Evectro-Gründer setzt auf intelligente Mobilität

Words by Jana Ahrens
Photography: Evectro
Sponsored
Blick in den Evectro Store in Hamburg mit hellen Weinholzkisten, grünen Pflanzen, dekorierten Motorradhelmen und vielen Elektrorollern

Matthias Lemcke hat sich verhältnismäßig spät im Leben für einen Karriere-Neustart entschieden. Früher handelte er mit Mode, heute betreibt er einen Store für intelligente Mobilität in Hamburg. Der heißt Evectro und bietet Elektromobilität in ihrer sinnvollsten Form an. Warum Matthias diesen Schritt – trotz langer Arbeitstage, suboptimaler innerdeutscher Voraussetzungen und skeptischen Kunden – nie bereut hat, erzählt er im Interview.

 

Wie bist du auf die Idee gekommen, so einen Store für Elektromobilität zu eröffnen?

Ich war 40 Jahre im Textilhandel zu Hause. Ich glaube, ich war zu der Zeit auf jeder Textilmesse Europas vom ersten bis zum letzten Tag. Egal, ob Paris, Mailand oder sonst wo. Eines Tages, während der Messen in Berlin, bin ich schon nach dem ersten Tag wieder abgereist, weil ich einfach dachte: Egal, ist ja sowieso immer dasselbe. Ich konnte ich der Branche keine Freude mehr abgewinnen. Das hat mir zu denken gegeben. Ich finde, jeder Tag, den man mit Arbeit verbringt, sollte einen irgendwie zufrieden und glücklich machen.

 

Gründer Matthias Lemcke ist als Textilunternehmer groß geworden.

 

Also habe ich mich von meinem Textilunternehmen getrennt und es an meine Partner abgegeben. Im Anschluss habe ich mir eine kleine Auszeit genommen. Ich bin ein bisschen durch die Weltgeschichte gebummelt und habe in Tel Aviv – schon damals, vor 5 Jahren – Kickscooter mit Elektroantrieb gesehen. Nach meiner Rückkehr wollte ich mir in Hamburg so einen Kickscooter kaufen, bekam aber bei den einschlägigen Händlern nur Spielzeug, nichts Professionelles. Aber ich hatte von einer Geschäftsreise aus China mal ein paar E-Roller mitgebracht für die Mitarbeiter*innen in meinen Läden in Hamburg mitgebracht und mich erinnert, dass die sehr gut ankamen. Also habe ich mich im Internet schlau gemacht. Ich habe einen Laden in Berlin gefunden, der E-Roller verkaufte. Den habe ich besucht, fand das da ganz cool, aber das Konzept war mir zu sehr auf Motorrad- und Zweirad-Handel ausgerichtet.

Was schwebte Dir vor?

Ich habe gedacht: Es muss einen Weg geben, intelligente Mobilität zu verkaufen. Denn E-Mobilität habe ich damals als intelligent empfunden. Ich habe mich aus dem Grund entschieden, einen Lifestyle-Laden in Hamburg zu eröffnen, in dem es unter anderem Elektroroller zu kaufen gab. Ich bin dann, genauso wie früher im Textil-Bereich, zu den führenden Messen in Europa gefahren und habe da gesehen: Auch da war die E-Mobilität noch nicht angekommen. Ich bin als alter Motorradfahrer zu Harley auf den Stand gegangen und habe gesagt: Mensch, ich habe gehört ihr macht eine ein Elektro-Modell? Und auch da sagte mir der Europa-Chef: Ach, das kommt sowieso nicht, das brauchen wir nicht.

 

Ein normaler Verbrenner-Roller hat den 2-fachen bis 3-fachen CO2-Ausstoß wie ein Dieselauto.

Matthias Lemcke

 

Aber dann ging es Schlag auf Schlag: Der Diesel-Skandal, die CO2-Pläne der Bundesregierung, der Wandel in der Mobilität durch die Digitalisierung. All das hat mir gezeigt, dass ich auf den richtigen Geschäftszweig gesetzt habe. Nicht nur, weil aufgrund der Veränderungen am Markt, sondern auch, weil ich wieder Freude an der Arbeit hatte und den Eindruck, dass ich meinen Kindern und Enkeln etwas Besseres hinterlasse. So war es dann auch kein Problem, noch mal ganz neu anzufangen und mit 60 Jahren noch mal 24/7 zu arbeiten. 

 

 

Wie lange gibt es den Evectro Store jetzt in Hamburg?

Seit ziemlich genau zweieinhalb Jahren. Dabei war es mir immer wichtig, dass ich kein klassischer Einspur- oder Motorradhändler, Rollerhändler oder Autohändler bin. Ich verkaufe zwar Kraftfahrzeuge. Aber mein Ziel ist es, intelligente Mobilitätskonzepte zu verkaufen. Zum Beispiel für die Industrie und für die Städte. Wir bieten eine Idee an: Weniger Fahrzeuge auf die Straße zu haben und zugleich emissionsfreie Produkte auf die Straße zu bringen. Allein die Roller könnten im Kleinen sehr viel bewegen. So ein normaler Verbrenner-Roller hat den 2-fachen bis 3-fachen CO2-Ausstoß wie ein Dieselauto. Kommt darauf an wie alt er ist und was er tankt. Roller mit Verbrenner-Motoren müssten normalerweise als allererstes von der Straße verschwinden. Allein schon, weil ein neuer Elektroroller vom Investment so günstig ist. Und weil da der elektrische Antrieb über Batterie am sinnvollsten ist. Beim Auto ist es noch eine ganz andere Sache. Aber für Roller, Scooter und Motorräder ist Elektromobilität zurzeit schon fast fossilfrei und einfach so viel effizienter.

