Sport in der Schwangerschaft: »Die Blicke sind ätzend!«

Words by Claudia Marisa Alves de Castro
Photography: privat
Lesezeit: 4 Minuten
Wichtig! Sport in der Schwangerschaft

Sport in der Schwangerschaft ist wichtig und notwendig. Doch kostet mich der Gang ins Fitnessstudio aktuell immer wieder Überwindung. Der Grund: gaffende Menschen. 

Als ich bei einem Treffen mit einer Freundin neulich erzählte, dass ich am Tag zuvor im Fitness-Studio gewesen sei, schaute sie mich etwas ungläubig an und fragte: »Du gehst noch zum Sport?« Daraufhin fragte ich sie, ob sie, wenn sie wüsste, sie müsse in 8 Wochen einen Marathon laufen, jetzt etwa nicht dafür trainieren würde. Jedoch ist die Geburt, die ich mir durchaus anstrengend vorstelle und bei der es ganz sicher auch auf Durchhaltevermögen und vor allem Kondition ankommt, nicht der einzige Grund, wieso ich versuchen möchte, bis zum Ende der Schwangerschaft Sport zu treiben. Es ist nun einmal nachgewiesen, dass regelmäßiges Training nicht nur fit hält (egal, ob schwanger oder nicht), sondern auch Rückenschmerzen vorbeugt, Wassereinlagerungen vermindert, die Gewichtszunahme reguliert und sogar Schwangerschaftsdiabetes verhindern kann. Zudem halten die Sporteinheiten sogar das Baby fit: Studien haben ergeben, dass Kinder von sporttreibenden Müttern tendenziell schlanker sind – dies kann die Geburt ebenfalls erleichtern. Also ja, Sport muss sein!

Yoga in der Schwangerschaft: für mich perfekt!

Jedoch musste ich selbst erleben, dass man, auch wenn man will, manchmal einfach nicht kann. In den ersten Wochen meiner Schwangerschaft ging es mir so schlecht (ich musste mich ständig übergeben und bekam nur schwer Luft), dass an Sport gar nicht zu denken war. Als es mir langsam wieder besser ging, ging ich hin und wieder ins Schwimmbad und fing zu Hause mit leichten Yoga-Übungen an. Bei YouTube lassen sich übrigens zahlreiche Videos zum Thema »Sport in der Schwangerschaft« finden, bei denen man ganz einfach mitturnen kann. Doch muss ich auch zugeben – und das hätte vorher niemals von mir gedacht – dass ich aus irgendeinem Grund auch durch meine Angst gehemmt war. Ich hatte Angst, ich könne durch eine falsche sportliche Betätigung das Kind verlieren oder für unnötige Schäden beim Fötus sorgen. Das ist natürlich Quatsch, doch erst mit jeder »erfolgreich« vergangenen Schwangerschaftswoche fühlte ich mich sicherer. 

Was für mich jedoch trotz aller Sorgen und Befürchtungen von Anfang an feststand, war, dass ich an einem Schwangerschaftsyoga-Kurs teilnehmen würde. Seit Anfang Februar üben wir nun also einmal die Woche, uns zu entspannen und den Rücken zu entlasten. Wer ein schweißtreibendes Fitnessprogramm erwartet, ist hier also falsch. Da die Kursteilnehmerinnen, was ihre Yogakünste angeht, alle auf einem unterschiedlichen Stand sind, geht es eher gemächlich zu. Aber auch das tut gut und ist einfach perfekt für mich. Und: Die Krankenkasse übernimmt sogar einen Teil der Kosten. Zudem fühle ich mich hier unter den anderen schwangeren Frauen besonders wohl. 

Wieso gucken die so?

Doch es geht auch anders. Seit einigen Wochen gehe ich wie gesagt wieder ins Fitness-Studio. Nachdem es mir in den ersten Schwangerschaftsmonaten nicht gut genug gegangen war und ich ehrlich gesagt auch vor der Schwangerschaft zuletzt häufig einfach keine Lust gehabt hatte, packte mich plötzlich die Motivation. Mit dem Ende des 5. Schwangerschaftsmonats fühlte ich mich so lebendig wie nie. Natürlich plante ich nicht wie früher ein intensives Kardio-Training und wollte auch mit dem Gewichtheben nicht da weitermachen, wo ich vor der Schwangerschaft aufgehört hatte. Doch zügiges Gehen auf dem Laufband, Einheiten auf dem Crosstrainer und dem Fahrrad sowie Übungen mit leichten Gewichten an der Schulterpresse sind kein Problem. Ganz wichtig dabei ist natürlich, immer auf den eigenen Körper zu hören. Nicht jeder Tag ist gleich, und manchmal geht es besser und manchmal schlechter. Überhaupt etwas getan zu haben, ist dabei jedoch das Allerwichtigste. Das erste Mal nach meiner Abstinenz war ich an einem Sonntag im Fitness-Studio. Ein guter Start, denn in der Regel ist dort, wo ich trainiere, an Wochenenden weniger los als unter der Woche. 

