#MusicHall – Neue Musik-Veröffentlichungen für den 90ies-Flashback

Words by Jana Ahrens
Photography: Kevin Laminto auf Unsplash
90ies flashback

Die musikalischen Neuerscheinungen von September bis Dezember dieses Jahres lassen keinen Zweifel daran: Nicht nur in der Mode, auch in der Musik sind die 90ies wieder voll im Trend. Für alle, die zu den Plateauschuhen auch Rave brauchen und zum Karo-Hemd ordentliche Rockmusik, haben wir vielversprechende Musik-Releases für den Rest des Jahres rausgesucht.

LENNY KRAVITZ – “RAISE VIBRATION”

“It ain’t over till it’s over”. Der Titel seines größten Hits von 1990 ist offensichtlich auch das Schaffenskredo von Lenny Kravitz. Seit dem 7. September gibt es das neue Album “Raise Vibration” des inzwischen 54-jährigen Multitalents zu hören. Dabei bleibt Kravitz seinem musikalischen Stil und seinem seit den 90ies wohl gepflegten Image absolut treu. Seine Stimme klingt dramatisch und rau, sein Look ist rebellisch und doch glamourös, sein Sound ist nicht angepasst an das Jahr 2018. Sondern repräsentiert genau das, was wir durch Alben wie “Mama Said”“Are You Gonna Go My Way” oder “5” zu schätzen gelernt haben.

PHILIPP BOA AND THE VOODOOCLUB – “EARTHLY POWERS”

Es gibt wenige deutsche Bands, die eine ähnlich eingeschworene Fangemeinde haben wie Philipp Boa and the Voodooclub. Im Jahr 1993 erschien “Boaphenia”, das erfolgreichste Album der Indie-Band. Aber auch 25 Jahre und 12 Alben später ist der Voodoocult zur Veröffentlichung von “Earthly Powers” ungebrochen. Das mag daran liegen, dass die explizit handgemacht klingenden Gitarrenriffs und Schlagzeugparts sich so wunderbar mit eingestreuten 90ies Sythie-Klangflächen verbinden, dass sowohl das Herz von Grunge-Fans höher schlagen wird, als auch Erinnerungen an Fernsehserien wie Miami Vice oder Baywatch wach werden. Das Konzeptalbum erzählt von der Vergangenheit, der Gegenwart und der Zukunft, während uns das Englisch mit leichtem deutschem Akzent von Boa in urbane Welten entführt.

 

CAT POWER – “WANDERER”

Cat Power ist ein Kind der 90ies, hat den musikalischen Stil dieser Zeit aber besonders erfolgreich in die 2000er Jahre transferiert. So hatte sie bereits sechs angesehene Alben in der für die 90er so wichtigen Indie-Szene abgeliefert, bis ihr nach dem Jahrhundertwechsel mit “The Greatest” und “I Don’t Blame You” der große Durchbruch im Mainstream gelang. Dann, nach dem Album “Sun”, war es 6 Jahre lang still um die Frau mit der zarten, rauchigen Stimme. Jetzt ist sie wieder da. Das Album “Wanderer” ist in Zusammenarbeit mit vielen Musikerfreunden – unter ihnen Lana del Rey – entstanden und vertont einen sehr persönlichen Rückblick von Cat Power auf ihr bisheriges Leben und ihre Reise als Musikerin. Das Album wird am 5. Oktober veröffentlicht. Doch eine Singleauskoppelung – ein Cover von Rihannas Song “Stay” – zeigt bereits jetzt, was wir erwarten können.

NENEH CHERRY – “BROKEN POLITICS”

Alle, die mal wieder eine ordentliche Infusion 90ies-Style und 90ies-Sound brauchen, schauen sich einfach direkt die Videos zu Neneh Cherrys “Buffalo Stance” und “Manchild” an. Die Videos für das neue Album “Broken Politics” sind erwachsener geworden, doch die gesellschaftskritischen Themen und der harmonische Sound von Cherrys Stimme sind auch heute noch unverkennbar. Die Single-Auskoppelung “Kong” bringt es auf den Punkt: “Bite my head off still my world will always be – A little risk worth taking. “Reiß mir den Kopf ab und trotzdem wird meine Welt es immer wert sein, dass ich ein Risiko für sie eingehe.” Ein Aufruf, für die eigene Liebe zur Freiheit einzustehen, die eigenen Werte mit erhobenem Kopf zu vertreten. Egal ob dieser in einen 90ies-Turban gehüllt oder – wie im aktuellen Video – von natürlichen Locken geziert ist. Ab dem 19. Oktober wird das gesamte Album verfügbar sein.

THE PRODIGY – “NO TOURIST”

Die Wunderkinder der elektronischen Tanzmusik. So würde es klingen, wenn man The Prodigy auf eine Art beschreiben wollte, die ihrem radikalen Stil so gar nicht gerecht würde. Irgendwo zwischen Hardcore, Acid House und Jungle haben es die punkigen Briten in den 90ies geschafft, den Mainstream zu erobern. Es war eben genau die Zeit, in der provokante Videos in massenmedial erfolgreichen TV-Formaten wie “Top of the Pops” Eltern und Lehrer zwar schockieren konnten, entsprechende Single-Verkäufe – wie im Fall des Hits “Firestarter” – im Anschluss jedoch in die Höhe schossen. Auch das Video zu “Smack My Bitch Up” verursachte 1997 noch einmal einen Aufschrei, wurde sogar in vielen Ländern verboten, die Single verkaufte sich aber wieder hervorragend. Danach wurde es still um The Prodigy. Doch jetzt ist The Prodigy zurück. Am 2. November wird das Album “No Tourist” veröffentlicht, und die Kartenvorverkäufe für die entsprechende Tour laufen bereits. Bisher bestätigte Termine für Deutschland gibt es für Berlin, München, Frankfurt und Düsseldorf.

THE SMASHING PUMPKINS – “SHINY AND OH SO BRIGHT”

Alle, die Musik aus den 90ies mit flächigen, groben Gitarrenklängen verbinden, kommen an den Smashing Pumpkins nicht vorbei. Ihr Album “Siamese Dream” war nicht nur genreprägend, es spiegelte durch kraftvoll ausgedrückte Melancholie auch die Stimmung einer weltweit wachsenden Jugendkultur wider. Neben Grunge und Nirvana hatte nämlich auch der Alternative Rock mit den Pumpkins in den 90ern seine wichtigste Phase. Der Track “Today” wurde zur Hymne verunsicherter Teenager und sorgt auch heute noch für Gänsehaut. Am 16. Oktober gesellt sich nun das neue Album “Shiny And Oh So Bright” zu den Klassikern. Und wo das herkommt, gibt es noch viel, viel mehr. Die treibende Kraft der Band, Billy Corgan, teilte bei einem Interview mit dem Radiosender Beats 1 mit, dass noch so viel unveröffentlichtes Material in den Archiven der Band schlummert, dass sie eigentlich in den nächsten 20 Jahren keine neuen Songs mehr schreiben müssen.

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Jana Ahrens

Chefredakteurin

Jana Ahrens liebt die Auseinandersetzung mit der Mode und mit den Gegenständen und Situationen eines modernen Lebens. Sie interessiert sich weniger für schöne Dinge, als eher für die Schönheit ihrer Umstände. Bis 2013 hat sie als Modedesignerin gearbeitet. Seitdem widmet sie sich dem Schreiben. Im Januar 2018 hat sie die Chefredaktion des Monda Magazins übernommen.

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