Plattform mit Sammlungen von (mal mehr, mal weniger) privaten Schnappschüssen, zu einem Business, mit dem sich hunderttausende Euro verdienen lassen. Mit dem »perfekten« Content, sowie einer entsprechenden Zahl an Followern und Likes, haben einige Instergrammer*innen die Möglichkeit, sich selbstständig zu machen und sich von Unternehmen für ihre Postings bezahlen zu lassen. Wie das Branchenblatt Adweek berichtet, handelt es sich dabei inzwischen um einen Zehn-Milliarden-Dollar-Markt. 

Social Media: Von Likes getrieben

Ein Job, der immer wieder belächelt wird, doch ganz sicher nicht für jede*n etwas ist. Wer sich dafür entscheidet, den Lebensunterhalt nur mit Hilfe der Plattform zu verdienen, dürfte schnell den Druck verspüren, täglich am Ball bleiben zu müssen, immer mehr Follower zu generieren und bloß keine Likes und Kommentare einzubüßen. Doch auch, wer nicht hauptberuflich als Influencer*in arbeitet, könnte sich schon einmal dabei erwischt haben, von den Likes getrieben worden zu sein. Was gut klickt und was nicht, haben die meisten inzwischen verstanden.

Ohne Anzeige der Likes zum »digitalen Wohlfühlen«? 

Um dem ständigen Druck zu entkommen und dem allmählich entstehenden Einheitsbrei Einhalt zu gebieten, testet Instagram in einigen Ländern was passiert, wenn die Anzahl der Likes nicht mehr sichtbar ist. In Kanada, Irland, Brasilien, Italien und in Japan ist die Anzeige testweise verschwunden.

Was bleibt: Zwar können Freunde und andere Follower nicht mehr sehen, wie oft ein Foto »geliked« wurde, doch die Person, die das Bild selbst gepostet hat, hat Einsicht in die Anzahl der Likes. Diese Maßnahme soll dafür sorgen, dass »digitales Wohlfühlen« wieder mehr gefördert wird. Wie der Test ausfällt und ob die Darstellung aller Likes dann künftig für alle Instagram-Nutzer*innen der Vergangenheit angehören wird, wird sich erst in den kommenden Wochen zeigen.

Likes & Schokolade haben denselben Effekt

Wie einflussreich Likes sein können, haben Wissenschaftler analysiert. Sie sind sich sicher, dass ein Like unter einem Posting einen ähnlichen Effekt auf das Belohnungszentrum im Gehirn hat, wie ein Stück Schokolade. Für einige Menschen gilt: Wer einmal gekostet hat, möchte mehr. Darauf stützen sich auch andere Plattformen, die aktuell über die Zukunft der Funktion nachdenken. Auf einer Ted-Konferenz erklärte Twitter-Gründer Jack Dorsey, dass er heutzutage auf einen Like-Button verzichten würde und seine Plattform gern ohne diesen gestartet hätte. 

 

Doch egal, ob Instagram, Facebook, Twitter oder YouTube: Der Wunsch nach besserer Qualität wird immer größer und das zweimilliardste Foto eines Avocado-Toastes, möchten nur noch die wenigsten sehen. Ob mit einer abgespeckten Like-Funktion der Druck sinkt und die Inhalte wieder vielfältiger werden, werden vielleicht ja schon bald die ersten Testergebnisse zeigen – wir sind gespannt… 

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Claudia Marisa Alves de Castro

Redaktionsleiterin

Claudia Alves de Castro kommt vom Land, war aber nie für die Kleinstadt gemacht. Jetzt – da sie in Hamburg lebt – kann sie ihrem Interesse für Menschen, Geschichten und dem Schreiben freien Lauf lassen. Vom Lifestyle- und Fashionblog, über die Arbeit beim Fernsehen vor und hinter der Kamera, bis hin zu den Online-Redaktionen großer Verlage, Claudia ist mit allen Medien-Wassern gewaschen. Neben ihrer Leidenschaft für ihren Beruf, macht sie ihre Liebe für Kultur, Medien und Reisen besonders glücklich. Seit März 2018 schreibt sie über all das bei uns.

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