Neue Musik von besonderen Frauen

Words by Jana Ahrens
Photography: Fezbot2000 auf Unsplash
Neue Musik von Frauen, die ihr nicht verpassen dürft

Der Sommer ist vorbei und es ist Zeit für neue Musik. Und vor allem: Zeit, mal wieder ganz in Ruhe komplette neue Alben durchzuhören, statt sich nur durch algorithmengesteuerte Playlists zu fräsen. Damit ihr euch nicht schon nach den ersten drei Songs langweilt, haben wir euch in unserer aktuellen #MusicHall die spannendsten Neuveröffentlichungen von ganz besonderen Frauen zusammengestellt.

 

Angel Olsen – All Mirrors

All Mirrors

Die Wurzeln der Musik von Angel Olsen liegen eindeutig im Genre der Indie-Singer-SongwriterInnen. Nach drei Alben, die den eher rauen und handgemachten Klang dieses Genres sehr deutlich abbildeten, hat sich Olsen mit »All Mirrors« getraut, einen neuen Weg einzuschlagen. Bombastische Klangflächen, weiter Hall und Melancholie im Stil von Stadion-Pop untermalen jetzt ihren Gesang. Für Fans, die Olsen seit der ersten Stunde begleiten, mag das ein gewagter Spagat sein. Für alle, die Musik wie die von Arcade Fire oder Lana Del Rey lieben, ist dieses Album ein echter Gewinn.

Jenny Hval – The Practice of Love

Accident feat. Laura Jean

Erst sang sie in einer Goth-Metal-Band, dann studierte sie Creative Writing and Performance in Australien. Danach ging’s weiter in die australische Welt der Indie-Musik, bevor es Jenny Hval zurück in ihr Heimatland Norwegen verschlug. Die Einflüsse, die ihre Musik zu dem machten, was sie heute ist, sind also weitreichend und vielfältig. Umso mehr beflügelt es, dass die Melodien zwar nicht gewöhnlich, aber geradlinig sind. Dass die Texte von Jenny Hvals Liedern bewegende Geschichten erzählen, die konkrete und doch manchmal schwer erträgliche Bilder im Kopf malen. Das Album »Practice of Love« hält also, was der Titel verspricht. Es hält nämlich die Balance zwischen Verbundenheit, Schmerz und Selbstliebe. Es ist aufrichtig. Genau wie der Sound von Jenny Hval.

Summer Walker – Over It

Playing Games (with Bryson Tiller)

Das Debut-Studioalbum von Summer Walker hat es in sich. Nicht nur ihre Stimme und die Produktion überzeugen, auch die Kollaborationen auf dem Album sprechen für sich. Ob Drake, 6LACK oder Usher, sie alle haben sich versammelt, um Walker zu unterstützen. Das Konzept geht auf. Die Tunes von Summer Walker zollen dem Rap-Sound ihrer Heimatstadt Atlanta massiv Tribut und doch bringt ihre Stimme und bringen ihre Lyrics diesen aufregend neuen Klang mit sich, den die Szene so dringend braucht. Summer Walker bekommt von uns das Prädikat »Rising Star«. So wie unsere anderen heißesten Newcomer dieses Jahres

Charli XCX – Charli

Gone feat. Christine and the Queens

Nachdem die Britin Charlotte Emma Aitchison inzwischen Hits für Stars wie Selena Gomez, Iggy Azalea und Blondie geschrieben hat, war es mal wieder an der Zeit, ein Solo-Album unter dem eigenen Namen Charli XCX zu veröffentlichen. Deshalb macht es auch Sinn, dass das Album schlicht »Charli« heißt. Der Klang des Albums bleibt ihren Wurzeln im leicht avantgardistisch angehauchten Elektropop treu, scheint aber auch stark von ihren umfangreichen Kollaborationen mit anderen MusikerInnen profitiert zu haben. Charli XCX klingt auf diesem Album ausdifferenzierter und selbstsicherer als je zuvor.

 

Gaddafi Gals – Temple

Smoked Out, Loced Out

Für alle, die die Berliner Rapperin Ebow erst vor Kurzem durch ihren neu erlangten Fame entdeckt haben, hier ein heißer Tipp: Zusammen mit Producer P99 Arke$tra und Rapperin Slimgirl Fat formt sie auch noch das Trio Gaddafi Gals, das mit englischen Rap-Songs unterwegs ist. Die drei haben Ende September ein neues Album namens »Temple« rausgebracht, das mindestens so viel Anerkennung verdient hat wie die Arbeit von Ebow als Solo-Künstlerin. Irgendwo zwischen echter Glam-Rap-Attitüde und harten, punkigen Texten sind die Gaddafi Gals so nah am Asphalt der Straße unterwegs, dass ihnen niemand die »Realness« streitig machen kann. Super Sound für lange, dunkle Clubnächte oder den Weg danach nach Hause.

Übrigens: Claudia Alves de Castro hat euch auch noch ein paar richtig beeindruckende Alben von beeindruckenden Frauen zusammengestellt.

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Jana Ahrens

Chefredakteurin

Jana Ahrens liebt die Auseinandersetzung mit den Gegenständen und Situationen eines modernen Lebens. Dabei interessiert sich weniger für schöne Dinge, als eher für die Schönheit ihrer Umstände. Zum Schönen gehört natürlich auch, wenn sich komplexe Themen in verständliche Zusammenhänge zerlegen lassen. Im Januar 2018 hat sie die Chefredaktion des Monda Magazins übernommen.

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