Abtreibungsverbot in Alabama: Jetzt warnen Ärzte!

Words by Claudia Marisa Alves de Castro
Photography: Sydney Sims auf Unsplash
Frauen dürfen nicht über ihren eigenen Körper bestimmen

Die Nachricht vom Verbot für Schwangerschaftsabbrüche in Alabama hat für große Empörung gesorgt. Auch Ärzte zeigen sich zunehmend besorgt und befürchten die Zunahme unsicherer Methoden. 

 

Mitte Mai verabschiedete der Senat des US-Bundesstaates Alabama den Beschluss über das Verbot von Schwangerschaftsabbrüchen. Dieses gilt auch für Frauen, die Opfer einer Vergewaltigung geworden sind, und bei inzestuösen Schwangerschaften. 

Bis zu 99 Jahre Haft für Ärztinnen & Ärzte

Auch bisher standen Abtreibungen in Alabama bereits grundsätzlich unter Strafe, aber zumindest in diesen beiden Fällen durfte bislang ein Abbruch vorgenommen werden. Auc das ist nun vorbei: Wer sich nicht an die verschärften Gesetze hält, muss mit Gefängnisstrafen rechnen – und das bereits ab der 6. Schwangerschaftswoche. Dies gilt nicht nur für die Schwangeren selbst, sondern auch für die Ärzt*innen, die den Eingriff vornehmen: Sie riskieren eine Haftstrafe von bis zu 99 Jahren. Ausnahmen gibt es nur, wenn das Leben der Mutter durch die Schwangerschaft ernsthaft gefährdet ist. 

Abreitreibungsverbot: Auch andere Bundesstaaten verschärfen Gesetze

Und obwohl der Aufschrei in der Gesellschaft aktuell über die amerikanischen Landesgrenzen hinausgeht, möchte nun auch Missouri ein ähnliches Gesetz durchbringen. Mississippi, Georgia, Kentucky und Ohio haben sich zuvor schon um drakonischere Verschärfungen bemüht. Wie Elisabeth Nash vom Guttmacher-Institut erklärt, habe es seit 2011 in 33 Staaten etwa 423 negative Ausweitungen in Bezug auf das Abtreibungsgesetz gegeben. Doch noch sind die Regelungen nicht rechtskräftig: Alabama sowie alle anderen Staaten unterstehen dem obersten Gerichtshof. Dieser räumte Frauen 1973 ein grundsätzliches Recht auf Schwangerschaftsabbruch ein, nachdem der Fall »Roe versus Wade« in die Geschichte der amerikanischen Rechtsprechung eingegangen war. 

 

25 Männer stimmten für eine Gesetzesänderung

Dieses Grundsatzurteil erfährt in den konservativen und tiefgläubigen Bundesstaaten der USA seither eine ablehnende Haltung. Um die Diskussion um ein vollständiges Abtreibungsverbot erneut anzustoßen, brachte die republikanische Abgeordnete Terri Collins die Gesetzesänderung in Alabama auf den Weg. Von den 35 Mitgliedern des Senats stimmten nur zwei Männer und die vier einzigen Frauen dagegen – 25 Männer halten das Verbot für angemessen. In einem Interview mit der Washington Post erklärte Collins ihr Ziel: Sie möchte Abtreibungen in jedem Winkel der USA verbieten lassen. 

Durch die strengeren Gesetze verlieren Frauen ihr Recht auf Selbstbestimmung.

Ärzte fürchten immer mehr illegale Schwangerschaftsabbrüche

Obwohl das Gesetz noch nicht einmal verabschiedet wurde, versuchen einzelne Staaten schon jetzt, ihren Willen durchsetzen, indem die Zahl der Kliniken oder der Ärzt*innen, die überhaupt Abtreibungen vornehmen dürfen, reduziert wird. So gibt es in Bundesstaaten wie Missouri, North und South Dakota und Kentucky aktuell nur noch eine einzige Klinik, in der Schangerschaftsabbrüche möglich sind. Aufgrund der unzureichenden Möglichkeiten wird nun befürchtet, dass immer mehr junge Mädchen und Frauen zu unsicheren Mitteln greifen und sich schwer oder sogar tödlich verletzen könnten. Die Angst ist groß, dass Frauen sogar schwerwiegende und lebenslängliche Folgen riskieren, um auf gar keinen Fall erwischt zu werden. Denn begibt sich eine Frau nach einer Selbstabtreibung in ärztliche Behandlung und wird dabei festgestellt, dass sie schwanger war, droht ihr, sollte das Gesetz tatsächlich zur Umsetzung kommen, die Haft.

Immerhin: Donald Trump äußerte sich kritisch zu den strengen Gesetzen. Auch er ist zwar grundsätzlich für ein Abtreibungsverbot, hält einen Abbruch nach einer Vergewaltigung allerdings für gerechtfertigt. 

Dazu Passend

Die Pille: Deshalb nehmen Frauen sie wirklich

Die Pille ist gut für die Haut, gut fürs Haar und macht den Körper verlässlich. So werden hormonelle Verhütungsmittel zum Einnehmen oft von Ärzt*innen oder Broschüren beworben. Ihr eigentliches Ziel – ungewollte Schwangerschaften zu verhindern – scheint dabei gar nicht unbedingt im Vordergrund zu stehen. Und tatsächlich: Eine repräsentative Online-Umfrage, die wir mit dem Meinungsforschungsinstitut Civey durchgeführt haben, hat ergeben, dass jede dritte Frau in Deutschland die Pille nicht primär zur Verhütung einnimmt.

Share:
Tags
Politik

Claudia Marisa Alves de Castro

Redaktionsleiterin

Claudia Alves de Castro kommt vom Land, war aber nie für die Kleinstadt gemacht. Jetzt – da sie in Hamburg lebt – kann sie ihrem Interesse für Menschen, Geschichten und dem Schreiben freien Lauf lassen. Vom Lifestyle- und Fashionblog, über die Arbeit beim Fernsehen vor und hinter der Kamera, bis hin zu den Online-Redaktionen großer Verlage, Claudia ist mit allen Medien-Wassern gewaschen. Neben ihrer Leidenschaft für ihren Beruf, macht sie ihre Liebe für Kultur, Medien und Reisen besonders glücklich. Seit März 2018 schreibt sie über all das bei uns.

Kommentieren