Glamping: Kein Bett im Kornfeld

Words by Christina Feyerke
Photography: Luxury Safari Lodge Tongabezi
Das Tongabezi Ressort an den Victoria Falls

Das Motto »Auf den Baum – und zwar flott!« hat sich im Laufe der Menschheitsgeschichte als sinnvolle Strategie erwiesen. Schließlich musste der von primitivem Instinkt gesteuerte Frühmensch sekündlich mit lebensbedrohlichen Attacken blutrünstiger Lebewesen rechnen. Ob durch wildes Getier oder tierisches Gemensch spielte da im Prinzip keine Rolle. Um von den einen nicht zerfetzt und den anderen nicht geschlachtet zu werden, bot sich eine Baumkrone als ideale Zuflucht an, wenn gerade keine schützende Höhle in Reichweite war.

 

Nachdem (viel später) die geistigen Fähigkeiten ausreichten, nützliche Werkzeuge aus Stein zu hauen oder (noch viel später) aus Bronze oder Eisen zu gießen, reifte auch die Erkenntnis, dass sich so ein Baum-Loft unter ventilierendem Blätterdach zudem perfekt als permanente Behausung eignete. Die ließ sich hervorragend verteidigen, und keiner klaute einem den mühsam erjagten und gesammelten Proviant. Zumindest hatten dreiste Diebe mit erschwerten Bedingungen zu rechnen. Giftschlangen, eklige Spinnen oder stachelbewehrte Insekten mussten halt in Kauf genommen werden. Schließlich konnte man schon damals nicht alles haben.

Das Kofferwort Glamping setzt sich zusammen aus Glamour und Camping (glamorous camping). Selbstverständlich geht es bei dem Begriff Glamping nicht nur um Baumhäuser. Vielmehr ist er zum Schlagwort für einen globalen Trend geworden, der für komfortable Übernachtungsmöglichkeiten außerhalb fester Gebäude steht. Drinnen draußen zu sein scheint der vortreffliche Kompromiss für jene, die zwar eine prickelnde Open-Air-Erfahrung nicht missen mögen, sich aber mit widerspenstigem Zelt, müffelndem Schlafsack und knochenfeindlicher Thermomatte absolut nicht anfreunden können.

Baumhäuser - die Vorläufer von Türmen und Wolkenkratzern

Und so hat sich die Popularität der Baumhäuser über Jahrtausende auf der Hitliste begehrenswerter Wohnkonzepte etabliert: Heutzutage fordert jedes coole Kind, das ohne Statussymbole zu verkümmern droht, sein privates Baumhaus im heimischen Garten ein, schon, um sich der elterlichen Aufsicht gelegentlich zu entziehen. Ohne dabei auf die gewohnten Annehmlichkeiten verzichten zu müssen, versteht sich. Umgekehrt könnten Eltern tatsächlich auf die verwegene Idee kommen, ihre Koffer zu packen, um - komplett nachwuchslos – eine wertvolle Zeitlang egoistisch vor sich hinzuglampen.

Ein gemütliches Lagerfeuer im Glamping-Style.

Glamping hat viele Facetten

Baumhaus eher nicht? Dann bietet sich Höhenängstlichen stattdessen die Option, in einer mit allem Komfort ausgestatteten und quasi uneinnehmbaren Holz-Villa auf sicheren Stelzen zu nächtigen – irgendwo da draußen in den lauen Gewässern des Pazifik. Oder unter einer schicken Markise faul in einer bequemen Hängematte zu dümpeln oder in einer mit Fellen ausgelegten Jurte angeschmiegt an deren Rundung müde Glieder zu versöhnen. Vielleicht hört man aber noch lieber im arktischen Alaska die Eisblöcke eines bläulich schimmernden Iglus knacken.

Kampieren zelebrieren

Möglicherweise entscheidet man sich am Ende ganz klassisch für das Verwöhnprogramm mit abenteuerlichem Safari-Zelt – inspiriert durch Hollywood-Filme, die man gesehen hat: Dort wieselt stets eine kleine Armee dienstbarer Geister durch die Kulisse, alle Protagonisten sind in makelloses Weiß gekleidet, niemand schwitzt, Moskito-Netze blähen sich pittoresk im Steppenwind, ein Feuer züngelt, Fackeln flackern, Grillen zirpen und die Atmosphäre knistert nur so vor Romantik. Es gibt sogar eine Dusche. Der Champagner ist trotz Tropenhitze wundersam wohl temperiert, eine Gazelle dreht sich knusprig am Spieß und – zwecks Authentizität – brüllt ein zahmer Film-Löwe an der Zeltschwelle ab und zu verhalten-bedrohlich ins Geschehen. Das meiste davon dürfte auch im richtigen Leben zu haben sein...

 

Fließendes Wasser, Strom aus der Steckdose...

Glamping steht für das Privileg, sich weder Dusche noch WC mit fremden Nutzern teilen zu müssen und – fast immer – an ein zuverlässiges Stromnetz angeschlossen zu sein. Dass insbesondere Letzteres nicht überall machbar ist, dürfte einleuchten (lärmende Generatoren sind in unberührter Natur ungern gesehen). Das Schöne daran ist, dass sich naturnahes Ferienwohnen so auch für Menschen eignet, die der herkömmlichen Camping- Idee bisher wenig abgewinnen konnten.

Livingstone Island an der rechten Ecke der Viktoriafälle ist nur von sambischer Seite aus erreichbar. Von dort aus hat einst David Livingstone die dampfenden Wasserfälle entdeckt, die von der lokalen Bevölkerung Mosi-oa-Tunya genannt werden.

... und doch im Einklang mit der Natur

Umweltfreundliche Quartiere der Luxusklasse im gehobenen Preissegment – dafür steht Glamping gewöhnlich. Zahlreiche unabhängige Anbieter sowie Markenhotels sorgen weltweit für ein umfangreiches Repertoire an großzügig bemessenen Unterkünften. Ausstattung und Service sind hochkarätig, die noble Wäsche ist appetitlich gestärkt und selbstverständlich wird auch an den bei Gästen promptes Wohlbefinden auslösenden kostenlosen »Goodies« nirgends gespart.

Ein Glamping-Bereich könnte sowohl an ein Hotel angegliedert sein und sich in dessen direkter Nachbarschaft befinden – als auch weitab jeglicher Zivilisation, dort, wo kein Lichtermeer einer allzeit erhellten Großstadt die Einzigartigkeit einer sternenklaren Nacht zu stören vermag. Seufz.

Auf dieser Website präsentiert sich ein Zusammenschluss exklusiver Glamping-Anbieter in internationalen Destinationen: glamping.com.

Ursprünglich auf Englisch erschienen auf goodmeetings.com

Share:
Tags
Reisen

In Christina Feyerke’s internationaler Biografie schlagen knapp 20 Auslandsjahre zu Buche. Zurück in Deutschland begann sie, für Fachmagazine der Veranstaltungswirtschaft zu schreiben. Reisen gehörten auch hier zum regulären Tagesgeschäft. Neben Artikeln für Zeitschriften verfasst sie humorvolle, meist ironische Gedichte und betreibt Goodmeetings, eine englischsprachige Online-Plattform.

Kommentieren