Ocean’s 8 – Ohne Cinderella-Effekt geht’s noch nicht

22.06.2018
Words by Jana Ahrens
oceans 8

Ein spektakulärer Diamantenraub, durchgeführt von einem buntgemischten Team von Frauen: Ob Mutter, Barbesitzerin, Juwelierin, IT-Expertin, Modedesignerin oder erfahrene Trickbetrügerin – sie alle tragen ihren Teil dazu bei, dass der Coup gelingt. Allein dieses Setting spricht schon dafür, sich Ocean’s 8 im Kino anzusehen.

Ocean’s 8 besteht den sogenannten Bechdel-Test schon innerhalb der ersten 5 Minuten. Wie? Der Test geht so:

1. Gibt es mindestens zwei Frauenrollen? Aber hallo! Und das beschränkt sich nicht auf die acht Titelfrauen, sondern zieht sich auch noch weiter durch die Nebenrollen.

2. Sprechen sie miteinander? Na klar, sonst würde ja der ganze Plot in sich zusammenfallen.

3. Unterhalten sie sich über etwas anderes als ihr Verhältnis zu einem Mann? Jo, Liebesgeschichten kommen nur am Rande vor, und Männer sind eher im beruflichen Kontext wichtig.

Oceans 8: Ab jetzt im Kino
Sandra Bullock & Cate Blanchett / Bildquelle: Warner Bros. Deutschland

Ocean’s 8: Darum geht’s

Doch, doch – es gibt noch immer einen Haufen Filme, die diesen simplen Test nicht bestehen. Ocean’s 8 ist diesbezüglich nicht nur ein krasser Overachiever, sondern vor allem äußerst unterhaltsam. Deshalb verlassen wir jetzt mal die grobe Einordnung und widmen uns dem Plot:

Ocean’s 8 bietet alles, was wir von einer klassischen Gaunerkomödie erwarten. Hohes Tempo, Dialoge mit Witz und Wendungen, dazu eine angemessene Portion an Überraschungen. Großartige Unterhaltung, die auch noch mit einem hochkarätigen (*hüstel* Diamantenwitz), facettenreichen Cast untermalt wird. Der kurze Auftritt von Heidi Klum kann dabei durchaus als Kontrast verstanden werden, um die fantastische schauspielerische Leistung der Hauptdarstellerinnen zu betonen. Die Rollen scheinen den Frauen auf den Leib geschrieben.

Sandra Bullock

Sandra Bullock – die ewig Zerrissene – jongliert ihr Familienerbe als bekannte Trickbetrügerin, die anfänglich durch einen Gefängnisaufenthalt gebrochen scheint, indem sie später brilliert. Sie kann ihre Verletzungen und ihre Einsamkeit aber nur schwer hinter sich lassen.

Cate Blanchett

Cate Blanchett meistert – wie so oft – eine Art Mutterrolle. Doch in diesem Fall, ohne dabei ihre Unabhängigkeit zu verlieren. Sie ist kontrolliert, selbstbewusst, manchmal kühl, durchschaut ihre Mitstreiterinnen aber auf eine vergebende Art und Weise.

Oceans 8: Ab jetzt im Kino
Cate Blanchett, Helena Bonham Carter & Sandra Bullock

Rihanna

Rihanna repräsentiert als Hackerin und etwas spleenige Außenseiterin ihre Generation. Ihre gesamte Rolle scheint zu sagen: “Nein, mich hat hier vermutlich niemand erwartet. Aber ich habe mir mein Leben und meinen Job selbst erarbeitet, deshalb steht mir dieser Platz zu.” Sie ist besonders, fügt sich aber hervorragend ins Team ein. Wenn doch nur alles so wunderbar einfach wäre!

Helena Bonham Carter

In der Rolle von Helena Bonham Carter spiegelt sich die Absurdität der Modebranche in leicht nachvollziehbarer und fast amüsanter Form. Auch hier ist die Besetzung ein Volltreffer. Die Kreative lebt in ihrer eigenen Welt und scheitert hauptsächlich an marktwirtschaftlichen Erwartungen. Sie ist gestylt, als wäre sie gerade dem Set von Alice im Wunderland entsprungen. Doch das scheint ihrer Rolle vollkommen angemessen.

