Sarah Bernhard im Interview – Was ist nur mit diesen Bildern los?

01.06.2018
Words by Jana Ahrens
Sarah Bernhard Fotografie

Sarah Bernhards Fotografien sind purer magischer Realismus. Warum die Künstlerin aus Hamburg – die sich alles selbst beigebracht hat – das Medium Fotografie nicht loslässt und wie sie ihre inspirierenden Motive findet, erzählt Sarah im Interview.

Ob Architektur, Natur oder Personen – deine Fotografien sind in der Motiv-Auswahl unglaublich vielfältig: Wie wählst du deine Motive aus? Und was fotografierst du am liebsten?

Die Vielfalt entsteht durch den dokumentarischen Ansatz, den ich verfolge. Im Prinzip fotografiere ich da draußen alles, was ich visuell und thematisch interessant finde – und da gibt es so viel! Wobei ich nun nach einigen Jahren feststelle, dass sich manche Motive wiederholen, z.B. das Thema “Hände”. Durch die Wiederholung entsteht eine ganz eigene Dimension: ein persönliches Archiv, das nicht nur Motivvariationen beinhaltet, sondern auch die Veränderung des Blickes dokumentiert. Das Archivthema beschäftigt mich gerade sehr.

Was für ein Verhältnis hast du zu Licht?

Es ist existentiell. Auch für meine Arbeit. Es lenkt meinen Blick und hilft mir, fotografische Entscheidungen zu treffen.

Wie lange dauert es in der Regel, bis du mit einem Bild zufrieden bist? Worauf achtest du in diesem Zusammenhang am meisten?

Es kommt darauf an, in welchem Kontext ich fotografiere. Auftragsarbeiten funktionieren anders als das freie Fotografieren. Bei letzterem denke ich nicht viel nach. Dafür wäre auch keine Zeit. Ich mag das Flüchtige, Spontane. Ein Gefühl, eine Atmosphäre – eine Szenerie, die ich nicht aktiv beeinflusse. Ein Bild ist demnach also einfach gut oder nicht. Ich kann es im Nachhinein nicht besser machen.

Bei Auftragsarbeiten ist es anders – besonders wenn es um Portraits geht. Wenn es also eine beauftragende Person gibt, die in erster Linie selbst mit dem Bild zufrieden sein möchte. Hier arbeite ich manchmal länger, bis mein Bild mit dem Selbstbild und den Erwartungen der Person übereinstimmt.

Wie entscheidest du über die Zusammenstellung deiner Fotos auf deiner Webseite?

Der Bereich der Auftragsarbeiten soll ein möglichst breites Spektrum an Themen und repräsentativen Arbeiten zeigen. Die anderen Kapitel sind eher ästhetisch-geschichtenerzählend konzipiert.

Du zeichnest dich durch einen ganz besonderen Stil aus. Versuchst du so ganz bewusst, dich von anderen Fotografinnen abzugrenzen?

Ich freue mich, dass ihr einen besonderen Stil identifiziert. Ich selbst nehme das nicht so wahr. Zumindest denke ich, dass sich der Stil ständig weiterentwickelt – und das nicht in Abgrenzung zu anderen FotografInnen, sondern eher durch ihre Inspiration. Ich schaue mir sehr gern die Arbeiten anderer an und sammle Fotobücher.

Wie stark beeinflusst dein direktes Umfeld deine Arbeit als Fotografin?

Ich glaube, mein direktes Umfeld hat sich an die Anwesenheit von Kameras gewöhnt und akzeptiert es als einen Teil von mir. Meine Freunde scheint es nicht zu stören – das hat zumindest intensives Nachfragen meinerseits ergeben. Im Gegenteil, sie vertrauen mir und lassen mich machen. Diese Beiläufigkeit, die das Fotografieren in der Anwesenheit anderer dadurch erhält, ist die Grundlage für meine freien Arbeiten.

Wer inspiriert dich und deine Arbeit?

Zu meinen Inspirationsquellen gehören neben Fotografen wie William Eggleston, Viviane Sassen (Buch: Flamboya) und Wolfgang Tilmanns auch Künstler, die meine Arbeit beeinflussen. Gerhard Richter, Georgia O’Keeffe und Yves Klein gehören dazu. Aus der Literatur sind es Werke wie “Das Leben des Vernon Subutex” (Virginie Despentes), “Silence in the Age of Noise” (Erling Kagge) und “M Train” (Patti Smith).

Wenn du ein Foto nennen müsstest, auf das du ganz besonders stolz bist, welches wäre das?

Sarah Bernhard Fotografie

Dieses Bild habe ich nach einem Unwetter im Atlantik gemacht, mit meiner alten analogen Point-and-Shoot Kamera. Ich finde, es gibt diese ambivalente Schönheit des Meeres wieder: Bedrohung und Eleganz. Außerdem schwingt ein Hauch von Abenteuer mit.

Gibt es etwas, was du noch nie fotografiert hast? Und auch nie fotografieren würdest? Warum?

Ich habe noch nie Produktfotografie gemacht. Ich würde es nicht völlig ausschließen, aber ich habe das Gefühl, dass es mir ganz und gar nicht liegt. Das Aufbauen von Settings und Arrangements in einem Studio und das Tüfteln mit künstlichem Licht ist so gar nicht mein Ding.

Was erwartet uns im Kontext deiner Fotografie in den kommenden Monaten?

Die Bilder meiner letzten Reise: Madagaskar. Und ein Buch. Vielleicht.

Vielen Dank für das Interview, Sarah!

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Jana Ahrens

Jana Ahrens liebt die Auseinandersetzung mit der Mode und mit den Gegenständen und Situationen eines modernen Lebens. Sie interessiert sich weniger für schöne Dinge, als eher für die Schönheit ihrer Umstände. Bis 2013 hat sie als Modedesignerin gearbeitet. Seitdem widmet sie sich dem Schreiben. Im Januar 2018 hat sie die Chefredaktion des Monda Magazins übernommen.

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