Art déco: So schön kann Grafikdesign aus Paris sein

Words by Claudia Marisa Alves de Castro
Photography: Michaela Hille für MK&G
Art déco

Bei Art déco dürften die meisten an opulent geschwungene Formen, an exquisite Möbel, kostbare Stoffe und raffinierte Kleider denken – doch nur selten an Grafik…

 

Ja, die 1920er Jahre symbolisieren nicht nur im Allgemeinen einen enormen Aufschwung und eine unvergessene Blütezeit – im Speziellen erlebte auch das Grafikdesign einen ganz besonderen Höhepunkt. Plötzlich gab es die verschiedensten Entwicklungen – sei es in der Schriftgestaltung, im Layout oder in der Illustration. Nach dem ersten Weltkrieg konnten sich die verschiedenen Bereiche der Werbung entfalten, was zudem für unzählige neue Aufgaben und Aufträge für Grafiker, Designer und Plakatkünstler sorgte.

Plakate aus den Jahren um 1930, Illustrationen, die im innovativen Pochoir-Verfahren gedruckt wurden, und Anzeigen für Zeitschriften kennzeichneten dabei drei der verschiedensten Entwicklungen des Pariser Art déco. Übrigens: Die Bezeichnung Art déco wurde nach der Weltausstellung von 1925 in Paris benannt: Exposition internationale des arts décoratifs et industriels modernes. Es handelte sich um eine Kunstrichtung, die vorwiegend eine weltoffene und wohlhabende Elite erreichen wollte.

Heute hat Art déco die Möglichkeit, jeden zu erreichen. Unter anderem durch die aktuelle Ausstellung “Art Déco. Grafikdesign aus Paris”, die vom 4. Mai bis zum 30. September im Museum für Kunst und Gewerbe in Hamburg zu sehen ist. In den letzten Jahren konnte eine in Deutschland einmalige Sammlung an Pariser Drucken – vor allem aus den 1920er Jahren – erworben werden. Rund 250 Werke von Künstlern wie George Barbier, Jean Carlu, Paul Colin, Paul Iribe, A. M. Cassandre und vielen mehr gibt es in den nächsten Wochen in der Ausstellung zu bestaunen. Die Plakate und Illustrationen stammen überwiegend aus den Zeitschriften Vogue und L’Illustration.

Ausstellungsansicht
Ausstellungsansicht
René Vincent (1879 – 1936) – Plakat, Peugeot, 1928
René Vincent (1879 – 1936) – Plakat, Peugeot, 1928
Paul Iribe (1883 – 1935) – Ilustration aus Radierung und Pochoirdruck
Paul Iribe (1883 – 1935) – Ilustration aus Radierung und Pochoirdruck
Ausstellungsansicht im MK&G
Ausstellungsansicht im MK&G
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Dass sich der Gang in die Ausstellung lohnt, zeigen wir hier mit einigen Eindrücken. Vor allem, wer Lust und Neugier verspürt, in ein Paris zurückzureisen, in dem das Auto in gestalterischer Hinsicht einen Höhepunkt erlebte, das französische Chanson groß wurde, die Haute Couture entstand und Tanz und Kabarett eine besonders wichtige Rolle spielten, wird mit Sicherheit nicht enttäuscht werden.

 
Charles Loupot (1892 – 1962) – Offizielles Plakat für die Internationale Ausstellung der dekorativen Künste, 1925
Charles Loupot (1892 – 1962) – Offizielles Plakat für die Internationale Ausstellung der dekorativen Künste, 1925
Paul Colin (1892 – 1985) – Plakat, André Renaud, 1929
Paul Colin (1892 – 1985) – Plakat, André Renaud, 1929
Roger Pérot (1908 – 1976) – Plakat, Delahye, 1932
Roger Pérot (1908 – 1976) – Plakat, Delahye, 1932
Fernand Léger (1881 – 1955) – Illustration, 1919
Fernand Léger (1881 – 1955) – Illustration, 1919
Auguste Herein (1882 – 1960) – Bal de la Grande Course, 1925, Plakat
Auguste Herein (1882 – 1960) – Bal de la Grande Course, 1925, Plakat
Georges Lepape (1887 – 1971) – Rugby (Tailliertes Kostüm von Redfern, Tafel aus La Gazette du Bon Ton, Pochoirdruck
Georges Lepape (1887 – 1971) – Rugby (Tailliertes Kostüm von Redfern, Tafel aus La Gazette du Bon Ton, Pochoirdruck
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“Art Déco. Grafikdesign aus Paris” – die Ausstellung im Museum für Kunst und Gewerbe in Hamburg läuft bis zum 30. September / Eintritt: 12 Euro / ermäßigt 8 Euro. 

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Claudia Marisa Alves de Castro

Redaktionsleiterin

Claudia Alves de Castro kommt vom Land, war aber nie für die Kleinstadt gemacht. Jetzt – da sie in Hamburg lebt – kann sie ihrem Interesse für Menschen, Geschichten und dem Schreiben freien Lauf lassen. Vom Lifestyle- und Fashionblog, über die Arbeit beim Fernsehen vor und hinter der Kamera, bis hin zu den Online-Redaktionen großer Verlage, Claudia ist mit allen Medien-Wassern gewaschen. Neben ihrer Leidenschaft für ihren Beruf, macht sie ihre Liebe für Kultur, Medien und Reisen besonders glücklich. Seit März 2018 schreibt sie über all das bei uns.

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