Ich bin schwanger! So furchtbar war mein erstes Trimester!

Words by Claudia Marisa Alves de Castro
Photography: privat
Lesezeit: 4 Minuten
Ich bin schwanger und so furchtbar waren die ersten drei Monate

Ich bin schwanger und inzwischen liegt bereits über die Hälfte der Schwangerschaft hinter mir. Heute möchte ich zurückblicken und euch von den ersten drei Monaten und von besonders harten Tagen erzählen, an denen ich unser Baby nur zu gerne für eine kurze Zeit meinem Mann übergeben hätte. 

 

Die Schwangerschaft ist ein Wunder! Es ist einfach erstaunlich, was vom Zeitpunkt der Befruchtung bis zur Geburt im Körper einer Frau passiert – es entsteht ein vollkommen neues Leben, ein neuer Mensch. Aus diesem Grund war ich mir auch sehr sicher, dass ich, sollte ich irgendwann einmal schwanger sein, völlig begeistert und glücklich darüber sein würde. Ich dachte, ich würde vor Freude weinen und vor Glück übersprudeln. 

Unsicherheit und Angst

Als ich am 12. September 2019 den positiven Schwangerschaftstest in meinen Händen hielt, konnte ich es zunächst gar nicht glauben und starrte immer wieder auf das dicke Pluszeichen, das sich ziemlich zügig gebildet hatte. Nach einem eher kurzen Moment der Überraschung und Freude zwang ich mich zur Gelassenheit. Immerhin konnte der Test ja fehlerhaft sein oder überhaupt noch eine ganze Menge schiefgehen. Also machte ich, um auf Nummer sicher zu gehen, am nächsten Tag erneut einen Test. Bei diesem hieß es, man solle drei Minuten warten, bis ein Strich für »nicht schwanger« bzw. zwei Striche für »schwanger« sichtbar werden sollten. Bei mir dauerte es ca. 30 Sekunden, bis ich das zweite positive Ergebnis in den Händen hielt. Und von nun an begann für mich das Gefühlschaos. Was ich plötzlich empfand, waren neben Freude vor allem Unsicherheit und Angst

Schwanger sein: Muss sich das so anfühlen?

Nur wenige Tage später bekam ich plötzlich wahnsinnige Unterleibs- und Rückenschmerzen. Als unerfahrene Neu-Schwangere dachte ich schon an das Schlimmste. Muss sich eine Schwangerschaft wirklich so anfühlen oder stimmt etwas nicht? Bekomme ich nun doch wieder meine Periode? Vor einigen Monaten war bei mir eine Zyste am linken Eierstock entdeckt worden, und ich vermutete, dass sich diese zurückgebildet haben könnte, denn mit einem Mal spürte ich wieder genau diese stechenden Schmerzen. Hinzu kamen Appetitlosigkeit, extreme Müdigkeit, Kurzatmigkeit, eine starke Übelkeit, die sich den ganzen Tag über hielt, unendlicher Durst und daraus resultierend ständiger Harndrang. Ich bekam unangenehm unreine Haut und Haarausfall, und meine Brüste schmerzten bei jeder kleinsten Berührung.

Weiterhin hatte ich Probleme beim Schlafen: Erst konnte ich nicht einschlafen und war es mir endlich gelungen, weckte mich meine volle Blase oder mein Magen fing plötzlich so sehr zu knurren an, dass ich mir um vier Uhr morgens ein trockenes Schwarzbrot genehmigen musste. Und obwohl ich bereits für drei Wochen später einen Termin bei meiner Frauenärztin hatte (man hatte mir gesagt, dass man vorher eh noch nichts sehen könne, da ich zu diesem Zeitpunkt in einem viel zu frühen Stadium der Schwangerschaft steckte), rief ich nur eine Woche nach den beiden Schwangerschaftstests unter Tränen erneut bei meiner Ärztin an. Die Schmerzen im Unterleib wurden immer stärker und mein Gefühlschaos auch. Ich wollte wissen, ob wirklich alles in Ordnung war. 

Wenn die Hormone verrückt spielen

Einen Tag später hatte ich dann die Gewissheit. Obwohl ich mich erst in der 5. Schwangerschaftswoche befand, wurde mir nicht nur gesagt, dass sich alles prima entwickle und genau so sei, wie es sein solle, sondern ich konnte auch zum ersten Mal mein Kind sehen. Zwar handelte es sich zunächst nur um einen kleinen Punkt, doch dieser war klar und deutlich zu sehen. Beruhigt und zufrieden wollte ich nun endlich anfangen, positiv zu denken und mich zu freuen, doch wieder einige Tage später fand ich mich mit Sehstörungen und Taubheitsgefühlen in der linken Körperhälfte in der Notaufnahme eines Krankenhauses wieder. Man erklärte mir, dass all das an den Hormonen liege. Nach weiteren Besuchen beim Haus- und Augenarzt beruhigte sich die Lage wieder – bis sich plötzlich ein neues Symptom auszubilden begann.

