Faszinierende Boudica! Ist sie das Vorbild aller Frauen?

Words by Claudia Marisa Alves de Castro
Photography: Actionvance auf Unsplash
Lesezeit: 3 Minuten
Das ist die Geschichte von Boudica

Die Weihnachtszeit ist die Zeit, um bei einem warmen Tee Geschichten zu lesen und zu erzählen. Wir erzählen heute die von Boudica, der kriegerischen Königin aus dem Britannien des ersten nachchristlichen Jahrhunderts. 

 

Mutige Frauen gab es schon immer. Die verwitwete britannische Königin Boudica gehört eindeutig dazu. Sie wurde zu einer Rebellenkriegerin, die sich dem Patriarchat der römischen Besatzungsmacht widersetzte. Am Ende musste sie zwar eine Niederlage einstecken, brachte ihrem Volk aber dennoch Ruhm. Aber wir greifen vor! Zunächst einmal gilt es zu verstehen, wer Boudica eigentlich genau war. Sie lebte im ersten Jahrhundert nach Christus – einer Zeit, in der Frauenfeindlichkeit, vor allem gegen weibliche Kriegerinnen, zum Alltag gehörte. Die Römer, die Britannien damals besetzt hielten, sahen weibliche Kriegerinnen als Zeichen einer unmoralischen, unzivilisierten Gesellschaft. Oft rationalisierten sie mit dieser Haltung die Unterwerfung solch »barbarischer« Völker. Diese Denkweise änderte jedoch nichts daran, dass diese Frauen oft zu Legenden wurden. 

Boudica spricht zu ihrer Gefolgschaft

Frauen sollten sich unterwerfen & nicht für die Freiheit kämpfen

Das alte Rom war stolz auf die Macht seines Patriarchats und verurteilte Frauen, die Grenzen überschritten und in die Rechte, Privilegien und Machtpositionen der Männer eingriffen. Die Stimmen dieser Frauen wurden zum Schweigen gebracht. Recht, Familie und Gesellschaft schränkten die Teilnahme von Frauen am öffentlichen Leben ein. Dem lagen traditionelle Moralvorstellungen davon zugrunde, was für die Angehörigen des »von Natur aus« schwachen und unkritischen Geschlechts als am besten angesehen wurde. Frauen, die in militärischen Situationen auftraten, waren in diesem System abnormal. So komponierte Juvenal, ein römischer Satiredichter des 1. und 2. Jahrhunderts n. Chr., eine ganze Satire, die sich der Verunglimpfung von Frauen widmete. In Bezug auf weibliche Gladiatoren fragt er: »Wie kann eine Frau, die einen Helm trägt, keusch sein? Sie leugnet ihr Geschlecht und mag die Stärke eines Mannes.« Frauen, die eine männliche Rolle einnahmen bezeichnete er als Monster.

 

Die Sexualisierung der Frau

Die antiken Amazonenlegenden standen hierzu nur scheinbar im Widerspruch. Die berittenen Kriegerinnen der Steppe, die sich eine Brust abschnitten, um ihre Bögen besser zurückziehen zu können, wurden in der römischen Literatur schon bald zu Sexobjekten stilisiert, was von ihren kriegerischen Leistungen ablenkte. Penthesilea, die Königin der Amazonen, führte ihre Frauen mitten in den trojanischen Krieg und wurde von Achilles für ihre Wildheit bewundert. Er suchte sie im Kampf und selbst im Moment ihres Todes auf. Es heißt, dass sich hier ihre Augen trafen und Achilles sich unsterblich in sie verliebte. Von nun an waren Kriegerinnen und Sexualität miteinander verflochten bzw. traten die kriegerischen Handlungen und Erfolge hinter die Sexualität zurück.  

Beispiele hierfür sind die drei Frauen Dido von KarthagoKleopatra von Ägypten und Boudica von Britannien, die trotz ihres Geschlechts weltliche Machtpositionen innehatten. Paradoxerweise verwendeten römische Autoren ihre Geschichten als Beweis dafür, dass Frauen von Natur aus schwach und führungsunfähig seien. In literarischen Porträts dieser Frauen wird ihre Sexualität mit schlechten Führungsqualitäten in Verbindung gebracht. Aus diesem Grund ist auch die Darstellung sexualisierter und dominierter Frauenkörper in Denkmälern und auf römischen Prägungen üblich. In großen und kleinen Triumphbildern wird die Herrschaft eines Mannes über den Körper einer Frau analog zur Ausdehnung des Römischen Reiches und der römischen Kontrolle über Provinzen und Völker dargestellt.

Boudica: Die Geschichte einer Kriegergöttin 

Boudica (auch Boadicea oder Boudicca geschrieben) war eine britannische Kriegerkönigin, die bis heute im kollektiven Bewusstsein präsent ist. Nach dem Tod ihres Mannes Prasutagus wurde sie zur Führerin ihres Stammes, der Icener. Sie hat in den Berichten zweier römischer Historiker überlebt: Tacitus, der im späten 1. und frühen 2. Jahrhundert n. Chr. über sie berichtete, und Cassius Dio, der ein Jahrhundert später den Boudica-Mythos erneut aufleben ließ. Die Berichte unterscheiden sich zwar in ihren Details, stimmen jedoch darin überein, dass Boudica die Briten vereinte wie nie zuvor und in den Jahren 60/61 n. Chr. einen Aufstand gegen die Römer anführte. In den Geschichten wird deutlich, wie unterschiedlich die Ansichten der Römer und Briten über die Gleichstellung der Geschlechter waren. Während die Icener offenbar kein Problem damit hatten, von einer Frau angeführt zu werden, wurde Boudica von den Römern nicht anerkannt und sogar angegriffen. Ihr Name bedeutet übrigens »Sieg« – aber was genau hat sie eigentlich gewonnen?

Hier geht es zum 2. Teil ihrer spannenden Geschichte

Boudica – die Kriegergöttin

Dies ist der zweite Teil der Geschichte von Boudica, der kriegerischen Königin aus Britannien. 

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Claudia Marisa Alves de Castro

Redaktionsleiterin

Claudia Alves de Castro kommt vom Land, war aber nie für die Kleinstadt gemacht. Jetzt – da sie in Hamburg lebt – kann sie ihrem Interesse für Menschen, Geschichten und dem Schreiben freien Lauf lassen. Vom Lifestyle- und Fashionblog, über die Arbeit beim Fernsehen vor und hinter der Kamera, bis hin zu den Online-Redaktionen großer Verlage, Claudia ist mit allen Medien-Wassern gewaschen. Neben ihrer Leidenschaft für ihren Beruf, macht sie ihre Liebe für Kultur, Medien und Reisen besonders glücklich. Seit März 2018 schreibt sie über all das bei uns.

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