Darum wurden TV-Spots von VW & Philadelphia verboten

Words by Claudia Marisa Alves de Castro
Photography: Daria Krasnenko auf Unsplash
Dieser Werbespot von VW wurde verboten
Die britische Werbeaufsicht ASA (Advertising Standards Authority) hat erstmals zwei Werbespots verboten. Die Clips von Volkswagen und Mondelēz beinhalten laut Aussagen der Aufsicht zu viele Geschlechterklischees. 
 

Großbritannien sagt Geschlechterklischees in der Werbung den Kampf an. Seit dem 14. Juni gibt es eine neue Regelung, die der nationalen Werbeaufsicht »ASA« eine größere Entscheidungsgewalt über die in der TV-Werbung laufenden Inhalte gibt. Wie der Guardian berichtet, sollen Spots, die mehr oder weniger offensichtlich mit überspitzt traditionellen Rollenbildern spielen, künftig verboten werden. In den Richtlinien der ASA heißt es dazu: »Anzeigen, die stereotype Rollen oder Eigenschaften von Männern und Frauen direkt gegenüberstellen, müssen mit Sorgfalt behandelt werden«.

VW & Mondelēz sind betroffen

Befindet die Aufsicht einen Beitrag als unpassend, darf dieser bis zu dessen Anpassung nicht mehr im Fernsehen gezeigt werden. Die ersten beiden Unternehmen, die davon betroffen sind, sind nun VW und Mondelēz. Bei Volkswagen handelt es sich um einen Spot, in dem die Männer als große Abenteurer und Pioniere dargestellt werden. Am Ende wird eine Frau als wenig beeindruckend wirkende Mutter auf einer Parkbank sitzend gezeigt – neben ihr ein Kinderwagen. Drei Personen reichten bei der ASA Beschwerde gegen diese Darstellung ein. 

VW hat inzwischen eine Stellungnahme veröffentlicht und erklärt, dass die Kernbotschaft eine völlig andere sei. Die Kernbotschaft beziehe sich auf die Fähigkeit des menschlichen Geistes, sich an die Herausforderungen und Veränderungen anzupassen, die durch diverse Umstände hervorgerufen würden. Dies solle anhand einer Reihe verschiedener Szenarien mit verschiedenen Charakteren dargestellt werden, damit sich ein möglichst vielfältiges Publikum mit der Botschaft identifizieren könne.

Dennoch darf der Spot im britischen Fernsehen vorerst nicht mehr gezeigt werden. Gleiches gilt für die Werbung von Mondelēz für einen Streichkäse. In dem Clip geht es um zwei Männer, die im Restaurant an einem Laufband stehen, auf dem sie ihre beiden Babys absetzen und vergessen, während sie nur noch Augen für die mit Philadelphia bestrichenen Brote haben. Die ASA bemängelt an dieser Stelle, dass der Beitrag den Männern unterstelle, weniger gut für ihre Kinder sorgen zu können als Frauen – und ihre Babys durch ihre Inkompetenz in Gefahr zu bringen. 

Auch Mondelēz erklärte, dass es sich lediglich um eine humorvolle Art und Weise handele, das Produkt in den Fokus zu rücken. Die Verantwortlichen wiesen darauf hin, dass es aus ihrer Sicht keinen Unterschied machen würde, wenn die Protagonisten zwei Frauen wären. Der »Witz« wäre derselbe.

Inzwischen wurde Kritik über die Strenge der ASA laut. »Die ASA scheint nicht mit der Gesellschaft im Allgemeinen synchron zu sein. Derzeit ist die Definition der ASA für ›Schaden‹ nicht umsetzbar und muss dringend geklärt werden. Ich hoffe, dass diese Werbetreibenden eine unabhängige Überprüfung der jüngsten Entscheidungen anstreben«, äußert Geraint Lloyd-Taylor, Werbespezialist der Kanzlei Lewis Silkin, besorgt gegenüber The Guardian.

Auch Clearcast, ein Unternehmen, das für die Überprüfung von Werbespots vor deren Ausstrahlung zuständig ist, äußerte sich in dem Guardian-Artikel frustriert über die Entscheidungen. „Wir sind natürlich enttäuscht“, heißt es. »Die Interpretation der Anzeigen durch die ASA im Hinblick auf die neuen Regeln und Richtlinien geht weiter als erwartet und hat Auswirkungen auf eine Vielzahl von Werbespots.«

Was sagt ihr? Haltet ihr das Durchgreifen der ASA im Fall VW und Mondelēz für gerechtfertigt? Teilt uns eure Meinung in den Kommentaren mit. 

Share:

Claudia Marisa Alves de Castro

Redaktionsleiterin

Claudia Alves de Castro kommt vom Land, war aber nie für die Kleinstadt gemacht. Jetzt – da sie in Hamburg lebt – kann sie ihrem Interesse für Menschen, Geschichten und dem Schreiben freien Lauf lassen. Vom Lifestyle- und Fashionblog, über die Arbeit beim Fernsehen vor und hinter der Kamera, bis hin zu den Online-Redaktionen großer Verlage, Claudia ist mit allen Medien-Wassern gewaschen. Neben ihrer Leidenschaft für ihren Beruf, macht sie ihre Liebe für Kultur, Medien und Reisen besonders glücklich. Seit März 2018 schreibt sie über all das bei uns.

Kommentieren