Träume so real wie das echte Leben

Words by Claudia Marisa Alves de Castro
Photography: Annie Spratt auf Unsplash
Schlafparalyse: So fühlt es sich an

Wie die meisten Menschen ereilt auch mich beinah in jeder Nacht ein Traum. Das Besondere daran: Wie in einem Drehbuch kann ich so gut wie jedes einzelne Detail davon wiedergeben. Ich empfinde das als äußerst anstrengend, vor allem, wenn ich zusätzlich noch in einer Schlafparalyse gefangen war.

 

Ich befinde mich in einem großzügigen Eingangsbereich eines Hauses. Es ist mir unbekannt. Ich bewege mich über helles Parkett und bestaune die an der Wand befindlichen, mit Gold verzierten Kacheln. Im nächsten Moment ruft eine Freundin nach mir. Ich drehe mich um und laufe nach draußen zu ihr. Es ist warm, und die Sonne scheint. Viele weitere junge Frauen scharen sich um uns. Ich erfahre, dass in dieser Location ein Event stattfinden wird, auf das sich alle freuen und auf das sie sich demnächst vorbereiten.

Doch plötzlich laufen alle los. Ich renne hinterher und erfahre, dass eine der anwesenden Frauen von einer Wespe gestochen wurde und keine Luft mehr bekommt. Ich stakse über die saftig-grüne Wiese, weil ich Angst habe, ebenfalls gestochen zu werden. Doch dann stolpere ich und verschlucke mich. Ich huste, bekomme keine Luft. Meine Freundin klopft mir auf den Rücken, und plötzlich habe ich etwas Spitzes im Mund. Bei näherer Betrachtung stelle ich fest, dass es sich um einen Wespenstachel handelt. Ich renne los und versuche, ein Badezimmer zu finden, weil ich meinen Mund ausspülen möchte.

Die vier Schlafphasen

An dieser Stelle reißt mich das Klingeln des Weckers aus meinem Traum. Ein für mich unangenehmer Traum – mal wieder. So wie andere Menschen träume auch ich häufig. Dabei durchlaufen wir in jedem Schlafzyklus in der Regel insgesamt vier Schlafphasen. Zu diesen gehört der sogenannte REM-Schlaf, der so heißt, weil sich dabei die Augen dabei unter den geschlossenen Lidern bewegen – »Rapid Eye Movement« bedeutet »schnelle Augenbewegung«. In dieser Phase sind wir am schwersten zu wecken, das Gehirn ist hochaktiv und die Träume sind besonders emotional. Die Tiefschlafphase ist hingegen eher vernunftgeprägt – also sachlicher. Außerdem schlafen wir hier, wie es der Name schon sagt, besonders tief und fest. An diese Träume erinnern wir uns eher selten. Zuvor durchlaufen wir aber noch die Einschlafphase – hier erlangen wir allmählich Entspannung – und die Leichtschlafphase, die etwa die Hälfte der Schlafdauer ausmacht und in der das Bewusstsein abgeschaltet ist – alles ist entspannt. Während einer Nacht durchlaufen wir übrigens alle vier Phasen und das mehrfach. Ein vollständiger Zyklus dauert circa anderthalb Stunden.

Ein Traum wie eine Psychotherapie

An vieles, was während der Nachtruhe in unserem Unterbewusstsein passiert, können wir uns also nicht erinnern. Wenn ich mich allerdings erinnern kann, dann so richtig. Nach Träumen wie dem hier beschriebenen brauche ich einen kurzen Augenblick, um mich zu sammeln. Häufig fühle ich mich auch irgendwie unwohl und geschafft – vielleicht weil in meinem Kopf so unendlich viel los war. Zudem lässt mich das Geträumte auch tagsüber nur schwer wieder los. Ich versuche mich selbst an einer kleinen Traumdeutung und stelle fest: Die Freundin aus meinem Traum habe ich schon längere Zeit nicht mehr gesehen – länger, als es mir lieb ist. Sie fehlt mir. Des Weiteren habe ich große Angst, von einer Wespe gestochen zu werden, was mir (ich klopfe auf Holz) bisher tatsächlich erspart geblieben ist. In einem Artikel auf Spiegel Online wird Brigitte Holzinger, Leiterin des Instituts für Bewusstseins- und Traumforschung in Wien, zitiert, die erklärt: »Träume sind Gefühle in bewegten Bildern dargestellt. Der Traum ist so etwas wie eine kleine Psychotherapie.«

Klingt einleuchtend, immerhin sehe ich mich in meinen Träumen häufig mit meinen Ängsten konfrontiert. Nicht selten habe ich auch wiederkehrende Träume, in denen meiner besten Freundin, meiner Mutter oder mir etwas zustößt. Dabei passiert es mir dann auch hin und wieder, dass ich anfange, hörbar zu schluchzen – in solchen Situationen weckt mich mein Mann auf, um mich so aus dieser Situation zu befreien.

