Die Fotografin Katharina Poblotzki schafft Intimität im Bild

Words by Jana Ahrens
Photography: Katharina Poblotzki
Schwarz-Weiß-Portrait einer Frau mit schwarzen Haaren und einem ausgeprägten Pony. Sie trägt ein ärmelloses Shirt, eine feine Halskette und schaut herausfordernd in die Kamera.
Katharina Poblotzki kommt ursprünglich aus Deutschland. An der Ostkreuz-Schule in Berlin studierte sie Fotografie und machte sich nach Stationen in London, Melbourne, Kopenhagen und Stockholm auf den Weg in die USA. Heute lebt sie in Brooklyn und fängt dort mit ihrem unverstellten Blick sowohl für Magazine, als auch für Werbekunden, das Lebensgefühl besonderer Menschen ein. Sie ist immer auf der Suche nach einem Moment der sorglosen Begegnung mit der Person vor der Kamera. So entstehen Porträts, die Vertrauen und Mitgefühl ausstrahlen.
 
Ein Porträt der Musikerin Ryia.

New York hat Katharina in den Bann gezogen. Noch vor ihrem Umzug in diese berühmt-berüchtigte Metropole der Kreativen, hatte Katharina die Vorstellung, dass New York ihre Arbeit herausfordern und verändern würde. Damit lag sie vollkommen richtig: »Diese Stadt nimmt dich komplett auseinander und bringt jeden an seine Grenzen.« Besonders das erste Jahr war eine echte Herausforderung für sie. Doch oft passierten die spannendsten Dinge immer genau dann, wenn sie gerade dachte, nicht mehr weiter zu können.

Diese Stadt hat mich widerstandsfähiger gemacht, und fokussierter.

Portrait einer Frau mit kinnlangen, braunen, lockigen Haaren, die über die rechte Schulter in die Kamera schaut. Sie steht vor einem silbernen Wohnwagen und trägt einen roten Rollkragenpullover unter einem grauen Blazer.
Miranda July, fotografiert von Katharina Poblotzki
Eine Frau mit langen, braunen Haaren liegt unter einem Fenster auf einem weißen Kissen in der Sonne und schaut skeptisch in die Kamera
Designerin Maryam Nassirzadeh, fotografiert von Katharina Poblotzki
Eine junge Frau mit einem herzförmigen Gesicht steht auf einem Feld im Abendlicht, schaut in die Kamera und hält in de rechten Hand eine Waffel mit Eiscreme.
Indi Davies, fotogafiert von Katharina Poblotzki
Eine sehr junge Frau mit herzförmigen Gesicht liegt mit dem Gesicht nach oben in einem See und schaut in die Kamera
Indi Davies, fotografiert von Katharina Poblotzki
Eine junge Frau in einem schwarzen Badeanzug hockt einem flachen Gewässer und wendet der Kamera den Rücken zu.
Anna, fotografiert von Katharina Poblotzki
Schwarz-Weiß Bild Nahaufnahme des muskulösen Rückens einer Frau, auf dem zwei feine Flechtzöpfe und im Nacken der Ansatz eines Undercuts zu erkennen sind.
Maxwell, fotografiert von Katharina Poblotzki
Eine Frau mit langen, braunen Haaren liegt in Unterwäsche seitlich auf einem Hotelbett und wird vom Abendlicht beschienen.
Dilara, fotografiert von Katharina Poblotzki
Portrait einer jungen Frau mit einem rosa Handtuch im Haar. Sie stützt ihr Kinn auf die rechte Hand und schaut nachdenklich rechts aus dem Bild heraus.
Tina, fotografiert von Katharina Poblotzki
Eine schwarze Frau in einem rosa Spagettiträger-Top schaut über ihre rechte Schulter in die Kamera.
Garden St, fotografiert von Katharina Poblotzki
Eine Frau mit dunklen Haaren steht im Gegenlicht vor einer barocken Treppe und hält die Hände vor der Brust verschränkt.
Constanze Becker, fotografiert von Katharina Poblotzki
Ein älterer Mann mit kurzem, grauem Haar sitzt gemeinsam mit seinem Hund auf einem Sofa unter einem sonnigen Fenster.
Rudolf Stingel, fotografiert von Katharina Poblotzki
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Eine weitere Hoffnung hat sich für Katharina ebenfalls erfüllt. Nämlich die, durch ihre Arbeit als Fotografin, speziell durch die Porträts, die sie von den Menschen vor Ort macht, tiefer in das Gefüge dieser sehr besonderen Stadt einzutauchen. Auf diesem Weg hat sie auch ihren absoluten Lieblingsort gefunden: das Loft in einer ehemaligen Garn-Fabrik in Bushwick, in dem sie lebt und arbeitet. Für das Nylon-Magazin portraitierte sie einen Künstler, der jetzt ihr direkter Nachbar ist. Das Besondere an diesem Ort? Einerseits das Licht, andererseits aber auch die Aussicht:

