Wenn du zurückkommst, könnte ich tot sein

03.04.2018
Words by Claudia Marisa Alves de Castro
Elisabeth Real fotografierte lesbische Frauen in Südafrika

Offiziell ist Homosexualität in Südafrika legal. Doch noch immer gibt es täglich Vergewaltigungen und Morde an lesbischen Frauen. Um denjenigen eine Stimme zu geben, die in ständiger Angst leben, erzählt Fotografin Elisabeth Real mit “When you come back, I might be dead”, ihre dramatischen Geschichten.

Es ist ein Fotoprojekt, das unter die Haut geht. Elisabeth Real hat fünf Jahre lang Frauen in Südafrika fotografiert, die täglich um ihr Leben fürchten. Der Grund: Sie sind homosexuell. Immer wieder kommt es zu Übergriffen, Vergewaltigungen und Morden. So soll den Frauen eine Lektion erteilt werden. Sie sollen zu “richtigen” Frauen gemacht werden.

150 Frauen werden täglich in Südafrika vergewaltigt (Luleki Sizwe)

Rechtlich ist längst alles geregelt. Die Verfassung Südafrikas schützt lesbische Frauen vor Diskriminierung. Homosexuelle Paare dürfen sogar Kinder adoptieren und heiraten. Doch diese Regeln gelten nur für die Ober- beziehungsweise Mittelschicht. In den ärmeren Gebieten, den Townships, herrschen andere Gesetze. Die Gerichtsurteile für schwerwiegende Taten, wie die sogenannten “Corrective Rapes”, fallen milde aus. Meistens wird nicht einmal versucht die Täter zur Rechenschaft zu ziehen. Allein in Kapstadt melden laut der lokalen Hilfsorganisation “Luleki Sizwe” (übersetzt: Keine Nation) jede Woche zehn lesbische Frauen, dass sie vergewaltigt worden sind. Die Dunkelziffer liegt weitaus höher. Auf Sansibar, einem halbautonomen Teilstaat des Unionsstaates Tansania in Ostafrika, wird Homosexualität noch immer mit bis zu 25 Jahren Haft bestraft.

“Während der fünf Jahre habe ich die Kluft zwischen diesen fortschrittlichen Gesetzen und der tristen Realität untersucht und gebe in dieser freien Arbeit Einblick in den Alltag von schwarzen Lesben im heutigen Johannesburg”, erklärt Elisabeth Real ihre Arbeit. Die Zeit in Südafrika hat die Fotografin so nachhaltig beeindruckt, dass sie das “The Lesbian Lives Project” ins Leben rief. Damit möchte sie die Sichtbarkeit von homosexuellen Frauen erhöhen und Aufmerksamkeit schaffen. Neben einem Buch, das im Juni 2018 erscheinen soll, ist die Fotoserie, “When you come back, I might be dead”, ein weiterer Teil ihres Projektes. Ein Satz, den übrigens Tumi Mkhuma, eine lesbische Frau aus Südafrika zu Elisabeth Real sagte, nach dem sie diese fragte, ob sie in Kontakt bleiben könnten.

Wenn du zurückkommst, könnte ich tot sein…

Weitere Informationen zu “The Lesbian Lives Project” findest du hier.

Zur Hilfsorganisation “Luleki Sizwe” geht’s hier entlang.

Das Langzeitprojekt “When You Come Back, I Might Be Dead” von Elisabeth Real wird beim diesjährgien Swiss Photo Award – vfg.selection in der Kategorie Reportage vom 22. März bis am 15. April 2018  in der Photobastei in Zürich ausgestellt.

Alle Fotos sind von Elisabeth Real

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Claudia Marisa Alves de Castro

Claudia Alves de Castro kommt vom Land, war aber nie für die Kleinstadt gemacht. Jetzt – da sie in Hamburg lebt – kann sie ihrem Interesse für Menschen, Geschichten und dem Schreiben freien Lauf lassen. Vom Lifestyle- und Fashionblog, über die Arbeit beim Fernsehen vor und hinter der Kamera, bis hin zu den Online-Redaktionen großer Verlage, Claudia ist mit allen Medien-Wassern gewaschen. Neben ihrer Leidenschaft für ihren Beruf, macht sie ihre Liebe für Kultur, Medien und Reisen besonders glücklich. Seit März 2018 schreibt sie über all das bei uns.

1 Kommentar

  1. Sergio Luque Montoya

    ich mag dieses magazine de kultur fur lernen wie ist was lieben am der welte

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