Mein zweites Trimester: Höhen & Tiefen einer Schwangerschaft

Words by Claudia Marisa Alves de Castro
Photography: privat
Lesezeit: 5 Minuten
Kann es nach 3 anstrengenden Monaten Schwangerschaft noch schlimmer werden? Ja kann es!

Endlich wird alles besser – dachte ich… Nach den ersten 12 anstrengenden Wochen meiner Schwangerschaft hoffte ich das Beste und bekam stattdessen so starke Schmerzen, dass ich mich für einige Tage sogar nur noch humpelnd fortbewegen konnte. 

Aktuell kann ich täglich dabei zusehen, wie mein Bauch immer größer wird. Und ich kann spüren, wie sich der kleine Mensch in mir von Tag zu Tag aktiver bewegt! Ich hatte es selbst nicht mehr geglaubt, doch inzwischen befinde ich mich tatsächlich in einer Phase, in der ich gerne schwanger bin. Ich bin sogar fest davon überzeugt, dass mir mein Babybauch eines Tages fehlen wird. Dadurch, dass es mir gerade gut geht und ich mir immer wieder bewusst Zeit nehme, um mit meinem Baby zu interagieren (ich versuche es zumindest und bilde mir ein, dass es auch wirklich funktioniert), kommen mir immer häufiger die Worte anderer Frauen in den Kopf, die mir in der Vergangenheit dazu rieten, diese ganz besondere Zeit doch auf jeden Fall zu genießen. 

Doch was soll ich sagen? Das mit dem Genießen ist wirklich eine eher neue Entwicklung. In der ersten Phase meiner Schwangerschaft war daran zunächst nicht wirklich zu denken. Wovon ich genau spreche, kannst du in meiner Kolumne zum ersten Trimester noch einmal nachlesen. 

Schwangerschaftsübelkeit: Wann hört das endlich auf? 

Nach all den Strapazen sehnte ich mir also das Ende der 12. Schwangerschaftswoche herbei und konnte es kaum erwarten, endlich nicht mehr so extrem müde zu sein und wieder vor Energie zu strotzen und besser atmen und schlafen zu können. Doch am meisten freute ich mich darauf, mich endlich nicht mehr übergeben zu müssen. Leider plagten mich die Beschwerden dann doch noch bis zur 16. SSW. Zwar zog sich die Übelkeit immer seltener über den kompletten Tag, doch schränkte sie mich weiterhin ein und sorgte immer wieder für spektakuläre Szenen im Badezimmer. Doch immerhin: Mein größter Albtraum, mich vor den Augen der Öffentlichkeit in die Bahn oder den Bus zu übergeben, hat sich zum Glück nicht bewahrheitet. 

Das hüpfende Baby in meinem Bauch

Doch erst einmal begann die 13. SSW mit einem für mich ganz besonderen und wichtigen Termin: dem First-Trimester-Screening. Diesen aufregenden Tag im Pränatalzentrum werde ich vermutlich nie vergessen, denn zum einen sollte mein Mann unser Kind zum ersten Mal sehen (bei den ersten Frauenarztterminen war er noch nicht mit dabei gewesen) und zum anderen würden wir erfahren, ob unser Baby sich gut entwickelte und gesund war. 

