Fridays for Future: Bußgelder für streikende Schüler*innen

Words by Arzu Gül
Photography: Markus Spiske via Unsplash
Lesezeit: 2 Minuten
Fridays For Future Bußgelder - Demoschild "Schule Frei"

Immer mehr SchülerInnen schwänzen am letzten Schultag der Woche den Schulunterricht und beteiligen sich stattdessen an »Fridays for Future«-Demonstrationen. Sollen Eltern nun Bußgelder zahlen, wenn ihre Kinder deshalb unentschuldigt in der Schule fehlen? Wir haben nachgefragt.

 

Seit Ende 2018 demonstrieren in Deutschland fast jeden Freitag SchülerInnen und StudentInnen als Teil der globalen »Fridays for Future«-Bewegung gegen den Klimawandel, kritisieren die aktuelle Regierungspolitik und fordern die Einhaltung der Ziele und Maßnahmen des Pariser Klimaabkommens. Die Streiks finden wöchentlich an Freitagen statt, meist in größeren Städten und vorrangig während der regulären Unterrichtszeiten. 

Zu Beginn erzeugten die Streiks viel Bewunderung und Solidarität von Erwachsenen. Viele Eltern erfüllte es mit Stolz, dass die junge Generation sich so standhaft für die Zukunft der Welt einsetzt und sich für Umweltfragen interessiert. Auch die Politik klatschte Beifall. Anders sah es beim Deutschen Lehrerverband (DL) aus. Heinz-Peter Meidinger, Präsident des DL, kritisierte die Streikmaßnahmen scharf. Die politischen Anliegen seien zwar unterstützenswert, das Fernbleiben vom Unterricht wegen Teilnahme an den Protestaktionen sei aber keineswegs tolerierbar. 

Faktisch handelt es sich beim Schuleschwänzen um eine Ordnungswidrigkeit, für die ein Bußgeld verhängt werden kann. Diese Option wurde schon mehrfach von LehrerInnen, Schulen und Ämtern angesprochen. Wir haben gemeinsam mit dem Meinungsforschungsinstitut Civey eine Umfrage durchgeführt und nachgefragt, ob Städte und Gemeinden zukünftig Bußgelder gegen Familien verhängen sollten, deren Kinder bei den Fridays-for-Future-Demonstrationen teilnehmen. Die Ergebnisse sind überraschend.

Solidarität oder Bestrafung? Die Frage spaltet Deutschland

Ebenso wie die Debatte um die Klimapolitik scheint auch die Frage um Bußgelder Deutschland in zwei Lager zu spalten. Etwa die Hälfte der Befragten (50,6 %) sprechen sich gegen Bußgelder für Familien aus, wohingegen rund 44 % eine finanzielle Geldbuße für das unentschuldigte Wegbleiben angemessen finden. Die restlichen Befragten (5,6 %) sind sich nicht einig und haben sich als »unentschieden« bezeichnet.

Überraschend ist, dass sich auch in der jüngeren Altersgruppe der 18- bis 29-Jährigen die Hälfte der Befragten für das Verhängen eines Bußgeldes ausgesprochen hat. Die Generation der Millennials kann sich demnach offenbar nicht vollständig mit den Werten und dem Aktivismus der Generation Z identifizieren. In der Altersgruppe der 40- bis 49-Jährigen, also der Eltern-Generation der streikenden SchülerInnen, hat sich hingegen die Mehrheit der Befragten gegen ein Bußgeld entschieden. Dies bestätigt den allgemein wahrgenommenen Zuspruch der Eltern für die Teilnahme an den Klimastreiks. 

AfD Wähler*innen fordern Bußgelder

Von der politischen Haltung ausgehend offenbart sich ein weitaus größerer Zwiespalt. WählerInnen von AfD (ca. 91 %), FDP (ca. 63 %) und CDU/CSU (ca. 60 %) sprechen sich in eindeutiger Mehrheit für eine Bestrafung der Ordnungswidrigkeit aus. AnhängerInnen der Grünen (ca. 88 %), der Linken (ca. 80 %) und der SPD (ca. 72 %) finden Bußgelder eher nicht angemessen und haben dagegen gestimmt. 

Die Stadt Mannheim hatte bereits im Juli 2019 je 88,50 Euro Strafe von mehreren SchülerInnen des Geschwister-Scholl-Gymnasiums verlangt. Diese hatten aufgrund der Klimastreiks am 24. Mai 2019 je zwei Unterrichtsstunden verpasst. Aufgrund der darauffolgenden starken öffentlichen Kritik seitens der Eltern, BürgerInnen und der Politik, ruderte die Verwaltung jedoch kurze Zeit später mit der Begründung zurück, die »Besonderheit« der klimastreikenden SchülerInnen sei bei der Prüfung des Bußgeldverfahrens nicht aufgefallen. Bezahlen mussten die Eltern der insgesamt vier SchülerInnen also schlussendlich nicht.

Könnten zukünftig Bußgelder drohen?

Der Fall in Mannheim bleibt bisher ein Einzelfall. Weitere Bußgeldverfahren sind nicht bekannt. Obwohl die meisten Schulleitungen das Fernbleiben vom Unterricht weiterhin nicht gutheißen, scheint es, als sei die Verhängung eines Bußgeldes aktuell unwahrscheinlich.

Für die Schülerinnen und Schüler, die an den Streiks teilnehmen, bedeutet dies allerdings nicht, dass sie die Fehlstunden nicht auf andere Weise ausgleichen müssen. Einige LehrerInnen lassen die Fehlstunden an anderer Stelle nachholen oder geben zusätzliche Hausaufgaben auf, damit der versäumte Stoff selbstständig nachgearbeitet wird.

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Arzu Guel

Redakteurin

Nach einem MBA in Medienmanagement und Stationen in der Produktentwicklung, Objektleitung und Vermarktung von Magazinen, hat Arzu Guel zurück zu ihrer eigentlichen Leidenschaft, dem Schreiben und Kreieren von Content, gefunden. Seit September 2019 schreibt sie nicht nur für Monda Magazin, sondern entwickelt auch Formate für unseren Instagram-Kanal. Sie brennt für die Themen Digitalisierung, Future Trends und für Menschen mit einzigartigen Geschichten.

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