Arbeitszeiten: Nur noch sechs Stunden am Tag?

Words by Claudia Marisa Alves de Castro
Photography: Annie Spratt auf Unsplash
Büroalltag: Dürfen wir bald nur noch sechs Stunden arbeiten?
Was können wir gegen den Klimawandel tun? Neben dem Vermeiden von Plastik soll auch eine Reduzierung der Arbeitszeit eine gute Möglichkeit sein, um die Umwelt zu schonen. 
 

Greta Thunberg bringt mit ihrer »Fridays for Future«-Bewegung die Menschen zum Nachdenken. Sie und viele weitere Aktivisten und Wissenschaftler machen darauf aufmerksam, dass es notwendig ist, weniger Plastik zu produzieren und zu verwenden, weniger Fleisch zu essen, Flugreisen einzuschränken und das Auto öfter mal stehen zu lassen, um dem Klimawandel Einhalt gebieten zu können. Die Klimakrise ist real, ja schon beinah greifbar. Doch Wissenschaftler machen auch klar, dass wir in Zukunft noch viel mehr tun müssen.  

Schützt weniger Arbeit die Umwelt? 

Ein völlig neuer Ansatz könnte dieser sein: Ein britischer Think Tank hat Philipp Frey, Doktorand am Karlsruher Institut für Technikfolgenabschätzung und Systemanalyse, damit beauftragt, in einer Studie den Zusammenhang zwischen Treibhausgasen und dem Bruttoinlandsprodukt zu untersuchen. Mit Blick auf die Kohlenstoffintensität einer Wirtschaft schlüsselte er auf, welches Bruttoinlandsprodukt besonders nachhaltig für die Umwelt wäre. Für seine Berechnungen stützte er sich unter anderem auf Daten der OECD und der UNO

Sieht so das Büro der Zukunft aus? Die meiste Zeit menschenleer?

Das Ergebnis seiner Untersuchung ist, dass wir unsere Arbeitszeit reduzieren müssen, wenn wir etwas verändern wollen. Um den Ausstoß von Treibhausgasen möglichst gering zu halten, sollen wir in Deutschland also nicht wie bislang 40 Stunden pro Woche schuften, sondern nur noch sechs – in Großbritannien wären es neun und in Schweden immerhin noch 12 Stunden. So bestätigte der Leiter des Think Tanks gegenüber dem britischen Guardian: »Der Weg zu einer grünen, nachhaltigen Gesellschaft erfordert ein Reihe von Strategien – eine kürzere Arbeitswoche ist nur eine davon.«

 

Ressourcen schonen & den Planeten entlasten 

Soll heißen: Um unseren Planeten zu entlasten und die Umwelt zu schonen, müssen wir unsere Arbeitszeiten so reduzieren, dass wir begrenzte Ressourcen einsparen. Doch künftig nur noch für einen Tag und maximal sechs Stunden in die Werkhalle oder ins Büro fahren? Ehrlich gesagt klingt das ziemlich langweilig. Und bei einer derart starken Einstampfung der Produktion verschiedenster Güter, die wir allein im täglichen Leben benötigen, würden wir natürlich Ressourcen einsparen – doch ausreichend versorgt wären wir dann nicht. Ein netter Gedanke, der in der Realität nur schwer umzusetzen ist und an dieser Stelle eher als eine Art Gedankenexperiment zu verstehen ist. 

Anregend dürften die Ausführungen zum Beispiel mit Blick auf China sein, wo der Trend in die entgegengesetzte Richtung geht: In der aufstrebenden Technik-Nation hat sich gerade die sogenannte 996-Arbeitswoche etabliert. Das bedeutet, dass an sechs Tagen der Woche von neun bis neun, also von morgens 9 Uhr bis abends 21 Uhr, gearbeitet wird. Hier ist nicht nur eine starke Umweltbelastung vorprogrammiert – auch die Angestellten sind potenziell gefährdert, denn ein solch hohes Arbeitspensum kann gesundheitliche Schäden verursachen. 

Dass künftig die Arbeitszeit in bestimmten Branchen der Umwelt zuliebe tatsächlich reduziert wird, ist übrigens gar nicht so unwahrscheinlich. Doch dann sprechen wir eher von 32 Stunden, also einer 4-Tage-Woche. Bis das so weit ist, dürfte allerdings noch einige Zeit vergehen.

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Claudia Marisa Alves de Castro

Redaktionsleiterin

Claudia Alves de Castro kommt vom Land, war aber nie für die Kleinstadt gemacht. Jetzt – da sie in Hamburg lebt – kann sie ihrem Interesse für Menschen, Geschichten und dem Schreiben freien Lauf lassen. Vom Lifestyle- und Fashionblog, über die Arbeit beim Fernsehen vor und hinter der Kamera, bis hin zu den Online-Redaktionen großer Verlage, Claudia ist mit allen Medien-Wassern gewaschen. Neben ihrer Leidenschaft für ihren Beruf, macht sie ihre Liebe für Kultur, Medien und Reisen besonders glücklich. Seit März 2018 schreibt sie über all das bei uns.

1 Kommentar

Isabella
#1 — vor 4 Wochen
Ja das klingt ja ganz gut. Aber man muss auch so eine Firma mal finden. Meine Meinung ist auch, dass es schon der Umwelt gut tut, wenn es zwar Teilzeitarbeit gibt, diese jedoch nicht so wie üblich auf 5 oder gar 6 Tage Arbeit aufgeteilt wird. Auch Teilzeitarbeiter sollten ihre Stunden in 2-3 Tagen erledigen können. Die restliche Zeit könnte man dann sinnvoll zu Hause gestalten.

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