Valentinstag: Brauchen wir einen Tag für die Liebe?

Words by Claudia Marisa Alves de Castro
Photography: privat
Marisa macht's sichtbar

Es ist mal wieder so weit: Der Valentinstag steht vor der Tür. Über den Stellenwert dieses Tages sind sich Singles, aber auch Verliebte uneinig. Ist es ein Tag zum Verfluchen oder zum Lieben?

 

Gerade habe ich bei Google »Valentinstag« in die Suchleiste eingegeben. Da die Suchmaschine inzwischen auf die Bedürfnisse jeder einzelnen Person individuell eingeht, war ich neugierig, was bei mir angezeigt werden würde. Und siehe da: Als Erstes sehe ich Werbung – unter anderem von Tiffany, mydays und YourSurprise. Ein Armband für 230 Euro? Nein, das muss nicht sein. Doch es gibt noch mehr. Neben einer Definition, die die Entstehung des Tages erklärt, folgen Schlagzeilen. An erster Stelle ein Valentinstags-Horoskop für Singles. Nein, auch das macht für mich wenig Sinn. Dass Google meine Bedürfnisse für den Valentinstag 2019 stillt, kann ich nach dieser Recherche also vergessen. Doch zunächst muss ich mir erst einmal darüber klar werden, wie ich eigentlich zu diesem Tag stehe. Denn das lässt sich gerade unerwartet schwer erklären.

Valentinstag: Ein Wechselbad der Gefühle

Einerseits habe ich in der Vergangenheit im Prinzip die Meinung vieler Frauen und Männer in meinem Umfeld geteilt. Die meisten werden nicht müde zu betonen, dass dieser Tag nur der Industrie einen Gefallen tue oder dass es einfach blöd sei, ausgerechnet an diesem einen ganz speziellen Datum die intimsten Gefühle zum Ausdruck zu bringen. Immerhin gebe es da noch 364 andere Tage, an denen wir »Ich liebe dich« sagen können. Auf der anderen Seite gehörte ich aber auch schon immer zu denjenigen, die sich dennoch gern für den Valentinstag verplanen. Soll heißen: Ich schlug vor, gemeinsam etwas Schönes zu kochen, einen besonderen Film zu schauen – oder aber auch mal in ein Restaurant oder ins Kino zu gehen. Es musste also noch nie das Romantikwochenende in einem 5-Sterne-Hotel oder – wie von Google vorgeschlagen – ein Schmuckstück für mehrere Hundert Euro sein – aber irgendwas sollte dann doch stattfinden. Bis hierhin könnte also das Fazit lauten: Einen speziellen Tag für die Liebe brauche ich nicht – den Valentinstag ignorieren möchte ich aber auch nicht.

Valentinus: Ein Mann, der für die Liebe sein Leben gab

Übrigens ist mir bewusst geworden, dass ich mir bislang nie wirklich über die Entstehung dieses Tages Gedanken gemacht habe. Stattdessen haben sich undifferenzierte Sätze wie: »Der Valentinstag ist eine Erfindung der Blumenhändler und/oder Amerikaner« in mein Gehirn geschlichen und dort eingenistet. Doch seitdem ich in der letzten Woche einen Fernsehbeitrag auf Arte gesehen habe, weiß ich, dass vermutet wird, dass der Valentinstag auf den Märtyrer Valentin von Terni zurückgeht. Der soll trotz des kaiserlichen Verbots zahlreiche Paare christlich getraut haben. Als das herauskam, kostete ihn das am 14. Februar 269 n. Chr. den Kopf. Der arme Valentin hat also auf der einen Seite unser Mitleid verdient – und auf der anderen Seite einen Applaus. Denn obwohl ihm bewusst war, dass ihn seine Taten das Leben kosten könnten, machte er sich für die Liebe und vor allem für die Ehe stark und verlor bis zum Schluss nicht den Glauben daran. Tragisch und romantisch zugleich.

 

Valentinstag ist, was du daraus machst

Und jetzt stelle ich mir selbst noch einmal die Frage: Brauchen wir einen speziellen Tag für die Liebe? Ja, auf jeden Fall! Die Liebe ist so etwas Besonderes, Schönes und Starkes und unser Valentin ist sogar für sie gestorben. In dem wir am 14. Februar noch ein wenig näher zusammenrücken, zeigen wir, wie wichtig die Liebe in unserem Leben ist und dass wir mit ihr im Herzen einfach alles schaffen können. Gut, vielleicht klingt das jetzt alles ein wenig kitschig. Und trotzdem: Am Valentinstag geht es sicher nicht um Blumen, Pralinen oder 5-Gänge-Menüs. Wer seine Liebe so zum Ausdruck bringen möchte, soll das sehr gern tun. Doch ist das kein Muss. Meiner Meinung nach ist es auch kein Muss, diesen Tag mit dem Partner oder der Partnerin zu verbringen. Die Liebe zur besten Freundin, der Mutter, dem Vater oder den Großeltern spielt in meinem Leben auch eine sehr große Rolle – wieso also nicht auch ihnen mal wieder zeigen, was für einen großen Stellenwert sie für mich haben? Ich komme also zu dem Schluss, dass ich den Grundgedanken vom Valentinstag toll und wichtig finde. Getreu dem Motto: Vergesst die Geschenke – habt euch lieb!

Über meinem Schreibtisch hängt übrigens ein Poster, auf dem »Love first« geschrieben steht. Zwei Worte, die ich mir am 14. Februar ganz besonders zu Herzen nehmen werde…

Wie stehst du zum Valentinstag? Und wie verbringst du den 14. Februar? Teile deine Gedanken mit mir in den Kommentaren.

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Claudia Marisa Alves de Castro

Redaktionsleiterin

Claudia Alves de Castro kommt vom Land, war aber nie für die Kleinstadt gemacht. Jetzt – da sie in Hamburg lebt – kann sie ihrem Interesse für Menschen, Geschichten und dem Schreiben freien Lauf lassen. Vom Lifestyle- und Fashionblog, über die Arbeit beim Fernsehen vor und hinter der Kamera, bis hin zu den Online-Redaktionen großer Verlage, Claudia ist mit allen Medien-Wassern gewaschen. Neben ihrer Leidenschaft für ihren Beruf, macht sie ihre Liebe für Kultur, Medien und Reisen besonders glücklich. Seit März 2018 schreibt sie über all das bei uns.

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