Die Fußball-Versteherinnen: Begeisterte Frauen erklären Begeisterung

16.06.2018
Words by Jana Ahrens

Ja, ja – Fußball und Sexismus. Wir müssen jetzt hier gar nicht mit Themen wie “Fußball als letztes Bollwerk der Männlichkeit” oder “Frauen interessieren sich doch nur für die süßen Fußballer” anfangen. Dass das Humbug ist, wissen Fußballkultur-Interessierte seit Langem. Aber wie klingen sie denn nun, die Frauen, die wirklich begeistert sind von dem Spiel, das weltweit Menschen fiebern und jubeln lässt? Ziehen sie wirklich etwas ganz anderes aus dem Sport als andere Fans? Lassen wir sie doch mal selber sprechen:

Anna und ich, das ist eine Einheit. Wir sind nicht als „Freundinnen von …“ zum Fußball gekommen, wir fanden keinen Spieler „süß“, wir hatten keine Lust auf diesen Haufen Vorurteile und Schubladen. Anna und ich sind in die Fankurve gekommen, weil wir dort hinmussten, weil wir diese unglaubliche Energie mitleben mussten, mittragen mussten, sie mit unseren Stimmen, unserer Kraft füttern wollten. Weil wir die Kurve im Herzen tragen.

Auszug aus: Heidi Thaler. Anna und ich im Klub der Hoffnungsvollen: Ein Lagebericht aus Wien

Auch beim Fußball spielen sich Tragödien auf großer Bühne ab. Dagrun Hintze sieht die Parallele zum Theater.

Die Feststellung, dass Fußball eine größere Nähe zu den Dionysien der griechischen Antike aufweist als die meisten Theateraufführungen, die ich besuche, mag eine Plattitüde sein, zutreffend ist sie dennoch. An der Ekstase teilhaben zu können, setzt allerdings zwei Dinge voraus: Wissen und Berührtsein.

Auszug aus: Dagrun Hintze. Ballbesitz – Frauen, Männer und Fußball.

Es macht auch Spaß zu singen. Die meisten Ultra-Fans in Deutschland grölen aber eher, als dass sie singen… aber man kommt da in eine Art Rausch. Und wenn das Team verliert, singt man natürlich trotzdem 90 Minuten und versucht auch, das ein bisschen nach vorne zu pushen und das Spiel zu unterstützen. Fühlt sich dann natürlich nicht so geil an.

Warum gehen Frauen und Männer zum Fußball? Weil sie sich für das Spiel interessieren und weil sie die besondere Stimmung im Stadion schätzen.

Auszug aus: Selmer, Nicole und Sülzle, Almut: “Tivolitussen” und Trikotträgerinnen – Weibliche Fankulturen im Männerfußball. In: Kreisky, Eva und Spitaler, Georg (Hg.) (2006) Arena der Männlichkeit. Über das Verhältnis von Fußball und Geschlecht. Campus Verlag. Frankfurt/New York. S. 122-138

Nicht-sexistische Stockfotos von weiblichen Fußballfans sind im Netz grad aus. Deshalb hier: niedlicher Hund.

Rosi, 65 Jahre, Pensionistin, Mutter von fünf Kindern: Rosi beginnt die Erzählung mit „Jössas na, jo mei“: Ihre zwei älteren, mittlerweile verstorbenen Brüder haben als Kinder Fußball gespielt, gemeinsam mit Schwester und Freundinnen hat sie ihnen zugeschaut: „Da hama uns dann wichtig gemacht!“. Im Stadion war sie bis heute nur einmal – als junges Mädchen mit der Schule, damals bekam sie Platzangst und verfolgt seitdem die Spiele nur vor dem Fernseher.

Auszug aus: Julia Zeeh Emotionen kennen kein Geschlecht? Fußball, Fans und Frauen.

Ne Freundin von mir und ich stehen zusammen in einer Reihe (A.d.R. “im Stadion”). Alle um uns herum haben sich während des Spiels unterhalten, alles Männer!… Wir guckten uns dann nur so an und dachten so: Sag mal, sind wir eigentlich die einzigen beiden, die hier das Spiel gucken? Geil!

Das Beitragsbild ist übrigens von Markus Spiske auf Unsplash

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Jana Ahrens

Jana Ahrens liebt die Auseinandersetzung mit der Mode und mit den Gegenständen und Situationen eines modernen Lebens. Sie interessiert sich weniger für schöne Dinge, als eher für die Schönheit ihrer Umstände. Bis 2013 hat sie als Modedesignerin gearbeitet. Seitdem widmet sie sich dem Schreiben. Im Januar 2018 hat sie die Chefredaktion des Monda Magazins übernommen.

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