Weihnachten: Geht’s nicht auch ohne Geschenke?

Words by Claudia Marisa Alves de Castro
Photography: privat
Weihnachten: Gehts auch ohne Geschenke?

Heute ist der 4. Advent und der letzte Sonntag vor Weihnachten. In den nächsten Tagen werde ich so einige Geschenke verteilen und auch bekommen. Doch gerade in diesem Jahr fühle ich mich nicht wirklich wohl dabei.

 

Worum geht es an Weihnachten für dich ganz persönlich? Zu dieser Frage gibt es viele verschiedene Antworten und Meinungen – keine davon ist richtig oder falsch. Für mich persönlich handelt es sich um eine Zeit der Ruhe und Besinnlichkeit. Weihnachten bedeutet für mich ausschlafen, im Pyjama vor dem Kamin sitzen, ein Buch lesen, Weihnachtsfilme schauen und Kekse essen. Ohne Druck und negative Gedanken die Zeit mit der Familie genießen – und dabei auf keinen Fall an morgen denken. Zu Weihnachten gehören für mich auch eigentlich immer Schnee und kalte Temperaturen, die einem die Nase und die Wangen bei einem Spaziergang rot färben (ein inniger Wunsch, der wohl auch in diesem Jahr nicht in Erfüllung geht).

Worum geht es bei Weihnachten für dich ganz persönlich?

Ich bin beschenkt genug

Und ja, auch Geschenke gehören in meiner Familie mit dazu. Da ich meine Liebsten, auch unabhängig von Weihnachten, sehr gerne beschenke, kann ich auch andersherum verstehen, dass sie sich diese Freude nicht nehmen lassen möchten. Doch gerade in diesem Jahr fiel es mir besonders schwer, meine Wünsche zu äußern. Denn hinter mir liegen eine große Hochzeit mit allem Drum und Dran und noch einiges mehr. Ich bin nicht nur unendlich dankbar – ich fühle mich auch geliebt und beschenkt genug. Was ich jetzt noch wirklich brauche? Ehrlich gesagt, gar nichts. Eine Antwort, die innerhalb meiner Familie auf allgemeines Raunen stieß. Am Ende landeten auf meiner Wunschliste unter anderem eine Biografie von Freddie Mercury und ein Los der Aktion Mensch, mit dessen Kauf soziale Projekte gefördert werden. Im letzten Jahr spendete mein Mann in meinem Namen für ein Kinder-Hilfsprojekt – ein Geschenk, das mich zu Tränen rührte und auf das ich, wenn es überhaupt etwas sein soll, auch in diesem Jahr hoffe.

 

So viel geben die Deutschen für Geschenke aus

Alle Aufmerksamkeiten, die ich an meine Eltern, Großeltern, Schwiegereltern, Nichten, Neffen und so weiter verschenken möchte, habe ich in diesem Jahr bereits rechtzeitig besorgt (normalerweise gehöre ich zu den Kandidaten, die selbst am 24. Dezember noch einmal durch die Läden flitzen). Das gibt mir ein wirklich gutes und entspanntes Gefühl. Weniger entspannt war dagegen das Shoppen in der Innenstadt. Selbst an Tagen und Uhrzeiten, an denen man nur wenige Menschen vermuten würde, herrscht dort in der Weihnachtszeit das pure Chaos. Nicht nur daran lässt sich erkennen, dass die Deutschen im Weihnachtsshopping-Fieber sind. Laut dem Handelsverband Deutschland sind wir auch in diesem Jahr im Durchschnitt wieder kauffreudiger als in den Jahren zuvor. Während wir 2013 etwa knapp 397,40 Euro für Weihnachtsgeschenke ausgegeben haben und es im letzten Jahr etwa 465,70 Euro pro Kopf waren, geben die Deutschen in diesem Jahr sogar rund 472,30 Euro für ihre Liebsten aus. Ein Wert, auf den ich realistisch betrachtet sicher auch komme.

Ruhe & Besinnlichkeit spielen an Weihnachten eine große Rolle für mich

Weihnachtsgeschenke: Muss das noch sein?

Trotzdem frage ich mich seit einigen Jahren immer wieder, ob es nicht auch ganz ohne geht. Vor ein paar Tagen habe ich mich mit einer Bekannten darüber unterhalten. Sie und ihre Familie haben es bis vor einigen Jahren noch so geregelt, dass innerhalb der Familie ausgelost wurde, wer wem etwas schenkt. Heißt: Jedes Familienmitglied musste sich lediglich um die Besorgung eines Geschenkes kümmern. Inzwischen wurde selbst diese Tradition abgeschafft, und sie und ihre Familie haben sich darauf geeinigt, dass keine Geschenke mehr unter dem Baum landen – davon ausgenommen sind allerdings die Kleinsten. In meiner Familie kann ich mir aktuell weder die eine noch die andere Variante vorstellen, da ein Großteil schlichtweg einfach nicht mitmachen wollen würde. Meine Lösung für das nächste Jahr: Ich möchte allen vorschlagen, einen ganz konkreten Preisrahmen festzulegen, an den sich zwingend gehalten werden muss. Und wer das Bedürfnis hat, mehr geben zu wollen, soll im Namen der beschenkten Person spenden.

Wir geben und schenken uns das gesamte Jahr über so unglaublich viel. Liebe, Zeit, Aufmerksamkeit – und klar, hin und wieder auch mal etwas Materielles. Jetzt, wo ich erwachsen bin und mein eigenes Geld verdiene, hat Weihnachten für mich jedoch einen anderen Sinn und eine andere Bedeutung erhalten als früher.

Ich wünsche euch allen ein ruhiges und liebevolles Fest. Bis nächste Woche…

 

Wie läuft das in deiner Familie? Bekommt jede Person ein Geschenk, wird ausgelost oder komplett darauf verzichtet? Oder habt ihr einen Preisrahmen festgelegt? Schreib es mir in die Kommentare!

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Claudia Marisa Alves de Castro

Redaktionsleiterin

Claudia Alves de Castro kommt vom Land, war aber nie für die Kleinstadt gemacht. Jetzt – da sie in Hamburg lebt – kann sie ihrem Interesse für Menschen, Geschichten und dem Schreiben freien Lauf lassen. Vom Lifestyle- und Fashionblog, über die Arbeit beim Fernsehen vor und hinter der Kamera, bis hin zu den Online-Redaktionen großer Verlage, Claudia ist mit allen Medien-Wassern gewaschen. Neben ihrer Leidenschaft für ihren Beruf, macht sie ihre Liebe für Kultur, Medien und Reisen besonders glücklich. Seit März 2018 schreibt sie über all das bei uns.

1 Kommentar

Anette
#1 — vor 5 Monaten
Hallo,
bei uns in der Familie bekommt nur ein Mensch Geschenke: meine aktuell achtjährige Enkelin. Alle anderen lassen es inzwischen einfach sein, wir haben alle viel, viel mehr als wir brauchen. Selbst bei Geburtstagen halten wir es so - über’s Jahr schenken wir uns gegenseitige Besuche, Zeit, Zuhören - solche Sachen. davon bräuchten wir allerdings mehr, aber wir wohnen weit auseinander, das geht nicht immer so einfach, trotz moderner Technik. Aber immerhin :-)

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