Elektromobilität auf zwei Rädern erobert die Straßen

Words by Jana Ahrens
Photography: Pexels
Close-Up auf den Lenker eines roten Elektrorollers mit großem runden Scheinwerfer

Der Umstieg vom Benziner oder Diesel auf ein Elektroauto fällt vielen noch schwer. Die Hürde ist bei Elektrofahrzeugen auf zwei Rädern nicht ganz so groß. Der Fahrspaß, den diese Roller bieten, und ihre kostengünstige Nutzung könnten für viele den Einstieg in die Elektromobilität einfacher machen.

 

Elektrofahrzeuge werden immer beliebter. Schon 2017 hatte Deutschland mit 54.617 Neuzulassungen von Fahrzeugen mit Elektromotoren weltweit die höchste Wachstumsrate in diesem Bereich. Das lässt sich dem NPE Fortschrittsbericht 2018 entnehmen. Darüber hinaus stammt global jedes dritte Patent im Bereich Elektromobilität aus Deutschland – eine Entwicklung, die sich allerdings noch nicht im Autoverkehr vor der Tür widerspiegelt. Trotz des Wachstums fällt vielen die Vorstellung, sich an ein neues Fahrverhalten und an die andersartige »Betankung« gewöhnen zu müssen, noch allzu schwer. Der Autoverkehr mag also noch recht konventionell daherkommen – doch gibt es andere Entwicklungen, durch die Elektromobilität – gerade in größeren Städten – langsam auffälliger wird. Eine davon: In Hamburg, München oder Berlin stehen an jeder Ecke Elektroroller, die per App ausgeliehen und flexibel wieder abgestellt werden können.

 

Elektroroller kaufen oder mieten

Was auch noch zur steigenden Popularität der Elektroroller beiträgt: Anbieter wie Unu, Niu oder Schwalbe passen sich den Bedürfnissen der Nutzer*innen an und bringen immer mehr verschieden ausgerüstete Modelle auf den Markt. Deshalb eignen sich Elektrofahrzeuge mit zwei Rädern inzwischen für sehr viel mehr als nur die schnelle Einkaufstour im urbanen Raum.

Ob man einen Elektroroller leiht oder doch lieber kauft, ist von mehreren Faktoren abhängig. Zum Beispiel davon, wie oft man ihn überhaupt braucht. Oder wie viel Flexibilität man benötigt. Wer mal ein gemütliches Modell braucht, auf dem auch die 16-jährige Tochter schon fahren darf, dann aber auch mal einen flotten Zweisitzer für die Spritztour am Wochenende möchte, für den könnte Leihen der richtige Weg sein. Wer gerne immer dasselbe Modell unterm Allerwertesten hat und regelmäßig fährt, sollte vielleicht eher kaufen. Natürlich hängt die Entscheidung auch sehr davon ab, ob bei einem in der Nähe überhaupt die Möglichkeit besteht, unkompliziert E-Roller auszuleihen – schließlich wohnen wir nicht alle in der Großstadt.

 

 

Wer sich zum Kauf entscheidet, hat die Qual der Wahl. Zum Glück können die meisten Modelle inzwischen entspannt Probe gefahren werden. Und es gibt auch schon Läden, die Modelle verschiedener Anbieter parallel anbieten und umfangreich beraten können. Das heißt, dass die umweltfreundlichen Flitzer auch außerhalb der Großstädte – und abseits der Sharing-Economy – in Ruhe getestet werden können. Doch welches der vielen neuen Modelle unter den Elektrozweirädern ist jetzt das richtige? Ein paar Tipps helfen bei der Suche.

Akku-Auswahl

Qualitativ warten inzwischen alle Anbieter mit sehr guten Akkus auf. Trotzdem gibt es Unterschiede. Im städtischen Bereich sollten die Akkus herausnehmbar und nicht zu schwer sein, damit sie unkompliziert in die Wohnung getragen und dort aufgeladen werden können. Kleinere, leichte Akkus sind zwar nicht so leistungsstark. Doch das kann ausgeglichen werden, indem das Elektrozweirad mit einem zweiten Akku ausgerüstet wird. So können Reichweite, Geschwindigkeit und Ladeprozess optimiert werden. Alle, die ein Eigenheim oder einen Garagenplatz mit Außensteckdosen besitzen, können auch Fahrzeuge mit fest installierten Akkus in Betracht ziehen. Die haben meist den Vorteil, dass sie eine größere Reichweite bieten und für eine bessere Straßenlage des Zweirads sorgen.

