Experten warnen: GPS-Tracker für Kinder sind gefährlich!

Words by Arzu Gül
Photography: Caroline Hernandez
Lesezeit: 2 Minuten
Kind läuft auf Straße und schaut über die Schulter - GPS-Tracker für Kinder

ExpertInnen warnen: GPS-Tracker für Kinder können ausspioniert und ihnen zum Verhängnis werden! Das müssen Eltern bei der Nutzung beachten.

Der Markt für GPS-Tracking-Geräte wächst. Immer mehr Eltern möchten ihren Nachwuchs in Sicherheit wissen und greifen daher auf kindgerechte GPS-Armbanduhren zurück, um jederzeit den Standort ihres Kindes ermitteln zu können. Die Intention ist klar: Es geht nicht um eine permanente Überwachung, sondern vielmehr darum, im schlimmsten Notfall überprüfen zu können, wo sich das Kind aktuell befindet. Das Softwareunternehmen Avast fand nun jedoch bei einer ausführlichen Prüfung heraus, dass viele Geräte von einer Sicherheitslücke betroffen sind, welche Fremden den Zugriff auf die Standortinformationen ermöglichen könnten.

Besorgte Eltern wollen Vermisstenfälle minimieren

In Deutschland werden jährlich 60.000 Kinder und Jugendliche als vermisst gemeldet. Glücklicherweise tauchen die meisten von ihnen aber wieder auf: Etwa 99 Prozent der Fälle werden geklärt und die Kinder kommen wohlbehalten wieder zu Hause an. Das restliche Prozent bleibt entweder ein ewiges Mysterium oder endet in einer Tragödie für die betroffenen Familien. Für alle Beteiligten, aber auch für außenstehende Eltern, sind diese Fälle sehr belastend. Die Angst und Sorge um das eigene Kind machen vielen Menschen zu schaffen.

Dank der Digitalisierung soll das Risiko, dass einem das Kind abhandenkommt, künftig minimiert werden. Das versprechen sich zumindest Eltern, die für ihre Kinder sogenannte GPS-Smartwatches kaufen, die die Kinder am Handgelenk tragen und mit denen sie in Echtzeit geortet werden können. Mit den Armbanduhren können Kinder – ähnlich wie mit einem Smartphone – telefonieren, Sprachnachrichten versenden und Textnachrichten empfangen. Eltern haben aber zusätzlich die Möglichkeit, über eine dazugehörige App jederzeit den Standort ihres Kindes abzurufen und so zu überprüfen, ob sich ihr Sprössling tatsächlich in der Schule oder auf dem Nachhauseweg befindet. 

Über 600.000 Smartwatches weisen große Sicherheitslücken auf!

So weit, so gut. Jedoch könnte gerade die Ortungsfunktion Kindern nun zum Verhängnis werden. Bei einem Test von 30 unterschiedlichen GPS-Trackern der chinesischen Marke Shenzhen i365 Tech hat das Softwareunternehmen Avast erhebliche Sicherheitsprobleme festgestellt. Nach Angaben der SicherheitsforscherInnen ließen sich die gesammelten Daten bei der Übertragung in eine Cloud relativ leicht ausspionieren. Unbefugte Dritte hätten so die Möglichkeit, den Standort der Kinder abzurufen und zu verfolgen. Besonders schwerwiegend: Bei einigen Modellen war sogar der Zugriff auf das integrierte Mikrofon möglich, wodurch Kinder theoretisch abgehört werden könnten. 

Laut Martin Hron, Senior Researcher bei Avast, seien etwa 600.000 dieser Tracker in Umlauf. Da Shenzhen seine Technologie als Whitelabel-Lösung auch anderen Marken und Geräteherstellern zur Verfügung stelle, könnten auch Smartwatches anderer Hersteller betroffen sein. 

Wie bei jedem handelsüblichen Gerät empfehlen wir, die standardmäßigen Admin-Passwörter in etwas Komplexeres zu ändern; in diesem Fall wird jedoch selbst das eine motivierte Person nicht davon abhalten, den unverschlüsselten Datenverkehr abzufangen. Wir haben unsere Sorgfaltspflicht bei der Offenlegung dieser Schwachstellen gegenüber dem Hersteller erfüllt, aber da wir nach Ablauf der üblichen Frist keine Rückmeldung erhalten haben, geben wir diese Mitteilung jetzt heraus und raten den Verbrauchern dringend, die betroffenen Geräte nicht mehr zu verwenden.

Martin Hron

Kinderschutzbund ist gegen Nutzung von GPS-Trackern

Geräte mit Abhörfunktion sollten generell nicht mehr erworben werden. Viele ausländische Hersteller installieren noch immer Mikrofone, mit denen sich Umgebungsgeräusche abhören lassen. Die Bundesnetzagentur hat solche Geräte aber bereits 2017 verboten und rät Eltern, diese unschädlich zu machen. 

Das Abhören und Kontrollieren von Kindern sieht auch der Kinderschutzbund kritisch. GPS-Geräte würden Eltern eine trügerische Sicherheit vermitteln und könnten dazu führen, dass wichtige Aushandlungsprozesse, gemeinsame Absprachen und Vereinbarungen mit den Kindern nicht mehr oder nur unzureichend getroffen würden. Die Bundesgeschäftsführerin des Kinderschutzbundes, Cordula Lasner-Tietze, rät daher, den Fokus eher auf ein vertrauensvolles und offenes Verhältnis zwischen Eltern und Kindern zu legen. Schließlich würden die meisten sexuellen und gewalttätigen Übergriffe leider im sozialen Nahraum vorfallen. Derartige Ereignisse könne keine App und auch keine Smartwatch verhindern. Eine offene und vorurteilsfreie Kommunikation mit dem Kind sei daher einer technischen Überwachung immer vorzuziehen. 

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Arzu Guel

Redakteurin

Nach einem MBA in Medienmanagement und Stationen in der Produktentwicklung, Objektleitung und Vermarktung von Magazinen, hat Arzu Guel zurück zu ihrer eigentlichen Leidenschaft, dem Schreiben und Kreieren von Content, gefunden. Seit September 2019 schreibt sie nicht nur für Monda Magazin, sondern entwickelt auch Formate für unseren Instagram-Kanal. Sie brennt für die Themen Digitalisierung, Future Trends und für Menschen mit einzigartigen Geschichten.

1 Kommentar

Ich.
#1 — vor 9 Monaten 1 Woche
Wer bitteschön gibt seinem Kind eine GPS-Uhr?! Das ist ja fast so schlimm wie Kinder-Leinen. Als wäre das Kind ein Hund!

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