#bookclub: Eindrücke von der Leipziger Buchmesse 2019

Words by Annekathrin Walther
Photography: Tom Schulze
Ein Cosplayer und eine Cosplayerin im Kostüm auf der Leipziger Buchmesse
Am 24. März endete die Leipziger Buchmesse 2019. Wir waren beim großen Frühlings-Lesefest dabei und haben ein paar Eindrücke und Geschichten mitgebracht.
 

Das Buch lebt!

Schon auf dem Weg vom Leipziger Hauptbahnhof zum Messegelände wurde klar, dass die Buchmesse ein Publikumsmagnet ist. Wir kamen nämlich nicht in die S-Bahn. Stattdessen wurden wir von freundlichen Bahn-Mitarbeitern aufgefordert, doch bitte für eine Station den ICE zu nehmen. Dieser würde – wegen des übermäßigen Fahrgastaufkommens – auf seinem Weg nach München außerplanmäßig (!) am Bahnhof Messe Leipzig halten. Also quetschten wir uns mit einer Horde anderer Messebesucher in den ICE, der sich – trotz gewohnter Ausstattung – dann auch prompt wie eine S-Bahn anfühlte. Die Türen gingen zu und der Zugbegleiter fing an, den altbekannten Text herunterzuleiern: »Meine Damen und Herren, willkommen im ICE der Deutschen Bahn nach... blablabla. Nächster Halt unseres Zuges ist Erfurt.« Und alle so: WAS?! Und er so: »Kleiner Spaß. Nächster Halt unseres Zuges: Messe Leipzig.«

Schwer zu sagen, was uns mehr geschockt hatte: Die Vision, mit 500 fehlgeleiteten Lesewütigen auf dem Bahnhof von Erfurt zu stranden, oder die Tatsache, dass die Deutsche Bahn einen guten Witz gemacht hatte. Zum Nachdenken blieb aber nicht viel Zeit, denn die Strecke vom Hauptbahnhof zur Messe dauert – zumindest mit dem ICE – tatsächlich nur knapp zehn Minuten. Von dort aus schoben sich die Massen Richtung Messehallen und wir waren mittendrin im Getümmel.

Strahlender Sonnenschein über dem Messegelände in Leipzig

 

Auf unserem Rundgang durch die Hallen herrschte eine Super-Atmosphäre. Wie man im Nachhinein jetzt lesen konnte, hatte die Messe in diesem Jahr 268.000 Besucher*innen: ein Rekord. In den insgesamt fünf Hallen präsentierten sich 2.547 Aussteller aus 46 Ländern. Überall konnte man alles in die Hand nehmen, überall konnte man reinleisen, durchblättern und sich von umherschwirrenden Gesprächsfetzen inspirieren lassen. Wer glaubt, dem Buch habe sein letztes Stündlein geschlagen, war definitiv nicht in Leipzig. Am tollsten fanden wir die Vielfalt der Messebesucher*innen: Geschniegelte Verlagsmenschen mischten sich mit Autor*innen, alles wurde durcheinandergewirbelt vom Publikum, und zwischendrin hatte die Sache auch noch einen Hauch von Karneval.

Der Charme der Manga-Comic-Con

 

Moment, Karneval?! Ja, du hast richtig gelesen: Halle 1 der Leipziger Buchmesse war der Veranstaltungsort der Manga-Comic-Con. Hier konnte man voll eintauchen in die Welt der Comics, Manga, Anime und Videospiele. Und inmitten dieses ohnehin schon reichlich bunten Universums tummelten sich dann auch noch die sogenannten Cosplayer. Beim Cosplay – das ursprünglich aus Japan stammt –, verkleidet man sich als eine Figur aus einem Manga, Anime, Videospiel oder Film. Die Kostüme sind sehr aufwendig und detailreich und werden in der Regel von den Spieler*innen selbst hergestellt. Bei einem Treffen von Cosplayern geht es dann darum, das eigene Kostüm zu präsentieren und sich mit Gleichgesinnten auszutauschen.