 

Der E-Bike-Markt wächst jährlich um 25%, obwohl unsere Städte für mehr Fahrräder eigentlich noch nicht ausgelegt sind.

Matthias Lemcke

 

Die Distanzen, die zurückgelegt werden können, werden immer größer und die Roller werden immer leichter und immer einfacher zu warten. Im Grunde genommen hat man mit den Markenprodukten, die es da zurzeit am Markt gibt, einen absoluten Ersatz für normale Verbrenner und im Verhältnis eine Preisreduzierung im Jahr um mehr als 70%.

Dann ist da aber noch der emotionale Aspekt. Gerade bei Zweirad-Liebhabern geht es ja oft mehr ein ganz bestimmtes Fahrgefühl und um den Klang ihres Motorrads.

Den Klang kann man sich auch draufhelfen. (lacht) Wer das haben möchte, bekommt bei uns ein Zweirad, das eine Stereoanlage und einen Soundgenerator an Bord hat. Da kannst du dir jeden Sound drauf abspielen, den du haben willst, auch richtig laut. Das kann der Klang eines Verbrennungsmotors sein, du kannst aber auch AC/DC hören darüber, oder die Stones, oder Pavarotti. Was auch immer du haben willst. Das ist eigentlich ein mobiles Soundsystem.

 

 

Wenn wir über intelligente Mobilität sprechen: Wie steht’s im Zweirad-Bereich eigentlich um Fahrzeuge mit Wasserstoff-Antrieb?

Es werden gerade auch Wasserstoffzellen und -batterien und Antriebssysteme für Roller und Fahrräder entwickelt. Das ist ein großer Schritt nach vorne. E-Bikes sind schon jetzt ein größerer Markt als die Roller. Und der Markt wächst jährlich um 25%, obwohl unsere Städte für mehr Fahrräder eigentlich noch nicht ausgelegt sind. Kopenhagen wäre da ein großes Vorbild, was die Infrastruktur angeht.

Warum sind da deutsche Städte keine Vorbilder?

Ich glaube, dass man in Deutschland diesbezüglich immer nur aus Schmerz lernt. Um so schmerzhafter die Situation wird, um so mehr passiert da und umso mehr steigt der Druck. Inzwischen kann man ihn spüren. Beispielsweise bei Fridays for Future und anderen Bewegungen. Letzte Woche haben wir uns an einem Fahrradkorso durch Hamburg beteiligt. Wenn in Zukunft bei Fahrrad-Aktionen ähnliche viele mitmachen, wie bei Fridays for Future, wird die Stadt reagieren müssen.

Dazu gehört ein großes Umdenken. Ist das möglich?

Wenn man sich ein bisschen anfängt damit auseinanderzusetzen, dann weiß man, dass ein Auto eigentlich kein Fahrzeug, sondern ein „Stehzeug“ ist. Es steht im Schnitt 23 Stunden am Tag und fährt 1 Stunde. Und befördert am Tag 1,2 Menschen. Wenn man es schaffen würde, das Auto im Schnitt mit 2 Leuten zu besetzen - und jetzt reden wir von intelligenter Mobilität - sich hinten in das Auto einen Kickscooter legt, würde man nichts an Mobilität verlieren und die Verkehrsdichte in Deutschland direkt mal um 60% senken. Es würde in den Städten keine Staus mehr geben. Der Hebel wäre so klein und das Ergebnis wäre so groß.

 

Aber die Gewohnheit ist auch so groß.

Richtig. Was wir auf keinen Fall machen dürfen: den Menschen die Mobilität zu verbieten. Oder die Mobilität auch nur einzuschränken. Wir müssen Alternativen schaffen. Sodas sich für alle die Mobilität verbessert. Denn es kann ja zugleich auch nicht sein, dass ich in München pro Jahr im Schnitt 4 Wochen meiner Lebenszeit im Stau stehe. 4 Wochen!

Die Frustration ist ja auch spürbar auf der Straße. Es werden immer mehr Autos, es wird eng.

Genau. Das ist Teil des Schmerzes. Die gesamte Entwicklung der Mobilität erhöht sich. Wenn man so Strukturforschern, wie einem Prof. Dr. Rammler, zuhört, dann sieht man einfach, das Chaos entstehen wird, wenn wir die Situation nicht ändern. Das wird dazu führen, dass niemand von uns mehr von A nach B kommt. Auch kein Roller und kein Fahrrad.

Weiter zu Seite 2

So sieht Gründer Matthias Lemcke die Zukunft der Mobilität

Matthias Lemcke hat vor zwei Jahren in Hamburg einen Store für intelligente Mobilität eröffnet. Viele rieten ihm ab. Er war aber schon damals  und ist auch weiterhin – davon überzeugt, dass ein Mobilitätswandel kommen muss. Wir sprechen mit ihm darüber, was noch immer schwierig ist, wo sich Dinge bewegen und wie auch eine sehr individualiserte Gesellschaft davon überzeugt werden kann, gemeinsam den richtigen Weg zu gehen. 

 

Share:

Jana Ahrens

Chefredakteurin

Jana Ahrens liebt die Auseinandersetzung mit den Gegenständen und Situationen eines modernen Lebens. Dabei interessiert sich weniger für schöne Dinge, als eher für die Schönheit ihrer Umstände. Zum Schönen gehört natürlich auch, wenn sich komplexe Themen in verständliche Zusammenhänge zerlegen lassen. Im Januar 2018 hat sie die Chefredaktion des Monda Magazins übernommen.

Kommentieren