Aufwachen und sich nicht bewegen können ist immer wieder ein Schockmoment für mich…

Schlafparalyse: Gefangen im eigenen Körper

Nur sehr schwer befreien lässt es sich aus der sogenannten Schlafparalyse, in der ich hin und wieder (früher wesentlich häufiger als heute) gefangen bin. Der Begriff bezeichnet einen Zustand, in dem der Körper noch schläft, der Geist aber bereits wach ist. Und so gruselig wie es klingt, ist es auch. Inzwischen weiß ich, was mich erwartet, doch eine Zeit lang geriet ich innerlich in Panik. Folgendes Szenario werde ich niemals vergessen: Ich war etwa 15 Jahre alt und es war mitten in der Nacht. Ich lag in meinem Jugendzimmer, und plötzlich wurde ich wach. Sofort stellte ich fest, dass ich zwar mit meinen Augen im Raum umherschauen, mich aber nicht bewegen konnte. Kurz zuvor hatte sich ein 10-jähriger Junge in unserer Nachbarschaft das Leben genommen. Offenbar hatte ich kurz vorher von ihm geträumt, denn mein Verstand begann nun, mir einen riesigen Streich zu spielen: Ich sah den Kleinen vor meinem geistigen Auge in meinem Zimmer, wie er immer näher auf mich zukam. Schreien oder aufstehen ist in solchen Momenten vollkommen unmöglich.

 

Warum kommt es zu einer Schlafparalyse?

In der Regel ist nach einigen Minuten wieder alles vorbei, und die Muskelkraft kehrt zurück. Zuletzt ist es mir auch gelungen, einfach ruhig zu bleiben und direkt weiterzuschlafen. Wenn die Schlafparalyse, so wie bei mir, nur sehr selten auftritt, ist sie nicht bedenklich. Im Grunde handelt es sich um eine Art Schutzfunktion des Körpers. Sie verhindert, dass wir im Traum erlebte Bewegungen in die Realität umsetzen. Menschen, die häufiger damit zu kämpfen haben, sollten jedoch einen Arzt aufsuchen und abklären lassen, ob eventuell Angststörungen, Migräne oder eine Schlafapnoe Auslöser für die nächtlichen »Schockstarren« sein könnten.

Erfolgsphantasien oder depressive Stimmungen?

Auch in der letzten Nacht habe ich wieder geträumt. Diesmal befand ich mich auf einer Wanderung, die für meinen Geschmack schon wieder viel zu dramatisch endete… Zu den typischsten und am häufigsten wiederkehrenden Träumen gehören übrigens Fall- oder Flugträume. In einem weiteren Artikel auf Spiegel Online erklärt Michael Schredl, Leiter des Schlaflabors in Mannheim und Deutschlands führender Traumforscher, dass er während seiner Studien herausgefunden hat, dass Fallträume von Menschen geträumt werden, die ängstlicher sind, zu depressiven Stimmungen neigen und auffallend oft ein Instrument spielen. Wer in seinen Träumen eher fliegt, hat Schredls Untersuchungen zufolge eher einen Hang zu positiven Stimmungen und Erfolgsphantasien. Tja, und leider gehöre ich definitiv zu der Kategorie Mensch, die in Träumen gern irgendwo hinabstürzen…

Wie sieht es bei dir aus? Träumst du häufig und erinnerst dich daran? Warst du schon einmal in einer Schlafparalyse gefangen? Ich freue mich auf deine Schilderungen in den Kommentaren.

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Claudia Marisa Alves de Castro

Redaktionsleiterin

Claudia Alves de Castro kommt vom Land, war aber nie für die Kleinstadt gemacht. Jetzt – da sie in Hamburg lebt – kann sie ihrem Interesse für Menschen, Geschichten und dem Schreiben freien Lauf lassen. Vom Lifestyle- und Fashionblog, über die Arbeit beim Fernsehen vor und hinter der Kamera, bis hin zu den Online-Redaktionen großer Verlage, Claudia ist mit allen Medien-Wassern gewaschen. Neben ihrer Leidenschaft für ihren Beruf, macht sie ihre Liebe für Kultur, Medien und Reisen besonders glücklich. Seit März 2018 schreibt sie über all das bei uns.

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