Kann Wildlife Gardening die Welt retten?

Words by BookClub
Photography: Hanser Literaturverlage
Buchcover mit gezeichneten wilden Blüten und Grün, Blau und Gelb, sowie dem Schriftzug Wildlife Gardening

Ist es wirklich möglich, mit dem eigenen Garten die Welt ein bisschen besser zu machen? Der Autor Dave Goulson ist überzeugt davon. Unsere Leserin Anna Miriam H. hat sich sein Buch »Wildlife Gardening« zu Gemüte geführt und verrät in ihrer Rezension, ob es sich lohnt, den Tipps von Goulson nachzugehen.

 

Buchempfehlung von Anna-Miriam H., 41 Jahre, Strategieplanerin, Berlin

Viele spannende Tipps für Wildlife Gardening

Mein Fazit lautet: Wildlife Gardening ist ein tolles Buch mit praktischen Anleitungen und Handlungsempfehlungen, mit augenöffnenden Fakten, ungewöhnlichen Rezeptvorschlägen und Tipps für bestäuberfreundliche Gartenpflanzen. Auch die Top 12 Beerenpflanzen für Vögel fand ich interessant.

Der Autor in seinem Lieblingsumfeld.

Klimawandel: Wir müssen alle etwas tun

Mit Wortwitz und britischer Ironie erklärt Dave Goulson, warum es für uns überlebenswichtig ist, Wildlife Gardening zu betreiben. Und mit »uns« meint er Einzelpersonen, aber auch die Verantwortlichen für Landschafts- und Gartenpflege der Städte und Kommunen sowie global gesehen auch die Politik.

Ein Plädoyer für unser Ökosystem

Goulsons Buch ist für mich ein Plädoyer dafür, die Sinnhaftigkeit der Natur und das Zusammenspiel des Ökosystems wahrnehmen zu lernen. In der Natur gibt es kaum ein Insekt, das keine Aufgabe hat und nicht zur Erhaltung der Umwelt beiträgt. So sind Ohrenkneifer, Regenwürmer und Nachtfalter entweder Futterquelle für Vögel oder tragen zur notwendigen Belüftung des Bodens bei. (Deshalb sollten wir uns auch das Stapeln von Steinen in der Natur verkneifen.) Goulson belegt seine Thesen mit erhellenden Fakten, ohne dabei belehrend zu wirken. Mich persönlich hat der Abschnitt über die Bienenroboter nachhaltig beeindruckt.

Illustrative Zeichnung von Motten, wilden Bienen, Schmetterlingen und Wespen
Wildlife Gardening
Buchcover und aufgeblättertes Buch Wildlife Gardening
Wildlife Gardening
Illustrative Zeichnung von einem Hasen, einem Eichhörnchen und einem Käfer vor blühenden Büschen
Wildlife Gardening
Aufrecht stehendes Hardcover Buch mit Titelbild und Aufschrift Wildlife Gardening
Wildlife Gardening
Aufgeblättertes Buch mit einer Textseite links und einer illustrativen Zeichnung von einem Apfelbaum und einer Tanne auf einer Wiese rechts
Wildlife Gardening
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Wird die Bestäubung bald von fliegenden Kleinstrobotern erledigt?

Wir wissen das: Bienen und Hummeln sind vom Aussterben bedroht, weil sie nicht mehr genug Futter finden und weil Pestizide ihnen das Leben schwer bzw. unmöglich machen. Um diesem Problem zu begegnen, gibt es weltweit viele Ansätze. Einer davon ist das Wildlife Gardening, also eine Art des Gärtners, die Wiesen mit Wildblumen zulässt, Lebensräume für eine große Insektenvielfalt schafft und auf Pestizide verzichtet. Letzteres kommt auch dem Menschen zugute – ich denke dabei an die Glyphosat-Debatte und an die mit dem Unkrautvernichtungsmittel verbundenen Risiken für die Gesundheit. (Leckeren lokalen Honig können wir so auch noch gewinnen.) 

Lässt sich die Arbeit von Bienen maschinell ersetzen?

 

Ein weiterer Ansatz ist, die Bestäubung der Pflanzen durch fliegende Kleinstroboter erledigen zu lassen. Was für ein Wahnsinn. Der Autor Dave Goulson berichtet: »Wissenschaftler von Japan über Indonesien bis in die USA arbeiten daran […]. In den letzten Jahren gab es wirklich zahlreiche wissenschaftliche Veröffentlichungen über die mögliche Konstruktion von Mini-Robotern, die anstelle der Bienen unsere Nutzpflanzen bestäuben könnten.« Um die Hybris dieses Ansatzes zu illustrieren, rechnet Goulson vor, dass Jahr für Jahr ca. 32 Milliarden Pfund dafür ausgegeben werden müssten, wenn man von der Annahme ausgeht, ein Roboter würde nur einen Penny pro Stück kosten – von den dazu benötigen Ressourcen, den Auswirkungen der Herstellung auf die Umwelt, dem dabei produzierten Müll usw. einmal ganz abgesehen. Goulson gibt außerdem zu bedenken, dass die Roboter eventuell auch für ein Drohnenkontrollsystem zu Spionagezwecken missbraucht werden könnten.

Eine bisschen wilde Wiese tut uns allen gut.

Den Kapiteln vorangestellt sind jeweils Rezepte, z. B. für Maulbeerenmuffins oder Apfelcidre. Aufgelockert wird der Text durch kunstvolle Illustrationen von Nils Hoff, die meiner Meinung nach aber etwas willkürlich ins Buch eingestreut wurden. Zusammengefasst lässt sich sagen: Das Buch ist absolut lesenswert für alle, denen die Zukunft unseres Planeten am Herzen liegt.

Wildlife Gardening: Die Kunst im eigenen Garten die Welt zu retten, Dave Goulson, Carl Hanser Verlag, aus dem Englischen übersetzt von Elsbeth Ranke

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