Werde ich zur Lebensretterin?

Words by Claudia Marisa Alves de Castro
Claudia Marisa zeigt ihren DKMS-Ausweis

Unter Umständen ist eine Stammzellenspende die letzte Möglichkeit, um zu überleben. Vor einigen Jahren begriff ich, dass ich mich aus diesem Grund unbedingt bei der DKMS, der Deutschen Knochenmarkspenderdatei, als Stammzellenspenderin registrieren lassen muss. Und heute denke ich immer wieder darüber nach, dass ich vielleicht irgendwann einmal einem Menschen das Leben retten darf.

 

»Mund auf, Stäbchen rein, Spender sein.« Diesen Satz hast auch du vermutlich schon häufiger gehört oder gelesen. Dies ist der Slogan der Deutschen Knochenmarkspenderdatei. Wer hier gelistet ist, hat die Möglichkeit, einer an Blutkrebs erkrankten Person mit einer Stammzellenspende das Leben zu retten. In Deutschland erhält laut DKMS tatsächlich alle 15 Minuten ein Mensch die Diagnose Blutkrebs. Und obwohl die Zahl der registrierten Spender von Jahr zu Jahr kontinuierlich ansteigt, können noch längst nicht alle Menschen von ihrem genetischen Zwilling gerettet werden, weil zahlreiche Registrierungen fehlen. Und so müssen immer noch zu viele Menschen – oft auch schon Kinder und Jugendliche – an den Folgen der Krankheit sterben.

Ein gescheiterter Versuch

Im Jahr 2013 habe ich mich zum ersten Mal mit dem Thema beschäftigt. Meine damalige Mitbewohnerin brachte zwei Registrierungssets aus der Uni mit. Ohne zu zögern, nahm sie mit den beiliegenden Stäbchen Speichel von ihren Wangeninnenseiten auf, tütete alles ein und sendete den Umschlag an die DKMS. Ich hingegen wollte mir erst einmal in Ruhe Zeit nehmen, um zu verstehen, wofür genau ich mich eigentlich zur Verfügung stelle. Da ich bereits davon gehört hatte, dass das Knochenmark unter anderem unter Vollnarkose aus dem Beckenkamm entnommen wird, hatte ich nicht nur großen Respekt davor, sondern auch Zweifel, dass ich diesen Schritt im Fall der Fälle wirklich gehen würde. Und dann fiel das Stäbchen buchstäblich unter den Tisch und landete am Ende sogar im Müll.

Die Registrierung ist einfach & schnell

Heute ärgere ich mich über meine mangelnde Bereitschaft. Immerhin – ein paar Jahre nach meinem misglückten Erstkontakt verstand auch ich, dass ich mich einfach registrieren lassen musste. Ich nahm mir ein paar Stunden Zeit, informierte mich auf der DKMS-Webseite und las einige Berichte über Knochenmarkspenden.

Und da schien mir wohl das Schicksal unter die Arme greifen zu wollen, denn mein ehemaliger Arbeitgeber veranstaltete just zu diesem Zeitpunkt einen DKMS-Registrierungstag, zu dem ich mich dann auch direkt anmeldete.

Nachdem ich meine Speichelprobe abgegeben hatte und einige Angaben zu meiner Person aufgenommen worden waren, erhielt ich nach nur wenigen Minuten einen vorläufigen und wenige Wochen später meinen richtigen Spenderausweis zugeschickt. Seitdem hoffe ich, dass ich, sobald meine Hilfe benötigt wird, tatsächlich in der Lage sein werde, ein Leben zu retten. Denn bevor es dann wirklich ernst wird, müssen noch einige Tests durchlaufen werden, die unter anderem prüfen, ob die eigene körperliche Verfassung eine Spende überhaupt möglich macht.

 

Die Geschichte der DKMS

Die DKMS gibt es übrigens seit 1991. In diesem Jahr verstarb Mechthild Harf an den Folgen ihrer Leukämieerkrankung. Ihr Ehemann Dr. Peter Harf versprach seiner Frau, er werde künftig dafür sorgen, dass jeder Blutkrebspatient auf dieser Welt einen passenden Spender finde – und gründete die Deutsche Knochenmarkspenderdatei. Damals hatten sich in Deutschland erst rund 3000 Menschen registriert. Inzwischen sind es bereits über 8,3 Millionen weltweit (Stand: August 2018). Bei mehr als 7,6 Milliarden Menschen ist das allerdings noch nicht genug. Das Ziel der DKMS ist es, Blutkrebs vollkommen zu besiegen. Wir sind auf einem guten Weg, doch noch ist es leider nicht möglich, jedes einzelne Leben zu retten.