Beim Erst-Trimester-Screening können schwere Organfehlbildungen und Behinderungen, insbesondere Trisomie 21, 13 und 18, erkannt und weitgehend ausgeschlossen werden. Zunächst ging die Ärztin einen Fragebogen mit uns durch und fragte nach Alter, erbbedingten Krankheiten in der Familie und unseren täglichen Gewohnheiten. Anschließend ging es an den Ultraschall. Und das, was wir auf dem großen Ultra-HD-Bildschirm sehen konnten, verschlug mir buchstäblich die Sprache und ist mit Abstand einer der schönsten Momente in meinem Leben. Wir konnten unser Kind so klar und deutlich erkennen, wie ich es gar nicht für möglich gehalten hatte. Nach nur knapp 13 Wochen sahen wir so gut wie alles, was an einem Menschen so dran sein muss. Das Gehirn, das Herz inklusive Kammern, alle Finger und Zehen, die Niere und sogar Venen machte das Ultraschallgerät sichtbar. Was nicht nur uns freute, sondern auch der Ärztin um einiges erleichterte: Unser Kind hüpfte wie ein Flummi von einer auf die andere Seite, drehte Purzelbäume, reckte und streckte sich. Dank dieser Performance konnten wir das noch ziemlich kleine Wesen von allen Seiten betrachten, ausmessen und sichergehen, dass es ihm gutgeht. Nach einem abschließenden Bluttest verließen wir beseelt die Klinik und machten uns auf zu unseren Eltern und Großeltern.

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

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Hallo Oma, hallo Opa…

Denn die wussten bis zu diesem Zeitpunkt noch gar nichts von ihrem Glück. Da das erste Enkelkind bereits seit Längerem sehnlichst erwartet wurde, entschlossen wir uns, mit der freudigen Verkündung zu warten und erst mit der Sprache herauszurücken, sobald wir die ersten kritischen Wochen überstanden hatten und das First-Trimester-Screening keine Auffälligkeiten zeigte. So besorgte ich einige Tage zuvor kleine Pakete, legte diese mit Rosenblättern aus und tat eine kleine Babysocke und einen aus der Sicht des Kindes geschrieben Brief hinein. Zuletzt folgte dann noch das aktuelle Ultraschallbild. Bei allen Familienmitgliedern taten wir so, als habe die Post das Paket einfach vor der Tür abgestellt. Das kam jedoch allen ziemlich komisch vor. Vor allem in einer Kleinstadt bzw. einem Dorf, in dem sich alle beim Vornamen kennen, würde die Postbotin oder der Postbote es sich niemals nehmen lassen, an der Tür zu klingeln. Nach weiteren skurrilen Annahmen – wie etwa, die Kirche würde mit derartigen Sendungen versuchen, Mitleid zu erwecken, um an Spenden zu gelangen – verstanden am Ende doch noch alle die Botschaft. Die Freude und Liebe, die uns daraufhin entgegengebracht wurde, lässt sich für mich auch heute noch kaum in Worte fassen. So erklärte meine Schwiegermutter unter Tränen mehrfach: »Das war mein größter Wunsch!«

Sind das Übungswehen?

Was mein Befinden anging, ging es in den darauffolgenden Wochen aber weiterhin auf und ab. Mal fühlte ich mich einfach nur schrecklich, dann wieder gut. Vor allem in Momenten, in denen ich funktionieren musste, konnte ich immer wieder zu mir selbst finden. Kräftezehrend war die Zeit dennoch weiterhin. Eine vierwöchige Erkältung, in der ich am Ende sogar für mehrere Tage meine Stimme verlor, ließ es nicht besser werden. Einen weiteren Tiefpunkt erreichte mein Zustand kurz vor Weihnachten. Nachdem wir mit Freunden knapp zwei Stunden auf dem Weihnachtsmarkt verbracht hatten, bemerkte ich plötzlich einen immer stärker werdenden Schmerz, den ich vor allem rechts und links der Gebärmutter wahrnahm. Auf dem Weg nach Hause hätte ich dann am liebsten den Krankenwagen gerufen, denn plötzlich zog es mir so unangenehm in den Beinen, dass es mich beinah lähmte. Die letzten Schritte konnte ich nur noch im Schneckentempo zurücklegen und musste währenddessen sogar versuchen, den stechenden Schmerz zu veratmen. In diesem Moment war ich mir sicher: Das müssen Übungswehen sein. Denn was sollte sich sonst so schrecklich anfühlen? Kurze Zeit später erfuhr ich dann, um was es sich wirklich handelte. Ich las in meinem Lieblings-Forum (»Lieblings«, weil es hier keine Frage gibt, die nicht schon beantwortet wurde – die Antworten kommen übrigens unter anderem von FrauenärztInnen), dass mich Dehnungsschmerzen quälten. Die sogenannten Mutterbänder haben die Aufgabe, die Gebärmutter in ihrer Position zu halten. Diese dehnt sich im Laufe der Schwangerschaft immer weiter aus – dementsprechend müssen sich auch die Mutterbänder weiter ausdehnen, was einen mal mehr, mal weniger starken Dehnungsschmerz verursacht. In den darauffolgenden Tagen hatte ich immer wieder Probleme beim Gehen und humpelte nur so durch die Gegend, was meiner allgemeinen Grundstimmung nur wenig zuträglich war. Doch wenn ich eines während meiner Schwangerschaft gelernt habe, dann dass mich die emotionale Achterbahnfahrt von einer auf die andere Sekunde von ganz unten nach ganz oben befördern kann.

