Greenpeace fordert volle Mehrwertsteuer für Milch & Fleisch

Words by Claudia Marisa Alves de Castro
Photography: Annie Spratt auf Unsplash
Lesezeit: 2 Minuten
Greenpeace fordert eine höhere Besteuerung von Fleisch und Milch

Milch und Fleisch zu absoluten Billigpreisen soll es, wenn es nach Greenpeace geht, in Zukunft nicht mehr geben. Die Organisation fordert für diese Lebensmittel die Anhebung des Mehrwertsteuersatzes von 7 auf 19 Prozent. 

 

Wer Milch- oder Fleischprodukte kauft bezahlt darauf aktuell 7 Prozent Mehrwertsteuer – es handelt sich hierbei um den ermäßigten Mehrwertsteuersatz, der 1968 eingeführt wurde, um die Ausgaben für den lebensnotwendigen Bedarf niedrig zu halten und so einkommensschwache Haushalte zu entlasten. Er gilt seitdem für die meisten Grundnahrungsmittel – eben auch für Milch und Fleisch. Die Tierschutzorganisation Greenpeace hält das für zu wenig und hat einen Vorschlag für ein Maßnahmenpaket geäußert, das für Tiere und Klima einiges zum Besseren bewegen soll. 

Greenpeace fordert Maßnahmenpaket

So fordert die Umweltorganisation die Anhebung der Mehrwertsteuer bei diesen Produkten auf den unermäßigten Satz von 19 Prozent. Darüber hinaus setzt sie sich für eine sogenannte Tierwohlabgabe von 50 Cent pro Kilo Fleisch ein – pro Liter Milch wäre ein Aufschlag von 1,5 Cent denkbar. Greenpeace ist sich sicher, dass diese Abgaben »den sofortigen Ausstieg aus der nicht tiergerechten Haltung« finanzieren können. Hochgerechnet würden dem Bund durch die Mehreinnahmen etwa vier Milliarden Euro zusätzlich zur Verfügung stehen, um Tierhalter künftig besser unterstützen zu können.

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

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Um das Tierwohl zusätzlich zu fördern und das Klima zu schützen, schlägt die Umweltorganisation außerdem vor, die Mehrwertsteuer auf pflanzliche Lebensmittel zu reduzieren. Davon verspreche man sich, dass VerbraucherInnen so deutlich intensiver an Alternativen zu Milch und Fleisch herangeführt würden. »Steuern und Abgaben sollten klare Anreize bieten, den übermäßigen Konsum klima- und umweltschädlicher Lebensmittel zu beenden«, forderte Greenpeace-Agrarexperte Martin Hofstetter.

Sorgt eine höhere Mehrwertsteuer für einen Umstieg auf Alternativen?

Wie erreichen wir mehr Qualität statt Quantität?

Die sich daraus ergebenden Vorteile liegen für Greenpeace auf der Hand. Eine Kombination aus der Tierwohlabgabe und einer Reform der Mehrwertsteuer könnte den Ausstoß von Treibhausgasen aus der Landwirtschaft um etwa 8,8 Millionen Tonnen CO2-Äquivalente pro Jahr senken. Zudem sei es mindestens genauso wichtig, einen Großteil der Bevölkerung zum Nach- und Umdenken zu bewegen. Denn es ist nun einmal unmöglich, qualitativ hochwertiges Fleisch zu verlangen, das von Tieren stammt, die ein durch und durch angenehmes und artgerechtes Leben hatten, während man gleichzeitig nicht bereit dazu ist, mehr als 1,99 Euro für das Kilo Fleisch zu bezahlen. 

Der Bauernverband und die Bundesagrarministerin Julia Klöckner (CDU) wiesen zuletzt auch darauf hin, dass KundInnen beim Fleischkauf unbedingt auf Qualität statt auf Quantität setzen sollten und dass eine bessere Tierhaltung nun mal auch mehr Geld koste. Ob es künftig zu einer Anhebung der Mehrwertsteuer und einer Tierwohlabgabe kommt – wie von Greenpeace verlangt – und ob die Auswirkungen tatsächlich so positiv sein werden, bleibt abzuwarten. 

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Alltag

Claudia Marisa Alves de Castro

Redaktionsleiterin

Claudia Alves de Castro kommt vom Land, war aber nie für die Kleinstadt gemacht. Jetzt – da sie in Hamburg lebt – kann sie ihrem Interesse für Menschen, Geschichten und dem Schreiben freien Lauf lassen. Vom Lifestyle- und Fashionblog, über die Arbeit beim Fernsehen vor und hinter der Kamera, bis hin zu den Online-Redaktionen großer Verlage, Claudia ist mit allen Medien-Wassern gewaschen. Neben ihrer Leidenschaft für ihren Beruf, macht sie ihre Liebe für Kultur, Medien und Reisen besonders glücklich. Seit März 2018 schreibt sie über all das bei uns.

1 Kommentar

Ferdinand Funke
#1 — vor 3 Monaten 4 Wochen
Das ist ein Thema das mit Laien schwer zu diskutieren ist, da hier Emotionen und nicht Fakten dominieren. Als Landwirt verkauft man entweder Nahrungsmittel oder ein Lebensgefühl. Der Unterschied besteht darin, das man für ein Nahrungsmittel kein Geld verlangen; erwarten darf.
Allerdings kann man mit dem Verkauf eines Lebensgefühls mit ruhigem Gewissen Geld verlangen.
Die Systeme sind krank.
Eine Forderung nach mehr Mehrwertsteuer bringt nichts wenn das Geld nicht bei den Landwirten ankommt.
Das bestimmte Gruppen sich engagieren zeigt Interesse das lange abhanden gekommen war.
Dies stimmt mich auf der einen Seite zuversichtlich.
Aber mit welcher Dekadenz dort zum Teil agiert wird ist Haarsträubend.
Fakten werden verdreht, andere geleugnet.
Ich bin gespannt ob die Corona-Krise ein umdenken nach sich zieht.
Wir sind gnadenlos auf Importe angewiesen, unsere Landwirtschaft wird zur Zeit mit Füssen getreten, viele meine sie wüssten eben alles besser als die, die den Beruf gelernt haben.
Innerhalb der Landwirtschaft läuft wahrlich auch nicht alles optimal aber ein Großteil auch aus Zwängen die von außen kommen.
Ein paar Zahlen aus Deutschland. Von ehemals nach dem Krieg rund 1,2 Mio. Milchviehbetrieben waren es im abgelaufenem Jahr nur noch ca. 60.000. Von 9 Mio. Milchkühen werden nur noch gut 4 Mio. Kühe gehalten. Die Leistungssteigerung der Milchkühe bezogen auf die Milchmenge ist in erster Linie auf bessere Haltungsbedingungen und eine ausgewogenere Fütterung zurückzuführen.
Dann erst kommt die Zucht.
Erst Nachdenken dann Handeln sollte ein Slogan sein. Zur Zeit werden Menschen verheizt und das ist das perfide am System, jeder kann anprangern und beschimpfen. An den Taten und nicht an Ihren Worten werdet Ihr Sie erkennen.

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