#BookClub: Die Liebe – einzigartig & immer anders

09.11.2018
Words by Claudia Marisa Alves de Castro
BookClub: November 2018

Heute dreht es sich bei unserem #BookClub mal nicht um die Neuerscheinungen des Monats, sondern um die Liebe – genauer gesagt: um unterschiedliche Formen und Institutionen der Liebe.

Die Liebe ist etwas Großartiges. Das Gefühl der starken Zuneigung und Wertschätzung schafft tiefe Verbundenheit innerhalb einer Freundschaft, Liebesbeziehung oder der Familie. Natürlich kann die Liebe auch schmerzhaft sein, wenn sie endet oder erst gar nicht erwidert wird. Doch am Ende lohnt es sich immer, an die Liebe zu glauben – oder?

Inzwischen zeigt sie sich in vielen unterschiedlichen Konstruktionen. Getreu dem Motto: „Alles kann, nichts muss“ haben wir uns dieses Mal nach Sachbüchern und Geschichten mitten aus dem Leben umgesehen, die nicht nur in der Lage sind, die ein oder andere offene Frage zu klären, sondern auch die Macht besitzen, den Kopf und das Herz für völlig neue Perspektiven auf die Liebe zu öffnen und auch neue Ansätze in Bezug auf traditionelle Formen der Liebe zu verfolgen.

In manchen Nächten hab ich einen anderen

Bildquelle: Verlagsgruppe Droemer Knaur
Bildquelle: Verlagsgruppe Droemer Knaur

Werden wir wirklich immer beziehungsunfähiger? Und müssen wir vielleicht noch viel offener werden und der klassischen Definition von einer Liebesbeziehung einfach ein Update verpassen? In ihrem Buch “In manchen Nächten hab ich einen anderen: Mein sinnliches Leben in einer offenen Beziehung” spricht Anna Zimt offen und ehrlich über sich, ihre große Liebe und den Weg zu einer Beziehung mit wechselnden Sex-Partnern. Einen Weg, den sie mit Max gemeinsam gegangen ist und geht. Die beiden sind seit zehn Jahren zusammen und inzwischen verheiratet. Sie haben sich dazu entschlossen, das Leben nicht mehr ohne einander bestreiten zu wollen – jedoch auch nicht ohne Abenteuer, Sex und Affären. Wie Anna und Max beides miteinander vereinen, beschreibt die Autorin und Bloggerin aus Hamburg eindrucksvoll und nah, ohne die Leser*innen von ihrem Lebensmodell überzeugen zu wollen.

Eine Geschichte mitten aus dem Leben: “In manchen Nächten hab ich einen anderen: Mein sinnliches Leben in einer offenen Beziehung” von Anna Zimt. Erscheinungsdatum: 3. September 2018

Und plötzlich war ich zu sechst

#BookClub: Und plötzlich war ich zu sechst
Bildquelle: S. Fischer Verlag

Immer wieder kommt es vor, dass langjährige Beziehungen und Ehen auseinandergehen und sich daraufhin neue Paare begegnen. Doch gelegentlich sind da nicht nur zwei Menschen, sondern auch Kinder, die ebenfalls zu einem Teil der neuen Beziehung werden. Wie sich die Vergangenheit mit der Gegenwart vereinbaren und kombinieren lässt, davon erzählt Publizistin und Bestsellerautorin Felicitas Lovenberg in “Und plötzlich war ich zu sechst: Aus dem Leben einer ganz normalen Patchwork-Familie.” Felicitas nimmt ihre Leser*innen mit in ihren Alltag , teilt ihre Erfahrungen und berichtet von kleineren und größeren Krisen und deren Überwindung, bis hin zu einem (fast) rundum harmonischen Familienleben.

Ein Buch für alle, die ohne Vorwarnung Patchwork-Mutter oder Patchwork-Vater werden: “Und plötzlich war ich zu sechst: Aus dem Leben einer ganz normalen Patchwork-Familie” von Felicitas Lovenberg. Erscheinungsdatum: 21. Januar 2016

bild:schön: 20 Jahre Lesbisch Schwule Filmtage Hamburg

#BookClub: bild:schön: 20 Jahre Lesbisch Schwule Filmtage Hamburg
Bildquelle: Männerschwarm Verlag