Als ich dachte, es werde nicht schlimmer…

Bis zu diesem Moment hatte ich immer wieder betont, wie »gut« es sei, dass ich mich trotz der konstanten Übelkeit (die dennoch wirklich, wirklich kräftezehrend ist!) nicht übergeben müsse. Und dann ging es los: Zuverlässig entleerte ich mich zunächst täglich kurz nach dem Aufstehen, dann auch nach dem Frühstück, kurzzeitig kam auch mal das gesamte Mittagessen unverdaut wieder heraus und seltener auch mal das Abendessen. Zu den Symptomen, die ich weiter oben beschrieben habe, kam von nun also auch noch das tägliche Übergeben hinzu. Obwohl meine Ärztin mir Hoffnung gemacht hatte, dass das mit der 13.  SSW vorbei sein würde, zog sich die ganze Geschichte bis in die 17. SSW. Besondere Auslöser für Würgeattacken waren übrigens meine Zahnbürste und die Zahnpasta, mein Conditioner sowie die Spülmaschine. 

 

Ich wollte nicht mehr schwanger sein

Das Allerschlimmste waren allerdings weiterhin die Unsicherheit und Angst. Mein Mann und ich hatten uns von Anfang an dazu entschieden, unserer Familie und unseren FreundInnen die frohe Botschaft erst nach dem sogenannten First-Trimester-Screening zu überbringen. Doch das machte die Zeit noch wesentlich schwieriger. Ich musste mich verstellen, mir kleine Lügen ausdenken, wieso ich dieses oder jenes nicht essen oder trinke könne. Und eigentlich brauchte ich gerade jetzt freundliche Menschen zum Reden. FreundInnen, Familie und vor allem Frauen, die all das selbst schon einmal erlebt hatten. So kam es, dass ich in dieser Zeit zwei mittelschwere Nervenzusammenbrüche erlitt. Ich weinte bitterlich, fühlte mich fremdgesteuert und irgendwie auch nicht mehr allein. Vor allem in diesen Momenten wünschte ich mir aber meinen Körper und meinen Geist wieder nur für mich. Ich sehnte mich nach einer kleinen Pause und hätte das Baby nur allzu gern kurz meinem Mann übergeben. In diesen Momenten wollte ich für einen Augenblick nicht mehr schwanger sein. 

Erst jetzt fühle ich Glück

Rückblickend betrachtet bin ich einfach nur froh, diese für mich so schwierigen ersten Monate überstanden zu haben. Die psychische und körperliche Umstellung hat mich vollkommen aus der Bahn geworfen. Ich hatte mir vorher in den schönsten Farben ausgemalt, wie es sein würde, von meiner Schwangerschaft zu erfahren und schwanger zu sein. Doch diese Vorstellung hat sich, zumindest in den ersten vier Monaten, nicht bewahrheitet. Die Zeit war für mich nicht fröhlich, heiter und rosarot. Ich war wochenlang immer wieder auf eine Weise mit der Situation überfordert, wie ich es noch nie in meinem Leben war. Erst seit etwa zwei Wochen fühle ich mich wirklich gut. Ich habe wieder mehr Energie und verliebe mich täglich mehr in mein kleines, großes Wunder. Doch wie (durchaus ebenfalls holprig) es nach dem ersten Trimester weiterging, das erzähle ich euch ein anderes Mal… 

Dazu Passend

Wichtige Fakten: Schwangerschaftsabbruch in Deutschland

Über Schwangerschaftsabbrüche wird dieser Tage heiß diskutiert. Um so wichtiger ist es, in diesen Diskussionen die Fakten nicht aus den Augen zu verlieren. Sieben der aus unserer Sicht wichtigsten haben wir für euch zusammengestellt.

Share:

Claudia Marisa Alves de Castro

Redaktionsleiterin

Claudia Alves de Castro kommt vom Land, war aber nie für die Kleinstadt gemacht. Jetzt – da sie in Hamburg lebt – kann sie ihrem Interesse für Menschen, Geschichten und dem Schreiben freien Lauf lassen. Vom Lifestyle- und Fashionblog, über die Arbeit beim Fernsehen vor und hinter der Kamera, bis hin zu den Online-Redaktionen großer Verlage, Claudia ist mit allen Medien-Wassern gewaschen. Neben ihrer Leidenschaft für ihren Beruf, macht sie ihre Liebe für Kultur, Medien und Reisen besonders glücklich. Seit März 2018 schreibt sie über all das bei uns.

Kommentieren