Bargeldlos bezahlen in Deutschland: eine Generationsfrage?

Words by Arzu Gül
Photography: Clay Banks via Unsplash
Bargeldlos bezahlen: Person hält Kreditkarte an Terminal

Trotz zahlreicher neuer Technologien und Möglichkeiten, bargeldlos zu bezahlen, liegt Deutschland im internationalen Vergleich hierbei immer noch weit hinten. Woran liegt das?

 

Für kaum eine andere Nation auf der Welt hat Bargeld eine so starke Relevanz wie für Deutschland. Während selbst Dritte-Welt-Länder eine der größten Handelsnationen in der Entwicklung von digitalen Bezahlmethoden überholen, heißt es hierzulande in vielen Restaurants und Märkten: »Nur Bares ist Wahres!«. Es scheinen vor allem die älteren Generationen zu sein, die weiterhin auf Münzen und Scheine bestehen. Hingegen zeigen immer mehr jüngere Personen inzwischen Unverständnis, wenn ihnen irgendwo Kartenzahlung verwehrt wird. ExpertInnen erwarten, dass sich die Fronten zwischen Bargeld-BefürworterInnen und Bargeldlos-AnhängerInnen in den nächsten Jahren immer mehr verhärten. Ist die Art des Bezahlens tatsächlich eine Generationsfrage? 

Jüngere Generationen fordern Wahlfreiheit für elektronische Bezahlarten

Eine aktuelle Studie des Bundesverbands Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien e. V. (Bitkom) scheint dies zu bestätigen: Vor allem junge Menschen zwischen 16 und 29 Jahren würden in Deutschland gerne öfter elektronisch bezahlen. Ganze 71 Prozent sind geradezu verärgert, wenn sie gezwungen sind, mit Bargeld zu bezahlen, und 70 Prozent fordern inzwischen eine gesetzliche Wahlfreiheit mit mindestens einer elektronischen Bezahlart in jedem Geschäft oder Restaurant. 

Besonders jüngere Generationen wünschen sich flächendeckende bargeldlose Bezahlungsmöglichkeiten

Auch die Allensbach-Umfrage der Initiative Deutsche Zahlungssysteme e. V. zeigt auf, dass die Art des Bezahlens sehr generationsabhängig ist. Die Mehrheit der 16-44-Jährigen hat ihre letzten Einkäufe meist mit Karte bezahlt. Im Alterssegment der Unter-30-Jährigen stieg der Anteil der Bargeldlos-ZahlerInnen innerhalb eines Jahres besonders stark an – von 39 auf 51 Prozent. Die Bevölkerung ab 45 Jahren griff bei den letzten Einkäufen hingegen meist zu Bargeld (69 Prozent). Dabei zeigt sich gesamtgesellschaftlich: Haben Befragte moderne Bezahlverfahren wie kontaktlose Girocards schon einmal selber ausprobiert, hat dies ihr Urteil über die Bezahlart positiv beeinflusst. 

Auch Julian Grigo, Bereichsleiter Digital Banking & Financial Services beim Bitkom, betont: »Es passt nicht in die digitale Zeit, dass Kunden zur Bargeld-Zahlung gezwungen werden.« Daher setze sich das Unternehmen für die Wahlfreiheit beim Bezahlen ein. Diese stelle aber keinen ideologischen Kampf um das Für und Wider von Bargeld dar, sondern bedeute vielmehr ein Mehr an Freiheit für alle Kunden. Zusätzlich hätten digitale Bezahlsysteme viele Vorteile: »Von einer flächendeckenden Möglichkeit, elektronisch zu bezahlen, würden Kunden, Händler und der Staat profitieren. Elektronisches Bezahlen spart Zeit und Kosten und führt zu mehr Steuerehrlichkeit.«

Schweden wird erste bargeldlose Gesellschaft weltweit

Als gutes Beispiel und Vorreiter in puncto Karten- und Smartphone-Zahlung dient übrigens Schweden. Laut der schwedischen Zentralbank Riksbank werden in dem skandinavischen Land inzwischen weniger als 20 Prozent der Einkäufe mit Bargeld getätigt. Selbst Kinder zahlen dort inzwischen mit Debitkarten. Die internationale Unternehmensberatung A. T. Kearney prognostiziert nun, dass Schweden 2023 die erste bargeldlose Gesellschaft weltweit sein wird. 

BargeldliebhaberInnen in Deutschland müssen sich aber vorerst keine Sorgen machen. ExpertInnen zufolge werden digitale Zahlungsmethoden zwar auch in Deutschland mit den Jahren immer beliebter, doch in den nächsten 50 Jahren bleibe Bargeld in Deutschland immer noch von hoher Relevanz.

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Arzu Guel

Redakteurin

Nach einem MBA in Medienmanagement und Stationen in der Produktentwicklung, Objektleitung und Vermarktung von Magazinen, hat Arzu Guel zurück zu ihrer eigentlichen Leidenschaft, dem Schreiben und Kreieren von Content, gefunden. Seit September 2019 schreibt sie nicht nur für Monda Magazin, sondern entwickelt auch Formate für unseren Instagram-Kanal. Sie brennt für die Themen Digitalisierung, Future Trends und für Menschen mit einzigartigen Geschichten.

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