Wie sinnvoll ist Social-Media-Detox im Urlaub?

Words by Claudia Marisa Alves de Castro
Photography: privat
Wie wichtig ist Social Media Datox im Urlaub?

Vor allem in der Urlaubzeit sprechen viele Menschen vom sogenannten Social-Media-Detox. Doch wie sinnvoll ist der Verzicht ausgerechnet im Urlaub? 

 

Wie bei vielen Menschen steht auch bei mir der Urlaub vor der Tür. Es wird Zeit für Entspannung, gutes Essen, ein spannendes Buch und tolle, neue Eindrücke. Immer mit dabei: das Smartphone inklusive WhatsApp, Instagram, YouTube und Co. Denn die »Fear of Missing Out« (FOMO), also die Angst etwas zu verpassen, macht auch im Urlaub keine Pause. Außerdem verspüren wir immer wieder das Bedürfnis, besonders tolle Erlebnisse sofort mit unseren Freunden zu teilen. 

Social Media lässt mich abschalten

Ich selbst verbringe viel Zeit mit Instagram, WhatsApp und YouTube. Ich halte mich gern auf dem Laufenden und weiß so immer, was bei meinen Freunden und in der Welt los ist. Darüber hinaus verfolge ich das Leben einiger YouTuber*innen und Instagrammer*innen, die zwar täglich nur einen kleinen Ausschnitt aus ihrem Leben teilen, mit denen ich mich aber ehrlich gesagt inzwischen sogar schon auf eine merkwürdige Art und Weise verbunden fühle. Außerdem entspannen mich die Videos und Stories abends nach der Arbeit und am Wochenende und bringen mich sogar hin und wieder auf tolle Themen für meine Kolumne oder andere Artikel für Monda. Da stellt sich doch die Frage: Wieso sollte ich also von etwas Abstand nehmen, was mich unterhält, mich abschalten lässt und mir Freude bereitet? 

Manchmal brauche ich eine Pause

Ganz einfach: Es gibt immer zwei Seiten der Medaille, und wo Licht ist, ist auch in vielen Fällen Schatten. Wie wir wissen und wie inzwischen zahlreiche Studien belegt haben, birgt Social Media ein großes Suchtpotenzial. Es lässt sich auch nicht schönreden, dass der Sinn einer App nun mal der ist, dass wir Menschen uns so lange damit beschäftigen, wie es nur geht. Und an diesem Punkt sollten wir alle ehrlich zu uns selbst sein. Denn auch ich habe mich schon häufig erschrocken, weil ich eigentlich nur kurz die für mich »wichtigsten« Stories anschauen wollte und dabei – so mir nichts, dir nichts – plötzlich über eine Stunde vergangen war. Und auch bei YouTube kann ich mich total verlieren. Obwohl ich nur ein Video anschauen wollte, klicke ich mich plötzlich von einem zum nächsten und vergesse, was ich stattdessen eigentlich tun wollte. 

Zudem merke ich immer häufiger, dass mich lange Ladezeiten zunehmend nervös und ärgerlich machen – mein Geduldsfaden scheint immer kürzer zu werden. Fällt das Internet dann sogar komplett aus, fühle ich mich teilweise vollkommen aufgeschmissen – was nicht zuletzt an meinem Beruf liegt, der nun mal ohne das Internet nicht auszuüben wäre. Social Media gehört zu meinem und unserem Leben, und ich liebe diese Art der Kommunikation und Unterhaltung, doch irgendwann sollten wir uns wirklich eine Pause gönnen. 

Urlaub vom Alltag und von Social Media 

Dieses Gefühl der Abhängigkeit ist für mich vor allem im Urlaub ein absolutes No-Go. Ich könnte mir nichts Schlimmeres vorstellen, als für mehrere Stunden wie ein Zombie am Smartphone zu hängen, während ich am Strand oder Pool liege oder eine Stadt oder die Natur erkunde. Deshalb halte ich mich an einen zumindest teilweisen Social-Media-Detox, wenn es in den Urlaub geht. »Teilweise« bedeutet, dass ich die Apps nicht von meinem Handy lösche, sondern nur darauf achte, dass das Smartphone tagsüber in der Tasche oder sogar auf dem Zimmer bleibt und ich es wirklich nur dann heraushole, wenn ich Musik oder einen Podcast hören möchte. 

 

Direkt vor dem Abendessen nehme ich mir dann meistens einige Minuten, um mich bei meinen Eltern und meinen besten Freundinnen zu melden und um kurz durch Instagram zu scrollen und doch eines meiner Lieblingsfotos zu posten, die ich an diesem Tag geschossen habe. Fotos mache ich übrigens extra mit meiner Kamera, damit ich das Handy auch bei Ausflügen auf dem Hotelzimmer lassen kann.

Und nun komme ich zurück zu meiner Frage aus der Überschrift: Ich finde Social-Media-Detox für mich persönlich sehr sinnvoll. Ich möchte die Zeit, die ich sonst (zugegebenermaßen sogar manchmal gelangweilt) auf mein Handy starren würde, sinnvoll nutzen und mit wundervollen Urlaubserinnerungen füllen. Denn anstatt zu glauben, wir würden etwas Wesentliches verpassen, sobald wir nicht mehr wissen, was bei den anderen los ist, sollten wir uns bewusst machen, wie furchtbar es eigentlich ist, ständig unser eigenes Leben an uns vorbeiziehen zu lassen… 

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Claudia Marisa Alves de Castro

Redaktionsleiterin

Claudia Alves de Castro kommt vom Land, war aber nie für die Kleinstadt gemacht. Jetzt – da sie in Hamburg lebt – kann sie ihrem Interesse für Menschen, Geschichten und dem Schreiben freien Lauf lassen. Vom Lifestyle- und Fashionblog, über die Arbeit beim Fernsehen vor und hinter der Kamera, bis hin zu den Online-Redaktionen großer Verlage, Claudia ist mit allen Medien-Wassern gewaschen. Neben ihrer Leidenschaft für ihren Beruf, macht sie ihre Liebe für Kultur, Medien und Reisen besonders glücklich. Seit März 2018 schreibt sie über all das bei uns.

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