Das deutsche Jahr der Künstlichen Intelligenz

Words by Anja Hendel
Photography: John Hain
Illustration von mathematischen Berechnungen, in deren Zentrum sich das Bild eines Frauenkopfes entwickelt.
Jedes Jahr wieder beschäftigen wir uns mit den aktuellen, großen Themen. Was ist wichtig? Wie verändert sich unsere Arbeit, unser Leben, die Gesellschaft? Welche Technologie ist „das nächste große Ding“? Einen spannenden Überblick dazu gab bereits dieser 30 “Big Ideas”-Artikel, in dem Menschen via LinkedIn aus ganz unterschiedlichen Branchen zu Wort kommen.
 

Ein Thema, an dem man in diesem Zusammenhang nicht vorbeikommt, ist Künstliche Intelligenz (KI). Viel mehr als nur ein „Trend“, der uns auch schon im letzten Jahr stark beschäftigt hat. Und dem davor. Und dem davor. Dabei wird das Wort „Trend“ der Technologie gar nicht gerecht – sie ist so revolutionär, facettenreich und mächtig wie zuletzt vielleicht die Entwicklungen von Tim Burners Lee: HTML und das World Wide Web. Und auch 2019 beschäftigt sie nahezu jede Organisation weltweit maßgeblich.

Grundlagenforschung und Ingenieurskunst 

Warum gelingt die Vernetzung nicht?

2019 ist das Jahr von KI in Deutschland und es ist höchste Zeit. Wir sind in Sachen Grundlagenforschung mit Forschungseinrichtungen wie dem Karlsruher Institut für Technologie, dem Deutschen Forschungsinstitut für Künstliche Intelligenz oder Forschungskooperationen wie dem Tübinger Cyber Valley gut aufgestellt. Von München bis Bremen sind in den letzten Jahren neue Lehrstühle rund um maschinelles Lernen, Computer Vision und Robotics entstanden. Doch es mangelt hierzulande (leider) noch an tragfähigen KI-Geschäftsmodellen.

Das ist aus zwei Gründen tragisch: Mit dieser guten Forschungsbasis und unserer starken Ingenieurskunst „Made in Germany“ sind wir eigentlich prädestiniert dafür, innovative KI-Lösungen zu entwickeln und die Technologie voranzutreiben. Doch aktuell nutzen wir dieses Potential kaum, schaffen die Vernetzung von Wissenschaft und Praxis zu selten. Und daran knüpft auch direkt der zweite Punkt an: Was uns noch nicht recht gelingen will, ist anderswo bereits geschafft, allen voran in China und den USA. Dort kommen Forschung und die Entwicklung konkreter Geschäftsmodelle zusammen, nicht zuletzt auch durch milliardenschwere Investitionen in den Markt für KI.

 

Forschungsgipfel 2019 

Wissenschaft, Wirtschaft und Politik an einem Tisch

Doch die Voraussetzung für das Jahr der Künstlichen Intelligenz in Deutschland sind besser denn je: Das Wissenschaftsjahr 2019 widmet sich dem Thema. Die Bundesregierung hat im letzten Jahr ihr Strategie-Papier KI herausgegeben und die Enquete-Kommission Künstliche Intelligenz ins Leben gerufen. Und mit Dorothee Bär hat eine inspirierende Frau ein wichtiges politisches Mandat übernommen, um den Digital-Standort Deutschland weiter zu stärken.

Die Bundesministerin für Bildung und Forschung, Anja Karliczek, äußerte sich beim Zukunftskongress zum Thema Künstliche Intelligenz.

 

Am 19. März 2019 fand zudem der Forschungsgipfel Künstliche Intelligenz in Berlin statt. Dort kammen zum mittlerweile fünften Mal rund 400 Entscheider, Experten und Vordenker aus Wissenschaft, Wirtschaft, Zivilgesellschaft und Politik zusammen – mit dem Ziel, wichtige Impulse für das deutsche Forschungs- und Innovationssystem zu setzen.

KI heißt auch: Kollaboration statt Koexistenz

Innovation um und mit Künstlicher Intelligenz kann nicht im stillen Kämmerlein, sondern nur gemeinsam entstehen: Angefangen bei der Zusammenarbeit in diversen Teams über bunt gemischte Panels – wie auf dem Forschungsgipfel – bis hin zur Kollaboration von Wissenschaft und Praxis. Nur so schaffen wir es, Deutschland zu einem wichtigen KI-Standort zu machen.

Aus diesem Grund ist es das Ziel, einerseits ein möglichst interdisziplinäres, vielfältiges Team aus UX Designern und Analysten über Data Scientists und Physikern bis hin zu Developern zusammenzubringen. Diese Diversität ermöglicht es uns, ganz neue Wege in der Erprobung von Technologien zu gehen und gemeinsam innovative Lösungen zu entwickeln. Gleichzeitig macht es Sinn, mit Startups oder anderen Unternehmen zusammenzuarbeiten.

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Portrait Anja Hendel

Anja Hendel

Editor

Anja Hendel ist Wirtschaftsinformatikerin, Kunst-Fan und verliebt in Daten. Als  Leiterin des Porsche Digital Lab in Berlin beschäftigt sie sich gemeinsam mit ihrem internationalen Team aus Technologie- und Software-Experten sowie Wissenschaftlern mit der Frage, wie Innovationen aus den Bereichen KI, Internet of Things und Blockchain in die Praxis übertragen werden können.

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