Was ist Blutkrebs?

Blutkrebs ist ein Oberbegriff für bösartige Erkrankungen des Knochenmarks. Dazu zählen Leukämie, das multiple Myelom und das maligne Lymphom. Bei diesen Krankheiten wird die normale Blutbildung durch die unkontrollierte Vermehrung von entarteten weißen Blutzellen gestört. Wegen dieser Krebszellen kann das Blut seine lebensnotwendigen Aufgaben, wie Infektionen zu bekämpfen, Sauerstoff zu transportieren oder Blutungen zu stoppen, nicht mehr ausführen. Hat eine Chemotherapie nicht die gewünschte Heilung herbeigeführt, ist die Stammzellenspende die einzige Überlebenschance.

Eine Registrierung ist nur logisch!

Wer sich bei der DKMS registriert und per Telefon die Nachricht erhält, eventuell als Spender*in infrage zu kommen, muss sich übrigens keine Gedanken über den Ausfall bei der Arbeit oder eventuell anfallende Kosten machen. Die DKMS regelt alles Nötige mit dem Arbeitgeber, und die Krankenkasse des Patienten zahlt anstehende Fahrt- und Unterbringungskosten.

In den letzten Jahren habe ich mir immer wieder vorgestellt, wie furchtbar es wäre, wenn geliebte Menschen in meinem näheren Umfeld an Blutkrebs erkrankten, später meine Kinder darunter litten oder ich selbst die Diagnose bekäme. Da ich mir für derartige Fälle natürlich wünsche, dass geeignete Spender*innen gefunden werden können, gibt es keine andere Möglichkeit, als dass ich selbst mich natürlich auch als Spenderin zur Verfügung stelle. Bei dieser Sache müssen wir meiner Meinung nach alle an einem Strang ziehen, und auch wenn ich immer dafür bin, dass wir uns nur von positiven Gedanken umgeben: Ein »Mich trifft es eh nicht« ist im Fall von Blutkrebs leider viel zu kurz gedacht.

Du möchtest dich registrieren? Alle wichtigen Infos und Schritte findest du hier.

Share:

Claudia Marisa Alves de Castro

Redaktionsleiterin

Claudia Alves de Castro kommt vom Land, war aber nie für die Kleinstadt gemacht. Jetzt – da sie in Hamburg lebt – kann sie ihrem Interesse für Menschen, Geschichten und dem Schreiben freien Lauf lassen. Vom Lifestyle- und Fashionblog, über die Arbeit beim Fernsehen vor und hinter der Kamera, bis hin zu den Online-Redaktionen großer Verlage, Claudia ist mit allen Medien-Wassern gewaschen. Neben ihrer Leidenschaft für ihren Beruf, macht sie ihre Liebe für Kultur, Medien und Reisen besonders glücklich. Seit März 2018 schreibt sie über all das bei uns.

1 Kommentar

Metty Eisenbein
#1 — vor 6 Monaten 3 Wochen
Ich habe tatsächlich eine Weile gebraucht, um mich registrieren zu können – nicht, weil ich Zweifel gehabt hätte, die gab es tatsächlich nicht. Aber ich habe lange unter Depressionen gelitten und diverse Medikamente dagegen nehmen müssen. Diese Kombination hat leider lange verhindert, dass ich mich in die DKMS-Spenderkartei eintragen lassen konnte. Seit vergangenem Jahr aber besitze ich das rotweiße Kärtchen – und trage es mit einem gewissen Stolz in meinem Portemonnaie, genauso wie meinen Organspendeausweis. In meiner eigenen Verwandtschaft ist das Thema Krebs leider sehr präsent (Blutkrebs bisher zum Glück nicht), und ich weiß aus leidvoller Erfahrung, wie unendlich bitter der Verlust geliebter Menschen an eine Krankheit wie Krebs ist. Daher war es für mich überhaupt keine Frage, dass ich Spender werden will – was ist ein »bisschen Aua« bei und nach der Stammzellentnahme gegen ein ganzes Leben, das damit gerettet werden kann?

Kommentieren