Vor mehreren Jahren schon, nämlich am 1. Oktober 2009, erschien “bild:schön: 20 Jahre Lesbisch Schwule Filmtage Hamburg”. Das heute älteste und größte deutsche Festival seiner Art fand in diesem Jahr bereits zum 29. Mal statt. Ursprünglich entstanden ist es als Reaktion auf eine Bestandsaufnahme aus dem Jahre 1990, als nämlich Studierende die Darstellung von Lesben und Schwulen im Film untersuchten. Das Ergebnis fiel damals so ernüchternd aus, dass ein selbstbestimmtes Forum für die eigene Filmkultur gegründet wurde: die Lesbisch Schwulen Filmtage in Hamburg. Zu deren 20. Geburtstag, also vor neun Jahren, entstand dieses Buchprojekt, das mit seinen beeindruckenden Artikeln, Autor*innen-Interviews, seinen vielen Erinnerungen, Bildern und Eindrücken bis heute nichts an Strahlkraft verloren hat. Wie sich die lesbisch-schwule Filmkultur in den letzten Jahren entwickelt hat, wie Homosexualität und Religion Hand in Hand funktionieren und worum es bei der Liebe wirklich geht…

Antworten auf diese und viele weitere Fragen gibt es in “bild:schön: 20 Jahre Lesbisch Schwule Filmtage Hamburg” von Dorothée von Diepenbroick & Skadi Loist (Hrsg.). Erscheinungsdatum: 1. Oktober 2009

Wie wir lieben – vom Ende der Monogamie

#BookClub: Wie wir lieben
Bildquelle: Aufbau Verlag

Dass wir in einem neuen Zeitalter der Liebe stecken, ist nichts Neues mehr. Es gibt nicht nur einen oder zwei Wege zu lieben. Man hat die Wahl und kann selbst entscheiden, wie man leben möchte – welches Liebes-Konstrukt heute am besten passt und morgen vielleicht nicht mehr. Autor Friedemann Karig stellt sich darüber hinaus die Fragen, ob wir ein neues Wort für die Liebe brauchen und ob die Monogamie am Ende ist. Er geht so offen mit dem Thema um, dass man meinen könnte, die Welt habe der Liebe eine bedrohliche Ernsthaftigkeit verliehen, die uns zunehmend Angst haben lässt. Angst vor etwas, das uns eigentlich beflügeln und zugleich ungemein sicher fühlen lassen sollte. Ob es für uns und den Umgang mit der Liebe ein Happy End gibt?

Darüber wird philosophiert in: “Wie wir lieben: Vom Ende der Monogamie” von Friedemann Karig. Erscheinungsdatum: 17. Februar 2017

Freie Liebe ist für Feige

#BookClub: Freie Liebe ist für Feige
Bildquelle: zu Klampen Verlag

Ist die Eifersucht ein Teufel, der sich in Beziehungen schleicht und dazu führt, dass die Liebe früher oder später ein dramatisches Ende findet? Oder sind es die eifersüchtigen Menschen selbst, die mit ihrem besitzergreifenden Charakter zunehmend vergessen, was wahre Liebe wirklich heißt? Egal wie man es dreht und wendet, die Eifersucht ist und bleibt verpönt. Wer eifersüchtig ist, so gilt es häufig, hat meistens ein Problem mit dem Partner oder mit sich selbst. Birgit Schmid sieht das anders. Sie setzt mit ihren Essays “Freie Liebe ist für Feige” der Eifersucht die Teufelshörner wieder ab und beschreibt, wieso diese Emotion zu einer (romantischen) Beziehung einfach dazugehört. Zudem stellt sie sich die Frage, warum es immer häufiger tabu ist, zuzugeben, dass man jemanden braucht, und sich verletzlich zu zeigen.

Ein Buch, das zeigt, wie schön “konventionell” sein kann: “Freie Liebe ist für Feige: Lob der Eifersucht” von Birgit Schmid. Erscheinungsdatum: 4. April 2018

Das Beitragsbild ist übrigens von Thought Catalog auf Unsplash

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Claudia Marisa Alves de Castro

Claudia Alves de Castro kommt vom Land, war aber nie für die Kleinstadt gemacht. Jetzt – da sie in Hamburg lebt – kann sie ihrem Interesse für Menschen, Geschichten und dem Schreiben freien Lauf lassen. Vom Lifestyle- und Fashionblog, über die Arbeit beim Fernsehen vor und hinter der Kamera, bis hin zu den Online-Redaktionen großer Verlage, Claudia ist mit allen Medien-Wassern gewaschen. Neben ihrer Leidenschaft für ihren Beruf, macht sie ihre Liebe für Kultur, Medien und Reisen besonders glücklich. Seit März 2018 schreibt sie über all das bei uns.

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