Corona ist sexistisch: Warum Frauen im Nachteil sind

Words by Shila Block
Photography: Nandhu Kumar via Pexels
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Corona sexistisch - Frau mit Gesichtsmaske hinter Fenstergittern

Die globale Coronakrise betrifft Menschen aus allen Nationen. Doch Frauen trifft sie besonders hart. Wir erläutern fünf geschlechtsspezifische Auswirkungen des Virus und deren Folgen.

Im März 2020 wurde der Ausbruch des Corona-Virus von der Weltgesundheits-organisation (WHO) zu einer globalen Pandemie erklärt. Das Coronavirus hat mittlerweile zwar alle Länder erreicht, jedoch sind nicht alle Länder gleich stark von den Auswirkungen des Virus betroffen. Bestehende Ungerechtigkeiten wie Hunger oder Armut werden durch die Pandemie verstärkt. Nicht nur die Schere zwischen arm und reich wird größer. Auch Frauen und Männer sind unterschiedlich stark von den Auswirkungen der Pandemie betroffen. 

Geschlechtsspezifische Unterschiede im Gesundheitswesen

Weltweit sind fast 70% des Gesundheitspersonals weiblich. Während Männer immer noch Führungs- und Entscheidungspositionen im Gesundheitssektor dominieren, sind es überwiegend Frauen, die im Einsatz gegen COVID-19 ohne genügend Schutzmaterial und unter hoher Belastung an den Krankenbetten stehen und somit einem erhöhten Risiko ausgesetzt sind, sich mit dem Virus zu infizieren. Vor dem Hintergrund, dass weltweit Pflege- und Sorgearbeit*innen für eine Aufwertung und bessere Bezahlung der Berufsgruppe kämpfen, zeigt sich durch die Pandemie, wie relevant die Umsetzungen dieser Forderungen sind.

Einschränkung der sexuellen und reproduktiven Rechte

Die Schutzmaßnahmen der Corona-Krise führten zum Herunterfahren der Kondomproduktion und zu Schließungen von Beratungsstellen für Familienplanung. Dies hat zur Konsequenz, dass Mädchen und Frauen keinen oder nur eingeschränkten Zugang zu Verhütungsmitteln und Beratung haben. Das UN-Gremium, das auch zu sexueller und reproduktiver Gesundheit arbeitet (UNFPA) geht davon aus, dass weltweit mehr als 47 Millionen Mädchen und Frauen ihren Zugang zu Verhütungsmitteln verlieren, was in den kommenden Monaten zu 7 Millionen ungewollten Schwangerschaften führen könnte. Eine Knappheit von Kondomen wird neben ungewollten Schwangerschaften auch Auswirkungen auf die Verbreitung von sexuell übertragbaren Krankheiten zur Folge haben, was gerade den südafrikanischen Ländern Probleme bei der Eindämmung von HIV bereiten könnte.

In vielen Ländern fehlt jungen Mädchen der Zugang zu Bildung. Die Coronakrise verstärkt diesen Missstand

Geschlechtsspezifische Unterschiede in der Bildung

Durch die weltweit eingeleiteten Schulschließungen erhöhen sich die Schulabbruchsquoten, die Mädchen und junge Frauen unverhältnismäßig stark betreffen. Wird heranwachsenden Frauen die Schulbildung verweigert, setzt sie das einem erhöhten Risiko für sexuelle Ausbeutung, Frühschwangerschaft sowie Früh- und Zwangsheirat aus, warnt die UNESCO.

Steigende Armut

Wer die ONE-Kampagnen aufmerksam verfolgt, weiß, dass Armut sexistisch ist. Die wirtschaftliche Instabilität, die durch die Corona-Krise ausgelöst wurde und in der Zukunft noch verstärkt wird, wird besonders verheerende Auswirkungen auf Frauen haben. Denn schon vor Corona lebten wir in einer Welt, in der Frauen weniger verdienen, weniger Zugang zu Sozialleistungen haben und überproportional im informellen Sektor tätig sind. Die UN geht davon aus, dass diese Startvoraussetzungen dazu führen werden, dass Frauen den wirtschaftlichen Schock der Pandemie weniger gut absorbieren können als Männer und entsprechend länger unter den wirtschaftlichen Auswirkungen leiden werden.

Die Ausgehbeschränkungen führten zu mehr Gewalt in Haushalten gegenüber Frauen

Anstieg von Gewalt gegen Mädchen und Frauen

Aktuelle Zahlen zeigen, dass sich Gewalt gegen Mädchen und Frauen und insbesondere häusliche Gewalt seit dem Ausbruch von COVID-19 vervielfältigt hat. Da zur Eindämmung des Virus in vielen Ländern Quarantäne-Maßnahmen angeordnet wurden, werden Mädchen und Frauen, die mit gewalttätigen Partnern zusammen leben, von Hilfseinrichtungen und Unterstützung aus ihrem Umfeld isoliert.

Dadurch, dass als Reaktion auf COVID-19 auch Programme zur Verhinderung von weiblicher Genitalverstümmelung ausgesetzt wurden, wird es außerdem im nächsten Jahrzehnt zu 2 Millionen Fällen von weiblicher Genitalverstümmelung kommen, die sonst hätten verhindert werden können.

UN-Generalsekretär António Guterres hat an die Weltgemeinschaft appelliert, dass die Erholung von der Corona-Krise zu einer besseren Welt führen müsse. Dieses löbliche Vorhaben kann jedoch nur gelingen, wenn geschlechtsspezifische Auswirkungen der Krise analysiert und adressiert werden. Alle Reaktionspläne, Rettungspakete und Finanzierungsmaßnahmen müssen umfassend geschlechter-sensibel sein. Außerdem sollten Frauen und Frauenrechtsorganisationen an der Gestaltung dieser Lösungsansätze teilhaben. Nur so ist es uns möglich, die geschlechtsspezifischen Auswirkungen der Pandemie zu überwinden und statt eines Rückschrittes einen Schritt vorwärts in Richtung einer geschlechtergerechteren Welt zu machen.

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Shila Block (23) engagiert sich als Jugendbotschafterin der Entwicklungsorganisation ONE für die Bekämpfung extremer Armut. Die Frankfurterin studiert zurzeit Politikwissenschaften im Master in Potsdam. Seit Jahren liegt ihr die Stärkung der Rechte von Frauen und Mädchen besonders am Herzen. Durch ihr Engagement bei ONE möchte sie ein wichtiges Zeichen für Geschlechtergerechtigkeit setzen.

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