Das Sterben der Billigflieger

Words by Claudia Marisa Alves de Castro
Photography: Domagoj Cosic
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Ein Flugzeug zwischen zwei Hochhäusern
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In den letzten Jahren haben sich immer mehr Billigfluglinien vom deutschen Markt verabschiedet. Passagiere sind zunehmend verunsichert, denn: Im Falle einer Insolvenz gibt es nur selten eine Garantie. 

 

Für 50 Euro nach Mallorca und zurück. Derartige Preise können nur Billigfluglinien garantieren. Allerdings mussten sich in den letzten Jahren trotz der verlockenden Angebote immer mehr Airlines der Insolvenz geschlagen geben. Im Februar 2019 traf es die deutsche Fluggesellschaft Germania – wenig später musste auch WOW Air daran glauben.

Billigflieger: Der Markt bereinigt sich ständig

»An sich erleben wir, wie sich der Markt bereinigt. Auf dem europäischen Airline-Markt sind eine Vielzahl von Airlines aktiv, manche sehr erfolgreich, andere deutlich weniger erfolgreich«, sagt Prof. Dr. Stephan Bingemer, der an der International School of Management (ISM) im Bereich Tourismus und Business Administration lehrt und weiß, was hinter dem Massensterben der Billigfluggesellschaften steckt. Dass Billig-Airlines kommen und gehen, ist nichts Neues und ein völlig normales Verhalten am Markt.

 

Preisschwankungen sind in diesem Zusammenhang ebenfalls völlig normal, wie der ISM-Professor erklärt: »Wenn ein großer Carrier mit signifikantem Marktvolumen aus einem Markt austritt, ziehen die Preise in der Regel durchaus an. Das haben wir zuletzt beim Austritt von Air Berlin festgestellt. […] Sind große Billigfluglinien wie easyJet und Ryanair im Markt aktiv, oder andere Player wie die Deutsche Bahn, Flixbus oder das Auto eine ernstzunehmende Konkurrenz, dann können Preise dennoch niedrig bleiben, sofern der Wettbewerb als Marktmechanismus greift.«

Wer Billigflieger bucht, trägt oftmals das volle Risiko

Besonders ärgerlich wird es, wenn das spottbillige Angebot aus dem Internet gebucht ist und die Airline kurz vor Antritt der Reise die Insolvenz bekannt gibt. Nur mit Glück erhalten Passagiere in solchen Fällen den bereits bezahlten Betrag zurück. Hinzu kommen eventuelle Hotelkosten, die nur noch teilweise stornierbar sind. »Gerade bei Billigfliegern wird das Ticket oft online direkt bei der Airline erworben. In diesem Fall sind die Möglichkeiten in der Realität oft sehr beschränkt. Betroffene sind oft zum Erwerb eines teureren Ersatztickets gezwungen, falls sie das Hotel nicht mehr stornieren und den Urlaub absagen können«, erklärt der Experte. Anders gestaltet es sich bei Reisen, die über einen Veranstalter gebucht wurden. Dieser ist im Falle einer Stornierung durch die Airline verpflichtet, sich um eine Alternative zu kümmern.

Darum haben es Billig-Airlines schwer

Dass das Fliegen in Deutschland so günstig ist – oft sogar günstiger als Bahnfahren – ist einer der Hauptgründe dafür, warum Billig-Airlines so plötzlich von der Bildfläche verschwinden. Denn laut Prof. Dr. Stephan Bingemer sind die Fluggesellschaften häufig nicht in der Lage, die steigenden Kerosinpreise zu bezahlen. Und: »Das allergrößte Risiko für große Billigflieger stellt aus meiner Sicht jedoch deren eigene Strategie dar. Die Tendenz geht dahin, immer stärker vom margenstarken Geschäftsreiseverkehr profitieren zu wollen. Das macht einerseits Sinn, da sich in diesem Feld deutlich höhere Ticketpreise realisieren lassen, ist aber andererseits teuer, da Geschäftsreisen einer anderen Bedürfnisstruktur folgen. Um für Geschäftsreisende attraktiv zu sein, muss man die großen Airports anfliegen, mehr Service bieten, auch in geschäftsreiselastigen, teureren Vertriebskanälen präsent sein.«

Um am Markt wettbewerbsfähig bleiben zu können, müssen Billig-Airlines also immer wieder große Hürden überwinden. Dass es möglich ist, zeigen aktuell noch die Big Player easyJet und Ryanair. Wer billig fliegen möchte, sollte aber in jedem Fall wachsam bleiben und sich nicht nur vom niedrigen Preis beeindrucken lassen, denn bei einer unerwarteten Stornierung ist nicht nur der Ärger groß: Im schlimmsten Fall ergeben sich am Ende auch noch unerwartet hohe Kosten.

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Claudia Marisa Alves de Castro

Redaktionsleiterin

Claudia Alves de Castro kommt vom Land, war aber nie für die Kleinstadt gemacht. Jetzt – da sie in Hamburg lebt – kann sie ihrem Interesse für Menschen, Geschichten und dem Schreiben freien Lauf lassen. Vom Lifestyle- und Fashionblog, über die Arbeit beim Fernsehen vor und hinter der Kamera, bis hin zu den Online-Redaktionen großer Verlage, Claudia ist mit allen Medien-Wassern gewaschen. Neben ihrer Leidenschaft für ihren Beruf, macht sie ihre Liebe für Kultur, Medien und Reisen besonders glücklich. Seit März 2018 schreibt sie über all das bei uns.

6 Kommentare

grinch127
#5 — vor 1 Monat 4 Wochen
Ehrlich, es ist nach meiner Ansicht mehr als nur absoluter Schwachsinn, für 50 Euro nach Mallorca zu fliegen. Wenn also einer / eine bei diesem Preis auf der Strecke bleibt, kann ich nur sagen: bravo bravo
B. Steiner
#4 — vor 2 Monaten 3 Wochen
Danke für jeden »Nicht-mehr»_Flieger, der die Luft und Umwelt nicht mehr versaut und vergiftet!
Karl Napp
#3 — vor 3 Monaten 2 Wochen
Es ist schon erstaunlich, wie viele »Experten« ihre eigenartigen, von keinerlei Sachkompetenz getrübten Kommentare posten und statt mit fachlichem Hintergrund eher mit emotionaler Sichtweise glänzen! Kurze, wissensbasierte Artikel wären nicht nur informativer, sie wären auch unterhaltsamer.
wallenstein55
#2 — vor 3 Monaten 3 Wochen
das ist eine gesteuerte Falschmeldung. weil für jede billigairline die zugesperrt hat ist mindestens eine neue nachgekommen. und die ersparnis ist nach wie vor enorm - daher auch die nachfrage.
Oli
#1 — vor 5 Monaten 2 Wochen
So ein Unsinn. Erstens sind in den vergangenen Jahren auch immer wieder traditionelle Fluglinien Konkurs gegangen. Zweitens: Ob Kunden allenfalls auf Kosten sitzen bleiben, hat nichts mit dem Preis des Tickets zu tun, sondern wo man das Ticket kauft. Ich kann auch First Class Lufthansa fliegen und bleibe auf den Hotelkosten sitzen, wenn Lufthansa den Betrieb einstellen würde.
Miau
#1.1 — vor 5 Monaten 1 Woche
Sehr korrekt. Wenn ich auf 25 € sitzen bleibe ist nicht so tragisch, als wenn ich 300€ für gleiche strecke zahle.

In reply to #1 by Oli

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