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

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I’m an alien, I’m a legal alien…

Doch noch bevor ich das erste Mal beherzt in die Pedale treten konnte, fingen die Leute um mich herum an zu gaffen. Immer wieder fielen die Blicke auf meinen Bauch. Und auch bei den darauffolgenden Malen wurde ich immer wieder penetrant angestarrt, und ja, es wurde sogar getuschelt. Was sich die Leute wohl denken? Ich wüsste es gern. Eine Schwangere im Fitness-Studio ist offenbar so außergewöhnlich, dass die Leute ihren Augen kaum trauen. Als ich meinen Mann, mit dem ich immer zusammen ins Fitnessstudio gehe, fragte, warum mich denn alle so anstarren würden, meinte er schmeichelnd, dass wohl alle so fasziniert von einer schönen Schwangeren seien, dass sie einfach nicht wegschauen könnten. Lieb gemeint, doch natürlich nehme ich ihm das nicht ab. In meinem Kopf schwirrt ab jetzt immer der Song »Englishman in New York« von Sting umher. Nur das der Titel bei mir »Pregnant Woman in the Gym« heißt und es im Refrain so weitergeht: »I’m an alien, I’m a legal alien, I’m a pregnant woman in the gym«. 

Sport in der Schwangerschaft: Das Risiko, an einer Depression zu erkranken, sinkt

Ja, da muss ich jetzt also wohl einfach durch. Würde ich mir vornehmen, jede einzelne Person anzusprechen und zu fragen, wieso sie mich anstarrt, würde ich schließlich nicht mehr zum Sport kommen. Und wie eingangs erklärt, immerhin lohnt es sich. Was ich auch ziemlich spannend finde: Die Deutsche Sporthochschule Köln hat untersucht, inwieweit sich das Risiko einer postpartalen Depression (was genau das ist, haben wir hier für euch erklärt) durch ein Sportprogramm verringern lässt. Das Ergebnis: Frauen, die in ihrer Schwangerschaft trainierten, hatten nach der Geburt durchschnittlich weniger mit Depressionen zu kämpfen als die Kontrollgruppe, die kein Sport gemacht hatte. »Die Autoren sehen in den Trainingsgruppen eine Möglichkeit, perinatale Depression zu vermeiden. Der Grund hierfür kann sowohl in positiven körperlichen Auswirkungen des Trainings, allerdings auch in den psychosozialen Effekten des Trainings (z. B. sozialer Kontakt und soziale Unterstützung) liegen«, so heißt es. Also – noch ein weiterer Grund, um dran zu bleiben. 

Als ich mich bei meiner Frauenärztin letztens interessehalber nach einem sogenannten Stützgürtel für meinen Bauch informierte, um eventuell meinen Rücken noch stärker zu entlasten, grinste sie mich direkt an. Nachdem sie mir erklärte, dass so etwas in meinem Fall medizinisch absolut nicht notwendig sei, fügte sie fröhlich hinzu: »Machen Sie doch lieber einfach Sport…« Eine Empfehlung, der ich natürlich sehr gerne nachkomme. 

Wie sieht es bei dir aus? Machst du Sport in deiner Schwangerschaft oder hast dich körperlich betätigt als du noch schwanger warst? Verrate mir in den Kommentaren, wie du dich fit hältst und wie deine Erfahrungen sind.

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Ich bin schwanger und inzwischen liegt bereits über die Hälfte der Schwangerschaft hinter mir. Heute möchte ich zurückblicken und euch von den ersten drei Monaten und von besonders harten Tagen erzählen, an denen ich unser Baby nur zu gerne für eine kurze Zeit meinem Mann übergeben hätte. 

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Claudia Marisa Alves de Castro

Redaktionsleiterin

Claudia Alves de Castro kommt vom Land, war aber nie für die Kleinstadt gemacht. Jetzt – da sie in Hamburg lebt – kann sie ihrem Interesse für Menschen, Geschichten und dem Schreiben freien Lauf lassen. Vom Lifestyle- und Fashionblog, über die Arbeit beim Fernsehen vor und hinter der Kamera, bis hin zu den Online-Redaktionen großer Verlage, Claudia ist mit allen Medien-Wassern gewaschen. Neben ihrer Leidenschaft für ihren Beruf, macht sie ihre Liebe für Kultur, Medien und Reisen besonders glücklich. Seit März 2018 schreibt sie über all das bei uns.

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