Farbenfrohe Cosplayer auf der Manga-Comic-Con 2019

 

Die kleineren und größeren Grüppchen von Cosplayern, die man überall auf der Messe treffen konnte und die vor allem in der großen Halle herumwandelten, versprühten einen ganz besonderen Charme. Ihre Botschaft schien zu sein: Sei, wer auch immer du sein willst, und zwar mit jeder Faser deiner Person. Ja, es hatte was von Karneval, war aber zugleich viel entspannter, ohne zur Schau gestellte Fröhlichkeit und ohne Alkohol. Alle, mit denen wir gesprochen haben, waren unglaublich offen und freundlich. Sie hatten Freude daran, sich darzustellen und über ihre Figur zu sprechen. Wir fanden, dass die vielen bunten Farbtupfer der Messeatmosphäre total gutgetan haben und insgesamt ein großer Spaß waren.

Indiebook: Unabhängige Verlage

 

Wer auf ein bisschen mehr Ruhe aus war, konnte in Halle 5 dem ganz großen Trubel entfliehen. Hier präsentierten sich unter anderem die unabhängigen Verlage, und das Indiebook kam in seiner Schönheit und Diversität voll zur Geltung. Neben riesigen Verlagsgruppen wie zum Beispiel Random House gibt es auf dem Buchmarkt nämlich nach wie vor eine Vielzahl kleiner und unabhängiger Verlage. Ein Buch aus einem solchen Verlag nennt man Indiebook. Die Verlagsprogramme von unabhängigen Verlagen zeichnen sich dadurch aus, dass hier auch Autor*innen ein Zuhause finden, die sich vielleicht nicht massenhaft verkaufen werden, aber doch einen wichtigen Beitrag leisten zu gesellschaftlichen Debatten und literarischen Experimenten.

Toll ist, dass der Preis der Leipziger Buchmesse im Bereich Belletristik dieses Jahr an Anke Stelling ging, eine Autorin des Berliner Verbrecherverlags – auch ein solch unabhängiger Verlag. Den Preis erhielt sie für ihren Roman „Schäfchen im Trockenen“. Der Preis für Übersetzung ging an Eva-Ruth Wemme für ihre Übersetzung des rumänischen Romans „Verlorener Morgen“ von Gabriela Adameșteanus. Wemme ist übrigens nicht nur Übersetzerin, sondern hat selbst auch zwei Bücher geschrieben, die im Verbrecherverlag veröffentlicht sind – „Meine 700 Nachbarn“ und „Amalinca“. Im Bereich Sachbuch ging der Preis an Harald Jähner für sein Buch „Wolfszeit. Deutschland und die Deutschen 1945-1955“.

Die Preisträger der Leipziger Buchmesse 2019: Eva-Ruth Wemme, Anke Stelling und Harald Jähner

 

Wer auch jetzt nach der Messe Lust auf mehr Indiebook hat und der Branche etwas Gutes tun will, kann morgen, am 30. März 2019, den Indiebookday feiern. Im deutschsprachigen Raum gibt es diesen „Feiertag“ für Bücher aus unabhängigen Verlagen seit 2013. Mittlerweile wird er aber auch in anderen Ländern begangen und erfreut sich zunehmender Beliebtheit. Wer mitmachen will, geht einfach am 30. März in eine Buchhandlung, erwirbt ein Buch aus einem unabhängigen Verlag und postet in irgendeinem sozialen Netzwerk ein Foto davon unter dem Hashtag #indiebookday.

Unser Fazit von der Buchmesse Leipzig: Wir waren sehr gerne da – und ehrlich nicht nur, weil es in allen Messehallen Stände mit XXL-Pommes gab. Nächstes Jahr sind wir definitiv wieder dabei. Das Buch lebt! Und Leipzig ist ein toller Ort, um das zu feiern.

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Annekathrin Walther

Redakteurin

Annekathrin Walther spielt mit Text seit ihr Lesen und Schreiben möglich ist. Auf ihr Studium der LIteraturwissenschaft folgten Exkursionen ins Stadttheater und den Buchhandel. Seit 2013 liegt sie als Freiberuflerin vor Anker und schreibt als solche für Theater, Audio und Internet.

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