 

Hier gibt es ein großes Dach, von dem man weite Teile Nord-Brooklyns und die gesamte Skyline von Manhattan sehen kann. Hier schwebt man ein bisschen über dem Strassenstaub und dem dröhnenden Sound der City.

Katharina hat auch schon Stars wie Kendrick Lamar fotografiert.

 

Trotzdem zieht es Katharina auch immer mal wieder weg von ihrem Zuhause. Sie liebt die Natur. Bushwick ist jedoch eine besonders industriell geprägte Gegend des New Yorker Stadtteils Brooklyn. Deshalb genießt Katharina auch die vielen Reisen, auf die sie ihr Job immer wieder schickt. Aber auch kurze Ausflüge an den Strand, oder nach Upstate New York helfen ihr, den Akku für das Abtauchen in den Beton-Dschungel wieder aufzufüllen.

Auch auf Reisen lässt Katharina eindrucksvolle Fotos entstehen. So wie hier in Oaxaca.

Manchmal jedoch, in ganz besonderen Glücksfällen, treffen Natur, tolle Menschen und inspirierende Orte in der Arbeit von Katharina aufeinander. Zum Beispiel in ihrer Porträtserie der Künstlerin Kiki Smith für die deutsche Print-Vogue: »Das war ein absolutes Geschenk – ich habe drei Tage mit Kiki verbracht, in ihrem Haus im East Village, bei ihrem Workshop in Upstate New York und ihrem Print Shop in Long Island. So tief mit jemandem für ein Editorial einzusteigen, das bekommt man nicht mehr oft ermöglicht.«

Frontal-Portrait der Künstlerin Kicki Smith, eine ältere Frau mit ausgeprägten Augenbrauen und langen, weißen Locken. Sie breitet die Arme in einer einladenden Geste aus.
Kiki Smith für Vogue Deutschland
Seitliche Rückenansicht der Künstlerin Kiki Smith mit langen, weißen, lockigen Haaren.
Kiki Smith für Vogue Deutschland
Schwarz-Weiß Portrait der Künstlerin Kiki Smith in ihrem Garten. Sie trägt einen Lagen-Look und die weißen Haare offen.
Kiki Smith für Vogue Deutschland
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Doch auch, wenn Katharina für ihre Porträts mal keine drei Tage Zeit hat, schafft sie es trotzdem, eine große Nähe zwischen den Porträtierten und ihren Betrachtern entstehen zu lassen. Das ist die große Kunst, die auch viel mit der Persönlichkeit der Fotografin selber zu tun hat. Deshalb freuen wir uns schon auf die kommenden Projekte dieser talentierten Frau. Und hoffen, dass ihr Wunsch, eines Tages Udo Kier in seinem Haus in Kalifornien fotografieren zu dürfen, auch noch in Erfüllung geht. Denn hier würde sich für Katharina ihre Vergangenheit mit ihrer Gegenwart verknüpfen: »Udo Kier kommt – wie ich – aus Köln Mühlheim. Er lebt jetzt in Palm Springs in einer umgebauten Bibliothek. Dort würde ich ihn wahnsinnig gern fotografieren.« 

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In einer medialen Welt, in der uns immer mehr digitale Animationen begegnen, ist es schon langsam etwas Besonderes, eine Illustratorin anzutreffen, die auf ganz klassische Art und Weise Portraits von unglaublicher Präzision entstehen lässt. Die in New York lebende Schwedin Jenny Mörtsell ist ein solches Ausnahmetalent. Mit Bleistift und Papier bringt sie uns die Schönheit des Imperfekten nahe.
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Jana Ahrens

Chefredakteurin

Jana Ahrens liebt die Auseinandersetzung mit der Mode und mit den Gegenständen und Situationen eines modernen Lebens. Sie interessiert sich weniger für schöne Dinge, als eher für die Schönheit ihrer Umstände. Im Januar 2018 hat sie die Chefredaktion des Monda Magazins übernommen.

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