Coronavirus: Muss ich Hamsterkäufe machen, wenn alle es tun?

Words by Arzu Gül
Photography: Maddi Bazzocco via Unsplash
Lesezeit: 2 Minuten
Hamsterkäufe Corona Virus

Angesichts der Coronakrise haben viele Menschen Angst vor einem Versorgungsengpass und machen seit Tagen große Hamsterkäufe, um auf das Schlimmste vorbereitet zu sein. Muss ich also nachziehen, auch wenn ich eigentlich gar nicht möchte?

Seit Tagen spitzt sich die Lage in Deutschland zu. Schulen und Kitas sind fürs Erste geschlossen, viele Unternehmen schicken ihre MitarbeiterInnen ins Homeoffice und in den meisten Städten wird nun auch das sonstige öffentliche Leben eingeschränkt und Restaurants, Läden und jegliche Freizeitangebote werden geschlossen. Gleichzeitig kursieren im Netz Falschmeldungen, die von Versorgungsengpässen und geschlossenen Supermärkten sprechen. Die Folge: Angst und Panik verbreiten sich wie ein Lauffeuer, und die Menschen tätigen zunehmend umfangreiche Hamsterkäufe, die zu leeren Supermarktregalen führen. Doch wie sollten wir vorgehen, um uns abzusichern? Müssen wir in Deutschland wirklich einen Versorgungsengpass befürchten? 

»Es gibt keinen Versorgungsengpass!«

Seit zwei Wochen herrscht in Deutschlands Supermärkten eine erhöhte Nachfrage. Vor allem Konserven, Reis, Nudeln und Drogerieartikel sind täglich ausverkauft und kaum noch zu finden. Doch die Supermarktketten geben Entwarnung. Die Hersteller liefern die Lebensmittel weiterhin nach, und die Regale werden immer wieder aufgefüllt. Aktuell besteht also kein Lebensmittelengpass. Die Produkte können weiterhin erworben werden.

Bei Hygieneartikeln wie Klopapier sei die Logistikkette hingegen etwas anders. Sebastian Bayer, Geschäftsführer der Drogeriemarktkette »dm«, erklärt: Da die Nachfrage abrupt angestiegen sei und derartige Produkte normalerweise nur selten nachbestellt würden, seien diverse Artikel an einigen Standorten vorübergehend tatsächlich nicht erhältlich. Allerdings sollen bereits Maßnahmen ergriffen worden sein, um die Produkte nachzuliefern. 

Laut einer Studie verbrauchen die Deutschen durchschnittlich 134 Toilettenpapier-Rollen pro Jahr. Eine herkömmliche Packung mit 10 Rollen, reicht also für etwa 4 Wochen aus.

Auch die Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) rät aktiv von Hamsterkäufen ab: »In Deutschland haben wir aktuell keine Versorgungsengpässe. Ich appelliere daher an die Bürger, ihre Vorräte mit Bedacht, Augenmaß und umsichtig aufzustocken – dann ist genügend für alle verfügbar, die Regale werden zeitnah wieder aufgefüllt.« Besonders im Hinblick auf die jetzige Situation sei nicht nur die Solidarität der VerbraucherInnen untereinander gefragt, sondern auch Maß und Mitte. So sollen nur Produkte gelagert werden, die auch tatsächlich im Alltag genutzt würden, um keine Lebensmittel und Ressourcen zu verschwenden, »denn unnötige Hamsterkäufe führen leider häufig dazu, dass Lebensmittel letztlich in der Tonne landen.«, so Klöckner.

Es ist kompletter Unsinn, sich jetzt mit irgendwas einzudecken

Prof. Christian Drosten, Chefvirologe der Berliner Charité

Das sind die offiziellen Einkaufs-Empfehlungen

  • Wer Vorräte anlegen möchte, sollte dies schrittweise und mit Bedacht tun.
     
  • Menschen sollten weiterhin Lebensmittel einkaufen, die sie auch sonst essen. Wer die letzten 10 Jahre keine Dosenravioli gegessen hat, wird nicht gezwungen sein, diese nun zu konsumieren!
     
  • Der Einkauf sollte nicht nur auf Freitagnachmittag oder Samstagmorgen gelegt werden, sondern auch auf die Woche verteilt werden. So haben MitarbeiterInnen die Chance, Regale wieder aufzufüllen.
     
  • Nicht genutzte und haltbare Lebensmittel auf keinen Fall wegschmeißen, sondern lieber an die Tafel oder bedürftige Personen spenden.
     
  • Generell wird vom Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe bereits seit Jahren empfohlen, einen privaten Notvorrat für zehn Tage anzulegen.
     

In Deutschland muss sich aktuell also niemand Sorgen um Nahrungsmittel oder sonstige Produkte machen. Viel wichtiger ist es, jetzt an bedürftige Mitmenschen zu denken, denn nicht jeder hat die finanziellen Mittel, um auf Vorrat zu kaufen, oder ist so mobil, dass er oder sie mehrere Supermärkte abfahren kann. 

Vor allem aber sollte man bedenken, dass die massiven Maßnahmen, mit denen aktuell das öffentliche Leben eingeschränkt wird, vor allem ein Ziel haben: die Menschen vor einer Ansteckung zu schützen, bei denen die Erkrankung mit einiger Wahrscheinlichkeit einen schweren Verlauf nehmen würde – also ältere Menschen und Menschen mit Vorerkrankungen. Diese sollten in den nächsten Wochen und Monaten so wenig wie möglich das Haus verlassen. Wer also im Moment seinen Einkaufswagen etwas voller füllt als üblich, sollte das nicht tun, um die eigene Speisekammer unnötig zu füllen, sondern um Risikogruppen den Gang in den Supermarkt abzunehmen und ihnen eine Tüte mit Lebensmitteln vor die Tür zu stellen. Und natürlich auch eine Packung Toilettenpapier!

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Arzu Guel

Redakteurin

Nach einem MBA in Medienmanagement und Stationen in der Produktentwicklung, Objektleitung und Vermarktung von Magazinen, hat Arzu Guel zurück zu ihrer eigentlichen Leidenschaft, dem Schreiben und Kreieren von Content, gefunden. Seit September 2019 schreibt sie nicht nur für Monda Magazin, sondern entwickelt auch Formate für unseren Instagram-Kanal. Sie brennt für die Themen Digitalisierung, Future Trends und für Menschen mit einzigartigen Geschichten.

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