Readly: Lese-Interessen sind nicht männlich oder weiblich

Words by Jana Ahrens
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Schwarze Frau ließt am Telefon und am Laptop, weißer Mann sitzt daneben am Tisch und liest Zeitung

Readly ist eine Lese-App, die Printmagazine und Zeitungen für Tablet, Smartphone und PC verfügbar macht. Aktuell sind über 4.000 Magazine aus der ganzen Welt verfügbar, allein 1000 davon deutschsprachig. Wie bei Spotify oder Netflix kann die ganze Familie für einen monatlichen Beitrag auf alle Inhalte unbegrenzt zugreifen.

 

Bei einer Datenanalyse stellte das Readly-Team vor Kurzem interessiert fest, dass sich das Leseverhalten von Frauen und Männern stark verändert hatte. Woran lag das? Die App hatte von Rubrik-Empfehlungen auf Interessen-Targeting umgestellt. Plötzlich lasen Männer mehr über Mode und Frauen mehr über Technik und Wirtschaft. Was können wir daraus lernen?    

Ein typischer Anblick beim Betreten eines Zeitschriftenladens sieht ungefähr so aus: Links steht über den Regalen »Mode und Lifestyle«, »Wohnen« und »Rezepte«. Auf der anderen Seite finden sich Unterteilungen wie »Technik«, »Sport« und »Computer«. Links ist »für sie«, rechts ist »für ihn«. Und so bewegen sich dann auch die Kundinnen und Kunden durch das Geschäft. Das scheint inzwischen fast natürlich.

Als Readly 2013 in Schweden mit dem Angebot startete, alle Lieblingsmagazine in einer App anzubieten, orientierte sich das Team ebenfalls an diesen Kategorien. Readly lag schließlich daran, dass sich die Leserinnen und Lesern nicht mehr wie bei einem klassischen Abo zwischen Magazinen wie »Merian« oder »Women’s Health«, zwischen »enorm« und »Psychologie Heute«, oder »Soul Sister« und »Grazia« entscheiden mussten.  Vielmehr sollten sie beim Lesen die freie Wahl haben, weshalb die App alle Magazine zu einem Preis digital offline verfügbar machte. Da erschien es schlicht und ergreifend kundenfreundlich, die bekannte Sortierung aus dem Zeitschriftenladen zu übernehmen. So sortierte die Menüführung der Readly-App die Magazine in solche »Für sie«, »Für ihn«. Das Angebot kam super an, die App hatte großen Erfolg. Dabei verhielten sich die Leserinnen und Leser tatsächlich erst einmal den Kategorien entsprechend. Frauen lasen überdurchschnittlich viel das Angebot »Für sie«, darunter prozentual am häufigsten Klatsch-Zeitschriften. Männer hingegen lasen hauptsächlich Magazine über Computer oder Autos.

Teresa Cook hat mit uns über die Ergebnisse der Analyse von Lese-Interessen auf Readly gesprochen.

Männer lesen jetzt plötzlich mehr Interior-Magazine…

Teresa Cook von Readly
 

Dann kam das Update auf Interessen-Targeting und förderte interessante Veränderungen zutage. Teresa Cook von Readly Deutschland erzählt: »Durch unser Interessen-Targeting können wir unseren Leserinnen und Lesern jetzt aus der großen Menge des Angebots gezielt Titel vorschlagen, die sie wirklich interessieren. Ganz unabhängig von irgendwelchen Kategorien. Seitdem sehen wir gerade bei den exklusiv über Readly verfügbaren Tech-Magazinen einen stetig steigenden Anteil an Leserinnen. Männer lesen jetzt plötzlich mehr Interior-Magazine, wie beispielsweise DECO HOME.«

 

Dabei ging es Readly mit diesem Update gar nicht um Genderdiversität, sondern schlicht und ergreifend darum, den Service noch individueller auf einzelne Kundinnen und Kunden einzustellen und damit noch besser zu machen. Zeitungen und Zeitschriften können schon beim Anlegen eines Accounts nach Interessen vorsortiert werden, und Lieblingsmagazine werden separat unter »Mein Inhalt« gespeichert. Auch für die gezielte Suche nach Magazinen gibt es verschiedene Funktionen – neben der alphabetischen Sortierung zum Beispiel den Filter nach neusten Ausgaben oder nach Themengebieten. So können über Readly unbegrenzt viele Magazine und Zeitungen gelesen werden.

Readly hat – ohne dies gezielt zu planen – durch einen verbesserten Kundenservice mit Gender-Stereotypen aufgeräumt. Besonders interessant an der Entdeckung von Readly ist auch, dass diese sich mit den Ergebnissen vieler wissenschaftlicher Studien zum medialen Verhalten von Männern und Frauen sowie Jungen und Mädchen deckt. Ob es sich um Fernsehsendungen, Magazine oder Kinderbücher handelt, es ist immer die Art, wie männliche oder weibliche Rollen repräsentiert werden, die über das Selbstbild der Konsumentinnen und Konsumenten entscheidet. Nicht anders herum. Das heißt im Klartext: Wenn Mädchen nur rosa Prinzessinnen mit wenig Durchsetzungsvermögen als Heldinnen angeboten bekommen und Jungs nur draufgängerische Abenteurer, dann prägt das ihre Wahrnehmung von Genderstereotypen stark. Nur wenige werden sich diesen Vorgaben widersetzen. Auch im höheren Alter lassen wir uns weiterhin davon beeindrucken.

Eine Studie der Universität Rostock hat 3000 Stunden Fernsehprogramm und über 800 deutschsprachige Kinofilme auf deren Geschlechterdarstellung hin untersucht. Das Fazit: Auf die Repräsentation einer Frau kommt in deutschen Filmen die Repräsentation von 2 Männern. Wenn Frauen dargestellt werden, dann überdurchschnittlich häufig im Kontext von Beziehungen und Partnerschaften (zu Männern). Die meisten Frauen, die gezeigt werden, sind zwischen 10 und 29 Jahre alt. Danach geht die Repräsentation von Frauen dramatisch zurück, und die Rollen für Männer nehmen stark zu. Rollenbilder werden hier also in beide Richtungen ähnlich stark geprägt, wie wenn das Informationsangebot von Magazinen nach Gender-Stereotypen vorsortiert wird.

Das heißt, dass die Kategorisierung in »Für sie« und »Für ihn« in den Jahren bis zur digitalen Revolution viel mehr auf bloßen Mutmaßungen beruhte als bisher angenommen.

Die Frage wird bleiben, inwiefern digitale Angebote, wie beispielsweise die Readly-App für Magazine oder Streaming-Plattformen für Filme, durch ihre Datenanalyse diese Stereotype unterlaufen können. Denn ihre Analyse des Verhaltens von Konsumentinnen und Konsumenten ist natürlich viel genauer, als es im analogen Bereich jemals möglich war. Das heißt, dass die Kategorisierung in »Für sie« und »Für ihn« in den Jahren bis zur digitalen Revolution viel mehr auf bloßen Mutmaßungen beruhte als bisher angenommen. Die große Chance ist also, dass sich daran jetzt – zum Vorteil aller – einiges ändern kann.

 

 

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Jana Ahrens

Chefredakteurin

Jana Ahrens liebt die Auseinandersetzung mit den Gegenständen und Situationen eines modernen Lebens. Dabei interessiert sich weniger für schöne Dinge, als eher für die Schönheit ihrer Umstände. Zum Schönen gehört natürlich auch, wenn sich komplexe Themen in verständliche Zusammenhänge zerlegen lassen. Im Januar 2018 hat sie die Chefredaktion des Monda Magazins übernommen.

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