Was kann die deutsche WhatsApp-Alternative ginlo?

Words by Claudia Marisa Alves de Castro
Photography: Ana Tavares auf Unsplash
Ist Ginlo eine Alternative zu WhatsApp?
Laut dem Social Media Atlas verwenden 71 Prozent der deutschen Internetnutzer WhatsApp auf ihrem Smartphone, Tablet oder über einen Browser auf dem Laptop. Die App ist für viele kaum noch wegzudenken, doch gibt es auch immer wieder Zweifel daran, ob die eigenen Daten dort wirklich geschützt sind. Die WhatsApp-Alternative ginlo verspricht Sicherheit. 
 

Wir kommunizieren beinah ununterbrochen, und das sogar mit mehreren Personen zeitgleich. Möglich macht es WhatsApp – mit dem Messenger versenden wir kurze Textmitteilungen, Sprachnachrichten, Fotos, Videos, auch Telefonate sind möglich. Doch war in der Vergangenheit immer wieder von Sicherheitslücken und Datenlecks die Rede. Zwar sollen diese inzwischen alle geschlossen worden sein, doch das Misstrauen gegenüber der App und vor allem gegenüber Facebook – das Unternehmen kaufte WhatsApp im Februar 2014 auf – sind noch immer nicht vollständig verschwunden. Vor der Übernahme bewertete Stiftung Wahrentest die App sogar als »sehr kritisch«. 

Bis heute finanzieren Konzerne wie Facebook, Microsoft oder Google ihre Dienste durch Tracking, Datenanalysen, personenbezogene Werbeeinblendungen oder die Weitergabe von privaten Daten. Wer das nicht möchte, muss sich nach Alternativen umschauen. 

ginlo: Ein Messenger »made and hosted in Germany«

Eine davon könnte ginlo (ehemals SIMSme) sein. Der Messenger »made and hosted in Germany« wurde von der Brabbler AG als Gegenmodell zu WhatsApp entwickelt. Das Münchner Unternehmen verspricht dabei, ohne Tracking, Profiling und Werbung auszukommen – die Privatsphäre stehe an erster Stelle, so heißt es. Um nicht auf das Verkaufen von Daten und Analysen angewiesen zu sein oder Werbung einblenden zu müssen, finanziert die Brabbler AG ihre kostenlose App mit der kostenpflichtigen Business-Version des Messengers. 

»Zudem werden sämtliche Daten mit den stärksten Algorithmen verschlüsselt. Das gilt nicht nur für den Transportweg, der durch Ende-zu-Ende-Verschlüsselung abgesichert ist, sondern auch auf den Endgeräten. Durch diese Vollverschlüsselung hat selbst die Brabbler AG als Anbieter von ginlo keinerlei Zugriff auf Inhalte von Nutzern«, heißt es in einer Pressemitteilung.

Wer steckt hinter der Brabbler AG?

Hinter Brabbler stecken die GMX-Gründer Karsten Schramm, Peter Köhnkow, Eric Dolatre sowie Jörg Sellmann. Um sie herum versammelt sich ein Team aus Programmierern und Verschlüsselungsexperten aus 20 Ländern. Weiterhin ist die Deutsche Post in das Projekt ginlo involviert. Diese betrieb den »SIMSme«-Messenger, der von Brabbler aufgekauft und eingestellt wurde. Die deutsche Post fungiert nun als Investor und technischer Partner. 

ginlo: Das soll die App von der Konkurrenz abheben

Warum wir künftig nur noch über ginlo kommunizieren sollten, erklärt Brabbler so: Zum einen unterliegt das Unternehmen der deutschen Rechtsprechung und verwendet ausschließlich deutsche Server. Somit werden also auch die strengen Datenschutzgesetze eingehalten. 

