Pop-Kultur ist das Festival für alle Menschen

21.08.2018
Words by Jana Ahrens

Bevor wir zu den tollen Neu- und Wiederentdeckungen kommen, die das diesjährige Pop-Kultur Festival in Berlin zu bieten hatte, noch eines vorweg: Pop-Kultur nähert sich immer weiter dem idealistischen Ziel, ein Festival für wirklich alle Pop-Fans zu sein. Wie das kleine, hoch motivierte Team rund um das Medienboard Berlin Brandenburg das schafft? So.

Nachwuchs

Pop-Kultur ist nicht nur für die Zuhörenden da, sondern auch für die Macher, die Unterstützung brauchen. Wie schon in den letzten Jahren, startete das Festival nicht mit einem großen Mainact, sondern mit einem umfangreichen Programm für Nachwuchs-Musiker aus aller Welt. Dieses Programm – das 250 Ausgewählten aus 800 Bewerbern geboten werden konnte – begann am Mittwoch jedoch selber mit einer Art internem Mainact. Gleich morgens um 10Uhr begrüßte der inzwischen 81-jährige Musiker und Komponist Irmin Schmidt die jungen Künstler, Journalisten und Unternehmer. Bekannt geworden als Mitglied der Band CAN, hatte Schmidt einiges aus seinem Erfahrungsschatz zu teilen und beeindruckte damit nicht nur die Nachwuchs-Teilnehmer, sondern auch den Pop-Kultur Kurator und Moderator Christian Morin, der noch während der folgenden Pop-Kultur-Tage von der Begegnung schwärmte.

Comissioned Works

Das Pop-Kultur Team hat Zugänge zu Fördergeldern, die Musikern das Verwirklichen besonderer Projekte speziell im Rahmen des Festivals ermöglichen. Sie stehen hier ausnahmsweise mal nicht unter dem Druck, für einen Vertrieb möglichst viel Umsatz zu generieren. So entstehen Arbeiten, die Popkultur bleiben und trotzdem nicht Mainstream sein müssen.

Kat Frankie entwickelte für Pop-Kultur ein Extra-Set namens „Bad Behaviour: exploring the sounds of protest“ und wir hoffen, davon in der Zukunft noch mehr zu hören.

Dazu gehörte in diesem Jahr eine ganze Reihe von intersektionalen Talks, Workshops und Performances unter dem Titel Pop-Hayat, kuratiert von Yesim Duman. Sowohl im Türkischen, als auch im Arabischen heißt Hayat Leben. Vor diesem Hintergrund brachte Yesim Duman quere und feministische Themen erfolgreich hinaus aus der Filterblase und hinein in die Popkultur.

Eine weitere Auftragsarbeit ist das 40-minütige Stück Musik namens „Plunderphonia“, für das der Producer und Komponist Henrik Schwarz Versatzstücke aus den bekanntesten Streichquartetten der letzten Jahrhunderte neu remixte, wieder in Notenblätter übersetzte, um diese Komposition dann live mit dem Alma Quartet zu performen und zugleich erneut zu remixen. Diese Musik überraschte und begeisterte die Pop-Kultur Besucher über alle Genre-Vorlieben hinaus. Mehrfach war der erstaunte Ausspruch zu hören: Ich wusste gar nicht, wie viele Melodien von Streichquartetten ich kannte… Manchen standen angesichts der nostalgischen Klänge, eingebettet in bombastische Elektro-Arrangements, sogar die Tränen in den Augen.

Der Ort und die Zugänglichkeit

Zum Abschluss müssen noch ein bis zwei Worte über den Veranstaltungsort verloren werden. Zum zweiten Mal fand das Festival für popkulturelle Musik, Debatten und Performances in der Kulturbrauerei in Prenzlauer Berg statt. Da mag jetzt die eine oder der andere Berliner Club-Gänger sagen: Kulturbrauerei? Ist das nicht uncool? Ist dieser Ort am Puls der Zeit? Dazu sagen wir: Am Puls der Zeit ist Diversität und dazu gehört Zugänglichkeit. Die Kulturbrauerei ist groß genug für ein Event dieser Art, zentral erreichbar und vor allem: An vielen Punkten barrierefrei. Ein Aspekt, der bei einem Festival für alle wirklich wichtig ist. Und wo wir gerade dabei sind: Dieses Jahr gab es gebärdensprachliche Simultanübersetzungen nicht nur für Talks und Lesungen, sondern auch für Konzerte. Jedoch noch viel wichtiger: Bei Pop-Kultur findet Diversität nicht nur im Publikum, sondern auch auf der Bühne statt. Das zeigt sich an Acts wie der belgischen Choolers Division, die ihr Leben mit Downsyndrom in einem Musikgenre auf die Bühne bringen, das Behinderungen noch immer mehr als Punchline, denn als Lebensrealität wahrnimmt.

Unsere Favoriten

Was uns dieses Jahr musikalisch auf dem Pop-Kultur Festival am besten gefallen hat, könnt ihr in unserer entsprechenden Spotify Playlist ganz einfach direkt nachhören:

Auf dem Beitragsbild ist übrigens die Musikerin ANDRRA zu sehen

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Jana Ahrens

Jana Ahrens liebt die Auseinandersetzung mit der Mode und mit den Gegenständen und Situationen eines modernen Lebens. Sie interessiert sich weniger für schöne Dinge, als eher für die Schönheit ihrer Umstände. Bis 2013 hat sie als Modedesignerin gearbeitet. Seitdem widmet sie sich dem Schreiben. Im Januar 2018 hat sie die Chefredaktion des Monda Magazins übernommen.

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