Coronavirus: Diese Branchen profitieren von der Krise

Words by Arzu Gül
Photography: Kelly Sikkema via Unsplash
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Frau hält Reinigungsmitteln im Arm - Coronavirus Unternehmen

Im Zuge der Corona-Pandemie und der staatlichen Maßnahmen fürchten viele Unternehmen um ihre Existenz. Andere hingegen machen aktuell das Geschäft ihres Lebens. Wer profitiert eigentlich von dieser Krise? 

Unternehmen und Selbstständige machen aktuell schwere Zeiten durch. In vielen Ländern wurden die Grenzen geschlossen und der Flugverkehr eingeschränkt. Die Luftfahrtbranche bekommt die Folgen der Coronakrise von Beginn an sehr stark zu spüren. Auch der Tourismus ist in vielen Ländern zum Erliegen gekommen. Hotels und Restaurants kämpfen mit Umsatzeinbußen, wie sie es noch nie erlebt haben. Und seit auch in Deutschland staatliche Maßnahmen ergriffen wurden und in vielen Bundesländern nun auch Kinos, Museen und Fitnessstudios sowie viele Restaurants und andere Geschäfte geschlossen sind, ist die Lage für zahlreiche Angestellte, Selbstständige und UnternehmerInnen prekär.  

ExpertInnen sprechen bereits davon, dass auf alle Staaten eine Wirtschaftskrise zukommt. Die US-Börse kämpft aktuell mit dem größten Minus seit dem schwarzen Montag am 19. Oktober 1987. Auch der Deutsche Aktienindex (DAX) ist tief ins Minus gerutscht. Bei AnlegerInnen macht sich eine große Unsicherheit über die wirtschaftlichen Folgen der Coronakrise bereit. Doch während ein Großteil der Wirtschaftswelt aktuell um seine Existenz bangt, erleben einige wenige Unternehmen ein florierendes Geschäft.

Seifen & Desinfektionsmittel

Allen voran dürften es wohl die Hersteller von Seifen und Desinfektionsmitteln merken. Noch gibt es keinen Impfstoff gegen das Coronavirus. Das aktuell wirksamste Mittel dagegen ist daher gründliches Händewaschen und Desinfizieren von Händen, Smartphones und anderen Oberflächen. Die entsprechenden Hygieneartikel sind seit einigen Wochen so stark nachgefragt, dass sie inzwischen gänzlich ausverkauft sind. Die Panik der Menschen ist zum Teil sogar so groß, dass sogar schon entsprechende Lösungen und Seifen aus Krankenhäusern geklaut wurden. 

Selbst Unternehmen, die bisher in ganz anderen Sparten produzierten, werden nun erfinderisch: Der französische Luxuskonzern LVMH beispielsweise hat inzwischen die Produktionslinien seiner Marken Christian Dior, Guerlain und Givenchy von Parfum auf Handdesinfektionsmittel umgestellt. Damit will man vor allem Krankenhäuser und Pflegeeinrichtungen beliefern und dem Engpass entgegenwirken.

Nudeln, Konserven, Toilettenpapier

Obwohl wir in Deutschland aktuell keinen Lebensmittelengpass haben, sind viele Menschen besorgt und decken sich mit Hamsterkäufen ein. Besonders trockene Lebensmittel wie Nudeln und Reis sowie lang haltbare Lebensmittel in Dosen sind in vielen Supermärkten immer wieder ausverkauft. Auch Toilettenpapier gehört zum Grundbedarf und wird zur Zeit verstärkt nachgefragt. Das Nürnberger Marktforschungsinstitut GfK (»Growth from Knowledge«) ermittelte, dass die Verkaufsumsätze von Fertigsuppen im Lebensmitteleinzelhandel im Vergleich zur Vorwoche um 112 Prozent gestiegen seien, bei Teigwaren und Nudeln verzeichne der Handel ein Plus von 73 Prozent und bei Gemüsekonserven ein Plus von 80 Prozent! Der GfK-Experte Robert Kecskes betonte »Solche Ausschläge haben wir sonst nirgends.« Zwar gibt es keinen Produktionsengpass, doch stoßen die Unternehmen inzwischen in puncto Logistik und Technik an ihre Grenzen.

Online-Bestellungen boomen

Während viele Läden aktuell geschlossen haben und Menschen sich in freiwilliger Isolation befinden, boomt das Online-Geschäft. Der weltweit größte Online-Händler Amazon verzeichnet momentan einen starken Anstieg bei den Bestellungen. In den USA möchte der Handelsriese daher sogar rund 100.000 zusätzliche MitarbeiterInnen einstellen, um der Nachfrage Herr zu werden. Dabei spricht das Unternehmen besonders Menschen aus der Hotellerie, Gastronomie oder Reisebranche an, die aufgrund der Krise arbeitslos geworden sind. Zusätzlich möchte der Online-Händler über 350 Millionen Dollar aufwenden, um die Löhne in den USA und Europa um je zwei Dollar bzw. Euro anzuheben.

Medien und Entertainment: Von ARD zu Netflix

Viele Menschen wurden von ihren Arbeitgebern ins Homeoffice geschickt, befinden sich in Quarantäne oder freiwilliger Isolation. In Ländern wie Italien und Spanien wurde inzwischen sogar eine staatliche Ausgangssperre verhängt, deren Verletzung mit hohen Geldstrafen geahndet wird. Die Folge: Die Menschen verbringen fast die gesamte Zeit ihres Tages zu Hause und suchen nach Beschäftigung. Da verwundert es nicht, dass Streaming-Anbieter wie NetflixAmazon Prime Video oder der neue Dienst Disney+ einen Zuwachs an Zuschauerzahlen verzeichnen werden. In Deutschland profitieren vor allem die öffentlich-rechtlichen Sender wie ARD und ZDF. Nachrichtensendungen zu Corona-Themen verzeichnen aktuell Top-Quoten im Gesamtpublikum. Die Tagesschau konnte am Sonntagabend zuletzt 17 Millionen Zuschauer erreichen, was einem Marktanteil von 26,7 Prozent entspricht.

Die Pharmaindustrie: Wer findet zuerst einen Impfstoff?

Wohl keine andere Branche steht aktuell so unter Druck und Beobachtung wie die gesamte Pharmaindustrie. Wer es schafft, als erstes einen COVID-19-Impfstoff zu entwickeln, der wird der internationalen Nachfrage kaum Herr werden können. In Deutschland liegt das Unternehmen CureVac weit vorn. Selbst US-Präsident Trump bot der Tübinger Firma einen Exklusiv-Deal an, sofern sie die Rechte am Impfstoff an die USA verkauften. CureVac jedoch lehnte jegliche Exklusiv-Deals ab und betonte, dass, würde tatsächlich ein Impfstoffe entwickelt werden, damit allen Menschen geholfen werden solle. Die EU belohnte die Bemühungen des Unternehmens nun mit einem Kredit von 80 Millionen Euro.

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Arzu Guel

Redakteurin

Nach einem MBA in Medienmanagement und Stationen in der Produktentwicklung, Objektleitung und Vermarktung von Magazinen, hat Arzu Guel zurück zu ihrer eigentlichen Leidenschaft, dem Schreiben und Kreieren von Content, gefunden. Seit September 2019 schreibt sie nicht nur für Monda Magazin, sondern entwickelt auch Formate für unseren Instagram-Kanal. Sie brennt für die Themen Digitalisierung, Future Trends und für Menschen mit einzigartigen Geschichten.

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