#BookClub Rezension: Mein Jahrhundert von Günter Grass

09.11.2018
Words by BookClub

Buchempfehlung von Waltraud A., 66 Jahre, Kommunalpolitikerin, Niedersachsen

Günter Grass beschreibt in diesem Buch in kurzen Geschichten das 20. Jahrhundert in Deutschland. Die Erstausgabe erschien im Juli 1999 und erreichte bereits im Oktober desselben Jahres die 5. Auflage. Das Buch hat beim Publikum sofort großen Anklang gefunden. Ich habe besagte 5. Auflage gelesen, weil ich dieses Buch – und weitere Werke von Günter Grass – aus dem Nachlass meines Schwiegervaters bekommen habe.

Bildquelle: Steidl Verlag

Obwohl ich das Buch vor langer Zeit schon einmal gelesen habe, bin ich nach den jüngsten politischen Ereignissen wieder auf den Inhalt neugierig geworden. Es ist faszinierend, in wie viele verschiedene Rollen dieser Schriftsteller hier schlüpfen kann. Eigentlich denkt man ja, dass ein Autor das können muss. Aber leider werde ich bei anderen Büchern da oft enttäuscht.

Günter Grass schreibt in dieser Geschichtensammlung auch über sich selbst. Über seine Arbeit als Maler, Grafiker, Bildhauer und nicht zuletzt auch als Politiker. Als öffentlicher Person und sehr engagiertem Bürger ist ihm bei dieser umtriebigen Art zu leben allerdings so manche Lebensgefährtin abhandengekommen. Erlebnisse im Zusammenhang mit diesen Frauen (zweimal verheiratet, zwei nicht-eheliche Beziehungen) werden ebenfalls in Erinnerung gerufen.

Von seinen Schilderungen hat mich die Zeit der Weimarer Republik am meisten beeindruckt. Da sich in diesen Tagen das Ende des 1. Weltkrieges zum 100sten Mal jährt, wird in den Medien gerade über diese Zeit und die Jahre danach sehr ausführlich berichtet. Wiederholt sich die Geschichte? Der Ruck nach rechts in vielen Ländern Europas und der Welt, der Aufmarsch der Rechten, gepaart mit der Gewalt gegen Menschen mit Migrationshintergrund und Andersdenkende, das Bemühen aller anderen gegen diese Tendenz anzukämpfen: All das gibt zu denken.

Günter Grass: Mein Jahrhundert Leserrezension
Bildquelle: Steidl Verlag

Als beispielhaft möchte ich eine Erzählung über den durchgeknallten, abgesetzten Kaiser herausgreifen, der seinen Frust über den verlorenen Krieg im Exil in Holland beim Holzhacken abarbeitet und deshalb 2000 Bäume fällen lässt. Der bis zuletzt darauf hofft, mit Unterstützung seiner zweiten Frau Hermine und den Nazis in Deutschland wieder als Kaiser regieren zu dürfen. Das Verhalten dieses Mannes erinnert an den jetzigen Präsidenten in Amerika, der auch durch Größenwahn glänzt und vom Regieren eines Landes ebenfalls nichts versteht. Kaiser Wilhelm hat sein Volk in den Abgrund geführt. Was steht uns mit Donald Trump noch bevor? Und mit allen anderen Menschen, die das Rad der Geschichte wieder zurückdrehen wollen? All diese Aspekte werden von Günter Grass in ähnlicher Weise für die Jahre 1918 – 1933 sehr ausdrucksstark beschrieben.

Günter Grass: Mein Jahrhundert Leserrezension
Bildquelle: Steidl Verlag

Ja, es ist ein politisches Buch, wie alle Bücher von Günter Grass. Aber er ist ein guter Erzähler, der uns unsere eigene Vergangenheit und auch die Zukunft auf eindrucksvolle Weise nahebringt. Die wichtigen Ereignisse des letzten Jahrhunderts einmal aus einem anderen Blickwinkel betrachten? Hier meine Empfehlung: Unbedingt „Mein Jahrhundert“ von Günter Grass lesen!

Günter Grass: Mein Jahrhundert Leserrezension
Bildquelle: Steidl Verlag

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Vielen Dank, liebe Waltraud A., für diesen tollen Einblick!

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