Brauchen wir eine Impfpflicht?

Words by Claudia Marisa Alves de Castro
Photography: Deutsche Fotothek‎
Kinder werden beim Arzt geimpft

Ob man das eigene Kind impfen lässt oder nicht, ist jedem selbst überlassen. Doch schon seit Jahren werden immer wieder Rufe nach einer Impfpflicht laut, um tödliche Krankheiten zu stoppen. 

 

»Unbedingt notwendig«, sagen die einen. »Völliger Quatsch«, erklären die anderen. Die Meinungen zum Thema Impfen gehen weit auseinander und sorgen für erhitzte Diskussionen. Ob man sein Kind und auch sich selbst gegen bestimmte Krankheiten impfen lässt, entscheiden Eltern und Betroffene selbst. Diese Entscheidungsfreiheit könnte jedoch im Extremfall mit dem Leben bezahlt werden.

Masern können tödlich enden

Masern gehören zu den hoch ansteckenden und lebensbedrohlichen Krankheiten, die durch Impfungen bisher eingedämmt werden konnten. Die Infektion wird durch Viren ausgelöst, tritt auf der ganzen Welt auf und läuft etwa in jedem zehnten Fall mit Komplikationen ab. Schon längst könne man nicht mehr von einer Kinderkrankheit sprechen, da sich auch immer häufiger Jugendliche und Erwachsene anstecken, heißt es auf dem Portal infektionsschutz.de: »Masern-Viren werden ausschließlich von Mensch zu Mensch übertragen. Nahezu jeder Kontakt zwischen einer ungeschützten Person und einem Erkrankten führt zu einer Ansteckung, selbst aus einigen Metern Entfernung. Beim Husten, Niesen oder Sprechen können sich die Erreger in kleinen Speichel-Tröpfchen über die Luft verbreiten und eingeatmet werden.«

95 Prozent der Bevölkerung muss geimpft sein

Um die Bevölkerung vor der Krankheit – und damit auch vor einer potenziell tödlichen Hirnentzündung, die als Spätfolge auftreten kann – schützen zu können, werden aktuell zwei Impfungen empfohlen. Angaben des Robert-Koch-Instituts zufolge, liegt in Bayern die Impfquote bei der ersten Masernimpfung immerhin bei 96,6 Prozent, bei der zweiten Impfung schon nur noch bei 92,2 Prozent. Um die Ausbreitung der Erkrankung zu verhindern, seien jedoch mindestens 95 Prozent nötig. 

Impfpflicht ja oder nein?

Vom Jahresbeginn bis April 2019 wurden in Bayern 34 neue Masernfälle verzeichnet. Bundesweit wurden im ersten Quartal des Jahres 200 gemeldete Fälle erfasst. 2018 waren es in Europa sogar 83.000 Menschen – ein Höchstrekord. Diese bedenkliche Entwicklung ist es, die die Diskussion um eine Impfpflicht erneut befeuert. In diesem Zuge sprach sich Bundesgesundheitsminister Jens Spahn für verpflichtende Masernimpfungen für Kinder in Schulen und Kindergärten aus: »Es geht nicht nur um den Schutz des eigenen Kindes«, erklärte er in Berlin. 

Der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte dürfte die Forderungen Jens Spahns nach einer Impfpflicht mehr als begrüßen. Impfgegner sollen laut Meinung des Verbandes künftig mit härteren Konsequenzen rechnen müssen. Neben einer bundesweiten Impfpflicht fordern sie, dass Kinder ohne Impfungen künftig keinen Kitaplatz mehr bekommen, um jene Kinder nicht zu gefährden, die etwa aus medizinischen Gründen nicht geimpft werden können oder noch zu jung dafür sind.

 

Was bringt eine Impfpflicht wirklich?

Der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte betont immer wieder, dass sich das Ziel, die Masern bis 2020 vollständig auszurotten, nur dann realisieren ließe, wenn mindestens 95 Prozent der Bevölkerung geimpft sind. Die Impfung gegen Pocken, die in der Bundesrepublik bis 1976 verpflichtend war, zeigt, dass so etwas funktionieren kann. Heute gilt der Virus als ausgerottet. Doch was bringt eine Impfpflicht wirklich? Niemand lässt sich gerne bevormunden, und die Proteste sind entsprechend groß. Das Robert-Koch-Institut befürchtet sogar, die Zahl der Impfungen könnte zurückgehen, wenn diese nicht mehr freiwillig sind.

Ob die Diskussion um eine Impfpflicht ein entsprechendes Gesetz auf den Weg bringen wird, lässt sich bisher noch nicht absehen. Fest steht bisher nur: Wir müssen die Anzahl der Masernfälle wieder dringend reduzieren.

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Politik

Claudia Marisa Alves de Castro

Redaktionsleiterin

Claudia Alves de Castro kommt vom Land, war aber nie für die Kleinstadt gemacht. Jetzt – da sie in Hamburg lebt – kann sie ihrem Interesse für Menschen, Geschichten und dem Schreiben freien Lauf lassen. Vom Lifestyle- und Fashionblog, über die Arbeit beim Fernsehen vor und hinter der Kamera, bis hin zu den Online-Redaktionen großer Verlage, Claudia ist mit allen Medien-Wassern gewaschen. Neben ihrer Leidenschaft für ihren Beruf, macht sie ihre Liebe für Kultur, Medien und Reisen besonders glücklich. Seit März 2018 schreibt sie über all das bei uns.

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