Girlgaze: »Wir schließen Job für Job die Gender-Lücke«

Words by Jana Ahrens
Photography: Girlgaze
Nahaufnahme einer Frau mit geöffnetem Mund und herausgestreckter Zunge. Sie trägt Sternenglitzer auf Lippen und Mund.
Alle, die sich auf Instagram umschauen, würden vermutlich sagen, dass die Zukunft der Fotografie hauptsächlich von Frauen geprägt wird. Doch Fotografin Amanda de Cadenet erlebt abseits von Instagram genau das Gegenteil. Noch immer sind die Art-Direktoren großer Magazine überwiegend Männer, noch immer stehen meist Männer hinter der Kamera. Deshalb hat Amanda 2016 die Plattform Girlgaze gegründet. Und ist damit erfolgreich.
 

Wer ist Amanda de Cadenet?

Als Tochter eines erfolgreichen Rennfahrers und eines Models wurden Amanda de Cadenet gute High-Society-Kontakte in die Wiege gelegt. Man könnte also meinen, ihre Karriere als Moderatorin und später als Celebrity-Fotografin habe sich gerade zwangsläufig aus ihrer Herkunft ergeben. Aber ganz so geradlinig ist ihr Leben dann doch nicht verlaufen. Mit 15 fand sich Amanda erst einmal  auf längere Zeit im britischen Jugendarrest wieder. Was sie dorthin brachte, darüber redet Amanda heute nicht mehr. Doch es ist genau diese Zeit, in der sie lernte, mit verschiedensten Menschen umgehen und reden zu können. Danach entschied sie, ihre Schulbildung nicht weiter zu verfolgen, sondern die Moderationsjobs anzunehmen, die ihr zu dieser Zeit wegen ihres familiären Hintergrunds angeboten wurden. Dann kam ihre Liebe zur Fotografie hinzu. Sie fotografierte ihre InterviewpartnerInnen und interviewte ihre Portrait-Kundinnen. In beiden Bereichen wurde sie immer erfolgreicher. All das kam dann in ihrer eigenen Interview-Show The Conversation zusammen.

 

 

Die Idee zu Girlgaze kam ihr dann nach einem Interview mit Hilary Clinton: »Ich hatte gerade mein Interview mit Hilary Clinton für The Conversation abgeschlossen, als die New York Times eine Cover-Story über die massive Gender Gap unter den Regisseurinnen und Regisseuren in Hollywood rausbrachte. Endlich wurde das mal ausgesprochen und mit Zahlen belegt. Ich dachte mir: Ich bin in einer Position, in der ich etwas dagegen unternehmen kann. Ich musste es einfach versuchen. Also habe ich all meine Kolleginnen kontaktiert, die in der Welt der Fotografie erfolgreich sind. Ich sagte: „…Wir müssen weibliche Vorbilder zeigen, die es in der Fotoindustrie geschafft haben. Wir müssen jungen Mädchen eine Plattform bieten, die ihnen hilft, sich zu orientieren.« Forbes Magazine, April 2018

 

Was Girlgaze erreichen will – und wie

Also gründete Amanda de Cadenet gemeinsam mit der Modefotografin Inez van Lamsweerde, der Fotojournalistin Lynsey Addario und dem Model Amber Valletta die Girlgaze. Das Motto? »Unsere Mission ist es, die Gender-Lücke zu schließen. Einen Job nach dem anderen.«

Our mission is to close the gender gap one job at a time.

Amanda de Cadenet

Das Ganze startete mit einem Inspirationskanal auf Instagram. Auf @girlgaze können weibliche und nicht-binäre Kreative Fotos einreichen, die ihren ganz eigenen Blick auf die Welt zeigen und dem allseits präsenten »Male Gaze‹ « eine vielseitige Palette an Schönheit und Perspektive entgegensetzen. Der Instagram-Account von Girlgaze war so erfolgreich, dass bald eine Online-Plattform folgte, auf der sich inzwischen über 200.000 Frauen und Nicht-Binäre vernetzen, um Jobangebote zu posten, sich über Jobbedingungen auszutauschen und gemeinsam Projekte zu starten.

 

 

Girlgaze ist erfolgreich

 Dabei war es Amanda de Cadenet von Anfang an wichtig, die Ideale ihrer Community mit einem festen Standbein in der Wirtschaftswelt abzusichern. Das heißt, dass die Mitglieder der Community interessierten Kunden und Kundinnen sowohl strategische Beratung als auch Influencer-Marketing, Event-Organisation und Produktkollaborationen und den Austausch mit Fokusgruppen anbieten. Natürlich alles mit dem Schwerpunkt Fotografie, Film und mediale Darstellung. Damit ist Girlgaze sehr erfolgreich.

Fallbeispiele zeigen spannende Projekte, wie z. B. Kollaborationen mit Warby Parker oder Levi’s Jeans, Beratungen für Adobe und Google, sowie Projekte für GAP und Shinola.

 

Da Girlgaze international agiert, kannst auch du dich bei der Plattform anmelden oder Fotos auf Instagram einreichen. Falls du das tust, freuen wir uns über ein Feedback in den Kommentaren über deine Erfahrungen mit Girlgaze.

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Jana Ahrens

Chefredakteurin

Jana Ahrens liebt die Auseinandersetzung mit der Mode und mit den Gegenständen und Situationen eines modernen Lebens. Sie interessiert sich weniger für schöne Dinge, als eher für die Schönheit ihrer Umstände. Im Januar 2018 hat sie die Chefredaktion des Monda Magazins übernommen.

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