 

Führerscheinklasse

Obwohl Elektroroller sich nicht – wie Motorräder bisher – über den Hubraum klassifizieren lassen, werden sie doch in die bereits etablierten Führerscheinklassen einsortiert. So gibt es viele Roller, die auf 45 km/h gedrosselt sind und mit einem Führerschein der Klasse B – also dem für Autos – gefahren werden können. Für alle schnelleren Elektro-Zweiräder, egal ob Roller oder Motorrad, wird ein Führerschein der Klasse A benötigt. Für alle, die mal mit einem Elektroroller flitzen wollen, aber keinen Führerschein haben, bieten sich Elektroroller im Stil von Kickrollern mit einer Höchstgeschwindigkeit von 6 km/h an.

Zweisitzer oder Einsitzer?

Dass zwei Personen auf der Sitzbank eines Elektrorollers Platz finden, heißt nicht automatisch, dass eine gemeinsame Tour auch zu einem Fahrvergnügen wird. Viele der schicken Flitzer kommen beim Anfahren mit zwei Personen nicht mehr so recht aus der Hufe, und speziell die Modelle, die mit Führerscheinklasse B gefahren werden können, erreichen bei Doppellast nicht mal mehr ihre Höchstgeschwindigkeit von 45 km/h. Und das kann, speziell im Stadtverkehr, schon arg nerven. Deshalb ist der folgende Punkt auch ein wichtiger.

Varianz oder einfache Handhabung?

Je nach Marke und Modell sind die Roller mit verschiedenen Fahrmodi und unterschiedlicher Software ausgestattet. Bei Schwalbe gibt es beispielsweise die Modi »Boost« und »Cruise«: »Boost« für richtig schnelles Anfahren und »Cruise« für gemütliches Dahinrollen bei sparsamerem Verbrauch. Bei Niu kann zwischen den Modi »Sport«, »Dynamic« und »E-Save« ausgewählt werden. Des Weiteren können hier über eine entsprechende App Strecken analysiert, Ladestände überprüft und Wartungsinformationen angezeigt werden. Andere Anbieter setzen stattdessen auf eine möglichst einfache Handhabung und lassen alles weg, was das Starten und Fahren eines Rollers kompliziert machen könnte. Das kann von Vorteil sein, wenn der Roller vor allem für kurze Spritztouren genutzt oder von verschiedenen Personen geteilt wird.

Aber egal, ob ihr euch jetzt für einen Elektroroller – welches Modell auch immer – entscheidet oder ob ihr beschließt, kommende Sommertouren doch lieber auf dem Fahrrad oder im alten VW-Bulli zu unternehmen: Wir wünschen euch in jedem Fall viel Spaß unterwegs! Und fahrt vorsichtig!

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Ob Zweirad oder Auto, bei der modernen Mobilität ging es nie nur um praktische Überlegungen. Schon seit der Erfindung von motorisierten Fahrzeugen spielten immer auch kulturelle Aspekte – wie die Sehnsucht nach Abenteuer und Freiheit, das Bedürfnis nach Statussymbolen und der Wunsch, zu einer Gruppe von Gleichgesinnten zu gehören – eine wichtige Rolle. Das ist heute nicht anders. Ein Unternehmen aus Hamburg hat das erkannt und bietet neben futuristischen Elektrofahrzeugen ein vielfältiges Kulturprogramm um E-Roller, E-Bikes und E-Lieferfahrzeuge.

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Jana Ahrens

Chefredakteurin

Jana Ahrens liebt die Auseinandersetzung mit den Gegenständen und Situationen eines modernen Lebens. Dabei interessiert sich weniger für schöne Dinge, als eher für die Schönheit ihrer Umstände. Zum Schönen gehört natürlich auch, wenn sich komplexe Themen in verständliche Zusammenhänge zerlegen lassen. Im Januar 2018 hat sie die Chefredaktion des Monda Magazins übernommen.

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