Awkwafina

Awkwafina ist die New Yorkerin schlechthin und muss dafür vermutlich nur wenig schauspielern. Geboren in Queens und nun zu Hause in Brooklyn, haucht auch sie ihrem Charakter große Selbstverständlichkeit ein. Ihre Aufgaben als trickreiche Nachfolgerin von Debbie Ocean zeigen dann, dass sie ihren älteren Kolleginnen in Sachen Talent in nichts nachsteht.

Ocean's 8
Cate Blanchett & Rihanna / Bildquelle: Warner Bros. Deutschland

Mindy Kaling

Dann ist da noch die großartige Mindy Kaling, die mal wieder alles erdet. Nachdem sich viele ihrer Kino-Erfolge tatsächlich um tragisch-komische Romanzen drehten, hat sie hier nun eine Rolle, in der es mehr um die Unabhängigkeit von ihrer Familie geht. Und um Lebensziele, die sich nicht mit den Erwartungen ihres Umfeldes vereinbaren lassen. Der Diamantenraub soll ihr die Freiheit verschaffen, sich genau da unabhängig zu machen.

Sarah Paulson

Neben all diesen – für Hollywood-Verhältnisse – ungewöhnlichen Rollen gibt es aber auch noch die klassische WASP – White Anglo-Saxon Protestant, also weiße, angelsächsische Protestantin. So werden die typischen Vorstadt-Ehefrauen mit großen Ambitionen und traditionellen Familien-Ideen bezeichnet, die sich zwischen der Rolle als liebevoller Mutter und moderner, ausgeglichener Frau aufreiben. Diese Rolle übernimmt Sarah Paulson als Mutter von zwei Kindern, die den Ausstieg aus ihrem Hehler-Job aus Liebe zur Tätigkeit irgendwie doch nicht schafft.

Ocean’s 8: Ein Wermutstropfen bleibt

Das sind die 7 Frauen, die das Unterfangen eines Diamantenraubs starten. Eine achte kommt im Laufe der Geschichte dazu. Doch wer das ist, das wird hier erstmal nicht verraten. Genauso wenig, wie der Ablauf des Diebstahls auch nur angerissen wird. Denn das ist der Teil der Geschichte, in dem die Spannung liegt.

Alles in allem klingt das wirklich gut oder? Einziger Wermutstropfen: Ohne den großen Cinderella-Effekt kommt auch Ocean’s 8 nicht aus. Einmal müssen alle Frauen – ob Gaunerin oder nicht – dann doch in Abendgarderobe über den roten Teppich, sexy gekleidet und reich geschmückt. Das wird in diesem Film nicht nur als Teil des Selbstausdrucks, sondern als eigentlicher Triumph inszeniert, und das ist ein bisschen schade.

Aufgefangen wird dieser Eindruck jedoch durch eine wunderschöne Abschluss-Sequenz, in der alle Charaktere unabhängig voneinander in ihr Leben zurückkehren. Hier wird gezeigt, wie vielfältig Lebensträume sein können und was Freiheit für Frauen eigentlich bedeutet. So entlässt uns der Film amüsiert und motiviert zurück ins echte Leben.

Ocean's 8
Sarah Paulson, Sandra Bullock, Rihanna, Cate Blanchett & Awkwafina / Bildquelle: Warner Bros. Deutschland

Das Beitragsbild ist von Warner Bros. Deutschland

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Jana Ahrens

Jana Ahrens liebt die Auseinandersetzung mit der Mode und mit den Gegenständen und Situationen eines modernen Lebens. Sie interessiert sich weniger für schöne Dinge, als eher für die Schönheit ihrer Umstände. Bis 2013 hat sie als Modedesignerin gearbeitet. Seitdem widmet sie sich dem Schreiben. Im Januar 2018 hat sie die Chefredaktion des Monda Magazins übernommen.

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