#BookClub – »Das weibliche Prinzip« von Meg Wolitzer

Words by BookClub
Photography: Dumont Buchverlag
Buch mit regenbogenfarbenem Cover lehnt in der Ecke einer roten und einer rosanen Wand

Meg Wolitzer hat mit Büchern wie »Die Interessanten«, oder »Die Frau des Nobelpreisträgers« ehrliche und doch einfühlsame Gesellschaftseinblicke geliefert. Unsere Leserin Anna Miriam H. hat Wolitzers »Das weibliche Prinzip« gelesen und erörtert in ihrer Rezension, ob es sich lohnt, die 496 Seiten anzugehen.

 

 

Buchempfehlung von Anna-Miriam H., 41 Jahre, Strategieplanerin, Berlin

Für die Schnellen mein Fazit vorweg. Ich bin enttäuscht und dennoch: Lest dieses Buch. Denn es ist traurig, wütend, liebevoll und rebellisch zugleich. Es lohnt sich.

 

Meg Wolitzer widmet sich im Roman »Das weibliche Prinzip« ausführlich den gesellschaftlichen Rollenbildern von Frauen.

Die Hauptfiguren

Ich habe mich sehr auf dieses Buch gefreut, aber an ihr früheres Werk »Die Interessanten« reicht »Das weibliche Prinzip« meiner Meinung nach nicht heran. Es scheint, dass Meg Wolitzer zu sehr versucht, auch ihren Beitrag zur Feminismus-Diskussion zu leisten. Also holt sie in ihrem Buch zum Rundumschlag aus, beackert unterschiedliche weibliche und männliche Klischees und verkörpert diese in ihren Hauptfiguren:

Greer Kadetsky ist die intelligente ehrgeizige Schülerin aus der Provinz. Ihr Nachbar Cory Pinto hat portugiesische Wurzeln, ein großes Herz und eine Begabung für Zahlen. Zee Eisentraut, überzeugte Aktivistin und Lesbe, ist die Tochter eines gut situierten Richter-Ehepaares. Dann gibt es noch Faith Frank, die Feministin und Frauenrechtlerin. 

Sie alle haben Ideale, Pläne und Träume, die durch Schicksalsschläge torpediert werden. So werden sie gezwungen, andere Wege einzuschlagen und ihre Ideale zu hinterfragen. Dann ist da aber auch noch diese Nebenfigur namens Emmett Shrader. Ein unausgelasteter Milliardär, der unter dem Pantoffel seiner Ehefrau steht.

 

Über Feminismus

Der Heldin des Buches, Greer Kadetsky, gibt die Autorin die Rolle der idealistischen College-Absolventin, die etwas Sinnvolles im Leben tun möchte und eines Tages der Frauenrechtlerin Faith Frank begegnet.

Faith Frank – zu diesem Zeitpunkt bereits in ihren 70ern – »muss« noch immer die Rolle der Powerfrau übernehmen, um sich als alleinstehende Dame nicht zu langweilen und um ihrem selbst-definierten Feminismus-Ideal der unabhängigen und scheinbar autonomen Frau gerecht zu werden.

Vor dem Hintergrund des Feminismus und der Frauenrechte erzählt, wird das Buch leider zwischendurch etwas langatmig. Ich fand es schade, dass Meg Wolitzer keine ihrer Hauptfiguren erklären lässt, was Feminismus für sie bedeutet. Erfrischend ist, dass sie eine der Nebenfiguren – nämlich die Mutter von Greer Kadetsky – provokativ einen Erklärungsversuch zum Feminismus wagen lässt:

Ich habe nicht für eine feministische Stiftung gearbeitet, weiß also möglicherweise nicht wovon ich rede […] Aber er [Cory] ist ein Mensch, der seine Zukunftspläne abgehakt hat, als seine Familie zerbrochen ist. Er zieht wieder zu Hause ein und kümmert sich um seine Mutter. Oh, und er putzt sein Haus und auch noch jene, die sie früher geputzt hat. Ich weiß nicht, aber ich finde, Cory ist in gewisser Weise ein großer Feminist.

Mutter von Greer Kadetzky in »Das weibliche Prinzip« von Meg Wolitzer

 

Obwohl ich ein bisschen enttäuscht bin von dem Buch, würde ich auf jeden Fall sagen: Lest es. Bildet euch eure eigene Meinung. Erfreut euch an Meg Wolitzers Schreibstil und Dramaturgie. Reibt euch daran auf, dass das Buch auch kleine Schwachstellen hat. Es lohnt sich trotzdem weiterzulesen. Die Figuren und ihre Erlebnisse sind es sehr wert.

Und die Frage bleibt: Was ist Feminismus? Vielleicht hat darauf jede*r von uns eine andere Antwort.

Meg Wolitzer: Das weibliche Prinzip. Köln: Dumont, 2018. 496 Seiten. Aus dem Amerikanischen Englisch von Henning Ahrens

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