#BookClub: Mütter und Töchter

Words by Annekathrin Walther
Photography: Sai de Silva auf Unsplash
Eine junge Frau hockt neben einem kleinen Mädchen und flüstert ihr etwas ins Ohr

Keine Bindung ist im ersten Moment so unmittelbar wie die zwischen einer Mutter und ihrem Kind. Im Laufe eines Lebens erleben wir das Verhältnis zu unseren Müttern immer wieder neu – wir empfinden Nähe und Distanz, Glück und Ärger, Verständnis und Frust. Jede Beziehung von Mutter zu Tochter und von Tochter zu Mutter unterliegt ihren ganz eigenen Dynamiken und stellt die Beteiligten vor ganz eigene Herausforderungen. Wir haben fünf Bücher zusammengestellt, die aus sehr unterschiedlichen Perspektiven um Mütter und Töchter kreisen. Viel Spaß beim Stöbern! 

 
Auf einem rosa Cover steht der Titel Unsere Mütter Wie Töchter sie lieben und mit ihnen kämpfen von Silia Wiebe

Silia Wiebe hat sich für ihr Buch Unsere Mütter von zwölf Töchtern (und einem Sohn) von deren Beziehung zu ihren Müttern erzählen lassen. Obwohl das Buch auf Interviews basiert, sind alle Kapitel in der Ich-Form geschrieben. Die Berichte beleuchten unterschiedlichste Verhältnisse und unterschiedlichste Konstellationen: Ulrike beschreibt, wie sie ihre alte Mutter pflegt, die ihr das Leben zur Hölle macht. Luisa berichtet von ihre Sehnsucht nach Anerkennung, die sie – trotz ihres beruflichen Erfolgs – von ihrer Mutter nicht bekommt. Nicole erzählt von ihrer Mutter, ohne deren Hilfe sie selbst als Mutter von sieben Kindern schlicht verzweifelt wäre. »Unsere Mütter« ist ein interessantes Buch voller spannender Lebensgeschichten, das dazu einlädt, über unsere eigene Mutterbeziehung nachzudenken. Oder auch darüber, welche Art Mutter wir selbst gern für unsere Töchter sein wollen.

 

Cover des Buches Mütter und Töchter Wie wir wohnen und was uns verbindet

Der Bildband Mütter und Töchter. Wie wir wohnen und was uns verbindet führte Stefanie von Wietersheim und Fotografin  Claudia von Boch in die Häuser von zehn Müttern und ihren Töchtern. Herausgekommen sind dabei sehr persönliche Portraits, die einerseits immer die Geschichte zweier Generationen erzählen und gleichzeitig einen Fokus legen auf Interior Design. Wie beeinflussen sich Mütter und Töchter gegenseitig in ihrem Einrichtungsstil? Was haben Töchter aus ihrem früheren Zuhause mitgenommen, und was machen sie in ihren eigenen vier Wänden ganz anders? Ein schönes Buch zum Lesen und Blättern, aus dem man vielleicht sogar Inspirationen für das eigene Zuhause mitnehmen kann.

 
Cover des Romans Heiße Milch von Deborah Levy

In ihrem Roman Heiße Milch (Deutsch von Barbara Schaden) erzählt die in Südafrika geborene Britin Deborah Levy von einem zu engen Mutter-Tochter-Verhältnis. Die 25-jährige Sofia begibt sich mit ihrer Mutter Rose auf eine Reise nach Andalusien. Rose kann aus ungeklärten Gründen seit Jahren ihre Beine nicht bewegen und will sich nun in Spanien von einem berühmten Arzt behandeln lassen. Mit Hilfe von Dr. Gomez will auch Sofia zunächst vor allem herausfinden, was ihrer Mutter eigentlich fehlt. In der fremden Umgebung und durch Begegnungen mit neuen Menschen wird ihr jedoch allmählich klar, dass sie sich um ihr eigenes Leben kümmern und sich letztlich von ihrer Mutter befreien muss. »Heiße Milch« ist ein spannender, sprachlich anspruchsvoller Roman über Abhängigkeit, Emanzipation und Selbstfindung.

 

Cover des Bildbandes Mütter und Töchter. Eine Liebe fürs Leben

Mütter und Töchter. Eine Liebe fürs Leben vereint Fotografien und Zitate zur Mutter-Tochter-Beziehung. Ausgewählt und zusammengestellt hat sie Antje Southern. Die 40 Fotos und die originellen und humorvollen Zitate von bekannten und unbekannten Denker*innen harmonieren ganz wunderbar miteinander. Ein Buch, das sich hervorragend zum Verschenken eignet, in dem man sicher aber auch selbst immer wieder gerne blättern wird.

 

Cover des Romans Mutterschaft von Sheila Heti.

Das erst kürzlich erschienene Buch Mutterschaft der Kanadierin Sheila Heti (Deutsch von Thomas Überhoff) setzt sich auf etwas andere Art mit dem Thema Mutter-Sein auseinander. In einer jahrelangen Selbsterkundung versucht die Erzählerin – die den gleichen Namen wie die Autorin trägt – herauszufinden, ob sie überhaupt Mutter werden will. Anstatt sich jedoch ausschließlich von ihren Gefühlen lenken zu lassen, versucht die Enddreißigerin Sheila, eine weise und moralische Antwort auf ihre Frage zu finden – um nach ausgedehnter Suche doch wieder bei sich selbst zu landen. »Mutterschaft« ist ein besonderes Buch, in dem es nicht um ein konkretes Mutter-Tochter-Verhältnis, sondern vielmehr um unser Verhältnis zu unseren ungeborenen Kindern geht.

 

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Annekathrin Walther

Freie Redakteurin

Annekathrin Walther spielt mit Text seit ihr Lesen und Schreiben möglich ist. Auf ihr Studium der LIteraturwissenschaft folgten Exkursionen ins Stadttheater und den Buchhandel. Seit 2013 liegt sie als Freiberuflerin vor Anker und schreibt als solche für Theater, Audio und Internet.

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