Weiterhin gibt es einige Spezialfeatures, mit denen amerikanische Konkurrenten bisher nicht aufwarten können. So gibt es die Möglichkeit, zeitversetzte und selbstzerstörende Nachrichten abzusenden. Darüber hinaus gibt es spezielle Content Channels, in denen man Beiträge aus Lieblingszeitschriften und -blogs erhalten kann. Des Weiteren bietet die App die Möglichkeit, mit der sogenannten »ginlo ID« anonym in Gruppenchats zu kommunizieren. Heißt: Während in anderen Gruppenchats alle Telefonnummern angezeigt werden, erscheint für Personen, die eine bestimmte Nummer nicht im eigenen Handy abgespeichert haben, lediglich eine ID in Form von Großbuchstaben. 

Cleanes Design & intuitive Bedienung
 

Ginlo: Wir haben die App selbst ausprobiert

ginlo gibt es für iOS und Android. Die Anmeldung funktioniert so wie bei allen anderen Chat-Apps problemlos, selbsterklärend und schnell. Anschließend kann der App erlaubt werden, das Telefonbuch nach weiteren ginlo-Nutzern zu durchsuchen. Auch diese Abfrage läuft unkompliziert und schnell, brachte bei uns aktuell allerdings nur einen Treffer. Der Chat-Bereich ist im Allgemeinen clean und einfach gestaltet und funktioniert genauso, wie wir es gewohnt sind. 

Heraus sticht die Funktion der selbstzerstörenden Nachrichten. Beim Tippen erscheint ein grünes Bomben-Symbol. Vor dem Absenden kann ausgewählt werden, wie lange die Nachricht für die Empfängerin oder den Empfänger sichtbar bleiben soll, bevor sie wieder verschwindet. Ein anderes sehr praktisches Feature: Es ist möglich, Nachrichten nicht sofort abzuschicken, sondern einen späteren Versandzeitpunkt festzulegen. Wenn zum Beispiel ein Geburtstagsgruß pünktlich um null Uhr beim Empfänger landen soll, kann man einfach Datum und Uhrzeit einstellen. Während man selbst dann vielleicht schon längst im Land der Träume ist, werden die vorgeschriebenen Zeilen automatisch pünktlich versendet. Was dem Messenger bislang noch fehlt, sind die Möglichkeiten des Telefonierens und der Videotelefonie. Daran arbeiten die Entwickler allerdings bereits. 

Unser Fazit: Wenn Brabbler es tatsächlich schafft, alle gemachten Versprechen einzuhalten, und wenn dann noch einige fehlende Features wie die Videotelefonie ergänzt werden, sehen wir ginlo als gute Alternative zu WhatsApp, da sich die Apps bis auf ein paar Äußerlichkeiten kaum unterscheiden. Positiv sind die Extra-Features, mit denen die Konkurrenz nicht aufwarten kann. Ein Problem besteht aktuell allerdings noch: Noch ist die App zu unbekannt und wird von zu wenigen Userinnen und Usern verwendet. Um so richtig erfolgreich zu sein und WhatsApp zumindest in Deutschland den Rang abzulaufen, muss sich ginlo erst noch rumsprechen. Oder wie wäre es mit einer Social Media Pause? Unsere Gedanken zu Social Media Detox findest du hier

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Claudia Marisa Alves de Castro

Redaktionsleiterin

Claudia Alves de Castro kommt vom Land, war aber nie für die Kleinstadt gemacht. Jetzt – da sie in Hamburg lebt – kann sie ihrem Interesse für Menschen, Geschichten und dem Schreiben freien Lauf lassen. Vom Lifestyle- und Fashionblog, über die Arbeit beim Fernsehen vor und hinter der Kamera, bis hin zu den Online-Redaktionen großer Verlage, Claudia ist mit allen Medien-Wassern gewaschen. Neben ihrer Leidenschaft für ihren Beruf, macht sie ihre Liebe für Kultur, Medien und Reisen besonders glücklich. Seit März 2018 schreibt sie über all das bei uns.

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