Ich kann mein Baby spüren!

Mit den Weihnachtsfeiertagen ließ nicht nur endlich meine Übelkeit vollständig nach – vielleicht lag das auch an dem guten Essen bei den Eltern und Großeltern (zu diesem Zeitpunkt befand ich mich übrigens in der 17. SSW) – ich hatte zudem immer wieder das Gefühl, dass ich mein Baby bereits ganz leicht spüren konnte, ich war mir allerdings noch nicht ganz sicher. Und dann, am 26. Dezember – wir waren gerade mit meinen Eltern und Großeltern in einem Restaurant essen – ging es doch tatsächlich so richtig los. Ich spürte den allerersten richtigen Tritt oder Boxhieb. Und auch mein Mann hatte das Glück und erschrak so richtig, als er die Hand auf meinen Bauch legte. So wurde es in den nächsten Wochen zunehmend turbulenter, und auch an dieses Gefühl musste ich mich erst noch gewöhnen. Es nicht nur zu wissen, sondern auch deutlich zu spüren, dass da ein Mensch in einem lebt und heranwächst, war für mich anfangs noch etwas verstörend und beängstigend. 

Inzwischen liebe ich dieses Gefühl – auch wenn mich die heftigen, aber zunehmend koordinierter werdenden Bewegungen unseres kleinen Wunders auch mal um vier Uhr nachts aus dem Bett holen und partout nicht mehr einschlafen lassen. Gefühlstechnisch haben die letzten Wochen auch überhaupt nichts mehr mit der brisanten Mischung aus Freude, Überforderung, Trauer, Wut und Unzufriedenheit zu tun. Denn zur Zeit empfinde ich nur zwei Dinge: Liebe und große Vorfreude (und ja, auch ein wenig Müdigkeit, aber daran muss ich mich ja jetzt eh gewöhnen…). 

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Ich bin schwanger und inzwischen liegt bereits über die Hälfte der Schwangerschaft hinter mir. Heute möchte ich zurückblicken und euch von den ersten drei Monaten und von besonders harten Tagen erzählen, an denen ich unser Baby nur zu gerne für eine kurze Zeit meinem Mann übergeben hätte. 

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Claudia Marisa Alves de Castro

Redaktionsleiterin

Claudia Alves de Castro kommt vom Land, war aber nie für die Kleinstadt gemacht. Jetzt – da sie in Hamburg lebt – kann sie ihrem Interesse für Menschen, Geschichten und dem Schreiben freien Lauf lassen. Vom Lifestyle- und Fashionblog, über die Arbeit beim Fernsehen vor und hinter der Kamera, bis hin zu den Online-Redaktionen großer Verlage, Claudia ist mit allen Medien-Wassern gewaschen. Neben ihrer Leidenschaft für ihren Beruf, macht sie ihre Liebe für Kultur, Medien und Reisen besonders glücklich. Seit März 2018 schreibt sie über all das bei uns.

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