Welche Folgen hat der Brexit für Deutschland?

Words by Claudia Marisa Alves de Castro
Photography: Rocco Dipoppa
Lesezeit: 2 Minuten
Was bedeutet der EU-Austritt der Briten für uns?

Am 31. Januar 2020 ist es so weit: Großbritannien verlässt nach mehr als 40 Jahren die Europäische Union. Welche Auswirkungen hat der Brexit auf die Bundesrepublik?

 

Es ist ein trauriger und sehr bedeutsamer Abschied. Im Jahr 2016 rechnete kaum jemand damit, dass dieser Tag wirklich kommen würde. Doch nach jahrelangen Verhandlungen und einem ständigen Hin und Her, wird Großbritannien die Europäische Union verlassen. Seit der allerersten Abstimmung der Briten ist eine Menge passiert. 

Der Brexit: eine Chronik 

23. Juni 2016: Bei einem Referendum stimmte eine knappe Mehrheit von etwa 52 Prozent für den Austritt Großbritanniens aus der EU. Der damalige Premierminister David Cameron, überzeugter Anhänger der Europäischen Union, trat wenig später zurück.

29. März 2017: Mehrere Monate später formulierte die neue Regierung eine offizielle Austrittserklärung. Diese wurde an Brüssel übergeben. 

19. Juni 2017: Nun begann die zweijährige Frist für die Austrittsgespräche. 

13. November 2018: London und Brüssel einigten sich auf ein Austrittsabkommen und eine künftige Partnerschaft. Premierministerin Theresa May fehlte allerdings die Unterstützung. Auch nach drei Versuchen bekam sie keine Mehrheit im Unterhaus. Der Austritt wurde verschoben.  

24. Mai 2019: May verliert das Vertrauen und tritt zurück. 

17. Oktober 2019: Nachfolger Boris Johnson schlägt ein neues Austrittsabkommen vor, doch wieder kommt es zu keiner Einigung mit dem Unterhaus. 

12. Dezember 2019: Durch Neuwahlen erhalten Boris Johnson und die Konservativen die Bestätigung, die sie sich erhofft hatten – Sie erhalten die absolute Mehrheit. 

22. Janaur 2020: Das britische Oberhaus verabschiedet das Austrittsabkommen, der Weg zum Brexit ist frei. 

31. Januar 2020: Großbritannien verlässt die EU.

Die Briten verlassen die EU. Erst einmal gilt die Übergangslösung, was danach passiert bleibt weiterhin unklar.

Brexit: Was bedeutet der Ausstieg für Deutschland?

Das, was am 31. Januar passiert, lässt sich zunächst einmal auch als einen rein formalen Austritt bezeichnen. Großbritannien bleibt nämlich gewissermaßen EU-Mitglied – jedoch ohne Mitspracherecht. Denn die Briten haben sich auf eine Übergangslösung geeinigt. Erst Ende 2020 müssen alle Formalitäten geklärt sein. Mit sofortiger Wirkung gilt also erst einmal Folgendes: 

  • Großbritannien wird zum sogenannten Drittstaat. 
  • Britische Abgeordnete müssen das Parlament verlassen.
  • Das Land ist nicht mehr an EU-Entscheidungen beteiligt.
  • GB verliert das Stimmrecht im Ministerrat.
  • Jedoch muss sich GB weiterhin an alle EU-Regeln und Standards halten.
  • GB muss die Entscheidungen des europäischen Gerichtshofs akzeptieren.
  • Weiterhin muss sich das Land noch für dieses Jahr mit 12 Milliarden Euro am EU-Haushalt beteiligen.
  • Bis Ende Dezember 2020 bleiben sie außerdem im EU Binnenmarkt und in der Zollunion.
  • Für alle BürgerInnen und Unternehmen der Europäischen Union – also auch Deutschlands – ändert sich erst einmal nichts. Das heißt, Reisende benötigen auch kein Visum, sondern weiterhin ausschließlich den Ausweis. 
  • Es wird auch keine Zölle oder Zollkontrollen geben.
 

Mit einem Blick auf Ende Dezember 2020, bleiben jedoch weiterhin viele wichtige Fragen ungeklärt. Wie will man Zölle verhindern? Wie sieht es mit Handelsbarrieren aus? Wie soll künftig die Kooperation bei der Terrorabwehr geregelt werden? Und wie werden Steuerzahlungen geregelt? An welche Standards in Bezug auf ArbeitnehmerInnen-Rechte müssen sich die Briten künftig halten? Was gilt dann künftig für Reisende?

Innerhalb der nächsten 11 Monate müssen jetzt zahlreiche Entscheidungen getroffen und ausverhandelt werden. Erst nach Ablauf der Zeit wird sich also wirklich zeigen, ob der Austritt doch noch ungeregelt abläuft und wie schwerwiegend die Folgen des Brexit dann für uns sind. 

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Claudia Marisa Alves de Castro

Redaktionsleiterin

Claudia Alves de Castro kommt vom Land, war aber nie für die Kleinstadt gemacht. Jetzt – da sie in Hamburg lebt – kann sie ihrem Interesse für Menschen, Geschichten und dem Schreiben freien Lauf lassen. Vom Lifestyle- und Fashionblog, über die Arbeit beim Fernsehen vor und hinter der Kamera, bis hin zu den Online-Redaktionen großer Verlage, Claudia ist mit allen Medien-Wassern gewaschen. Neben ihrer Leidenschaft für ihren Beruf, macht sie ihre Liebe für Kultur, Medien und Reisen besonders glücklich. Seit März 2018 schreibt sie über all das bei uns.

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