Coronavirus löst eine Welle der Solidarität aus

Words by Claudia Marisa Alves de Castro
Photography: Austin Kehmeier auf Unsplash
Lesezeit: 2 Minuten
In der Coronakrise nimmt die Solidarität immer weiter zu

Während die einen Hamsterkäufe tätigen, gibt es auch immer mehr Menschen, die ihre Hilfe anbieten, damit auch andere die schwierige Situation so gut es geht überstehen. Gesten, die uns in diesen Tagen Mut machen.

Bilder wie diese haben in vielen Städten die letzten Tage und Wochen geprägt: Leere Supermarktregale und Menschen, die die Läden mit ganzen Stapeln von Toilettenpapier, Desinfektionsmitteln und Konserven verlassen. Während einige das Gefühl haben, sich so für den absoluten Ernstfall wappnen zu müssen, empfinden andere derartige Reaktionen als reinen Egoismus. 

Damit alle etwas abbekommen, haben sich viele Drogerien und Apotheken dazu entschieden, bestimmte Waren nur noch auf Zuteilung herauszugeben. Immer häufiger ist so beispielsweise an den Kassen zu lesen, dass lediglich ein Desinfektionsmittel pro Person herausgegeben werde. Eine Maßnahme, von der wir nie gedacht hätten, dass sie notwendig würde.

Coronakrise: Nachbarschaftshilfe spielt eine immer größere Rolle

Doch es geht auch anders. Unter den Hashtags #NachbarschaftsChallenge oder #Nachbarschaftshilfe bieten dieser Tage immer mehr Menschen ihre Hilfe an. So kann man aktuell unter anderem bei Twitter oder in Nachbarschaftsportalen lesen, dass sich zahlreiche jüngere Menschen dazu bereit erklären, für die Älteren der Bevölkerung einzukaufen oder andere Besorgungen zu erledigen. Da das Virus vor allem für über 60-Jährige zu einer tödlichen Gefahr werden kann, empfinden es viele fitte und gesunde junge Menschen als Selbstverständlichkeit, sich auf diese Weise zu engagieren. Auch was das Thema Kinderbetreuung angeht, stellen sich immer mehr Menschen freiwillig dazu zur Verfügung, stunden- oder tageweise die Betreuung für Kinder aus der Nachbarschaft zu übernehmen. Vor allem Eltern, die in Krankenhäusern oder im öffentlichen Dienst arbeiten – etwa als PolizistInnen –, ist die aktuelle Situation besonders kompliziert. Wir brauchen diese Menschen, und sie brauchen uns. Denn ÄrztInnen und PolizistInnen können nun mal nicht aufs Homeoffice ausweichen.

Unsere Selbstbeschränkung heute kann morgen Leben retten. […] Wir haben es in der Hand, ob die Solidarität nach innen und außen die Oberhand gewinnt – oder der Egoismus des Jeder-für-Sichs. […] Wir werden das Virus besiegen. Die Welt wird danach eine andere sein. In welche Richtung es geht, das hängt von uns ab.

Frank-Walter Steinmeier, Bundespräsident

Coronakrise: Hansestadt Uelzen liefert alle Waren frei Haus

Zu mehr Solidarität rief zuletzt auch Bundeskanzlerin Angela Merkel auf. »Da sind unsere Solidarität, unsere Vernunft, unser Herz füreinander schon auf eine Probe gestellt, von der ich mir wünsche, dass wir diese Probe auch bestehen«, erklärte sie am Mittwoch in Berlin. Dazu sind verschiedenste Maßnahmen vonnöten, zu deren Umsetzung jedoch nicht nur Privatpersonen angehalten sind. Die niedersächsische Stadt Uelzen ist dieser Tage dabei, einen Hauslieferservice zu etablieren, um das Einkaufen leichter zu gestalten. Konkret geht es um die Möglichkeit, die Produkte der Händler aus der Stadt Uelzen nach Hause zu bestellen. Das Projekt richtet sich an Personen, die aufgrund der aktuellen Situation ans Haus gebunden sind. Dazu zählen beispielsweise Menschen, die zur Risikogruppe gehören oder aus anderen Gründen das Haus ungern verlassen möchten. »Es soll möglich sein, alle teilnehmenden Läden direkt anzurufen. Diese bereiten die Waren vor, die dann durch ein vom Stadtmarketing koordiniertes Auslieferungsteam kostenfrei nach Hause versendet werden«, erklärt das Stadtmarketing der Hansestadt. Für das Auslieferungsteam werden auch weiterhin Freiwillige gesucht. 

Ein ganz ähnliches Konzept hat sich in Südkorea etabliert. Infizierte oder sich aus Sicherheitsgründen in Quarantäne befindliche Menschen bekommen ihr Essen zuverlässig vor die Tür gestellt. Freiwillige HelferInnen sind jeden Tag damit beschäftigt, Essenspakete zu packen und auszuliefern. Neben Obst und Gemüse lassen sind darin auch Instant-Nudelsuppen und Reisgerichte zu finden. 

Dies sind nur einige der solidarischen Maßnahmen, die derzeit überall auf der Welt zum Tragen kommen und uns allen zeigen dürften, wie wundervoll es ist, gerade in Krisenzeiten zueinander zu stehen. Und genau das wird es auch sein, wovon wir uns in Zukunft noch häufiger erzählen werden. So undurchsichtig und ungewiss die derzeitige Situation auch sein mag – solange wir uns gegenseitig unterstützen, füreinander da sind und uns aufeinander verlassen können, werden wir das Virus mit vereinten Kräften überstehen. 

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Claudia Marisa Alves de Castro

Redaktionsleiterin

Claudia Alves de Castro kommt vom Land, war aber nie für die Kleinstadt gemacht. Jetzt – da sie in Hamburg lebt – kann sie ihrem Interesse für Menschen, Geschichten und dem Schreiben freien Lauf lassen. Vom Lifestyle- und Fashionblog, über die Arbeit beim Fernsehen vor und hinter der Kamera, bis hin zu den Online-Redaktionen großer Verlage, Claudia ist mit allen Medien-Wassern gewaschen. Neben ihrer Leidenschaft für ihren Beruf, macht sie ihre Liebe für Kultur, Medien und Reisen besonders glücklich. Seit März 2018 schreibt sie über all das bei uns.

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