Meine Mama und ich…

Words by Claudia Marisa Alves de Castro
Photography: Matt Hoffman auf Unsplash
Die Beziehung zwischen Mutter und Tochter ist eine Besondere

Die Beziehung zwischen Müttern und ihren Töchtern ist etwas ganz Besonderes. Auch wenn sich im Laufe des Lebens einiges ändert und sich das Verhältnis zwischen eng und distanziert, kompliziert oder locker bewegt, eines wird sich niemals ändern. Was das ist, wurde mir bei einem besonderen Mutter-Tochter-Tag mal wieder bewusst… 

 

Als kleines Mädchen war ich ein absolutes Mama-Kind. Wo sie hinging, wollte auch ich sein. War sie unterwegs, dachte ich ausschließlich daran, wie es sein wird, sie endlich wieder bei mir zu haben. Dies lag mit Sicherheit vor allem daran, dass sich meine Mutter in den ersten Jahren meines Lebens dazu entschied, ausschließlich für mich da zu sein. Somit wich ich ihr kaum von der Seite, bewegte und versteckte mich stets in ihrem Schatten, und fühlte mich hier sicher und geborgen. Typisch für unsere Beziehung war auch, dass ich genauso sein wollte, wie meine Mama. Beim Spiel mit meinen geliebten Puppen imitierte ich ihre Sprechweise und liebkoste sie oder schimpfte hin und wieder affektiert vor mich hin. Das wir zusammengehörten konnten Außenstehende vor allem an unserer Kleidung sehen. Denn gelegentlich traten wir sogar im Partnerlook auf, trugen dieselben Tops, Jeans und Schuhe. 

Der Abnabelungsprozess: Lang und schmerzvoll

Als ich in die Pubertät kam, versuchte ich mich von einem auf den anderen Tag abzunabeln. Ohne eine Vorwarnung und völlig unerwartet für uns beide, ließ ich plötzlich nur sehr selten Nähe zu und fand es fürchterlich peinlich meiner Mutter zum Abschied einen Kuss geben zu müssen. Ich wollte auch nicht mehr, dass sie oder mein Vater mein Zimmer betreten, ohne, dass ich es ihnen zuvor ausdrücklich erlaubt hatte. Die Zeit, die wir intensiv miteinander verbrachten, wurde nun immer weniger. Bis heute frage ich mich, wie es zu diesem übergangslosen und drastischen Verhalten meinerseits kommen konnte. 

In den nächsten Jahren durchlebte ich viele weitere persönliche Krisen. Die Leidtragenden waren zumeist enge Freunde oder eben meine Eltern. Erst später erkannte ich, dass ich meine Unzufriedenheit immer wieder auf geliebte Menschen projiziert hatte, da ich selbst nicht in der Lage war mir einzugestehen und zu formulieren, was genau bei mir nicht stimmte. Nach dem Abitur zog ich dann direkt aus meinem Elternhaus aus und in eine neue Stadt. Seitdem ist einiges passiert und die gemeinsamen Momente mit der Familie und im Besonderen mit meiner Mama, werden immer seltener. Ein Fakt, an dem ich eine lange Zeit zu knabbern hatte. 

Das Band zwischen Mutter & Tochter

In der Zwischenzeit haben wir uns in zwei völlig verschiedene Richtungen entwickelt. Ich bewege mich nicht mehr in ihrem Schatten – ich bin aus ihm herausgetreten, sammele meine eigenen Erfahrungen und lebe mein eigenes Leben mit allem, was dazu gehört. Wir sind auch ganz sicher nicht mehr ständig einer Meinung und haben andere Vorstellungen von unserer ganz eigenen Zukunft – wir bewegen uns in unterschiedliche Richtungen. Doch inzwischen habe ich verstanden, dass sich, obwohl sich so unglaublich viel verändert hat, im Grunde und im tiefsten Herzen eigentlich kaum ändert. Meine Mama und ich werden für immer Mutter und Tochter bleiben – ein stärkeres Band gibt es kaum. Wenn ich sie brauche, ist sie immer für mich da und stellt mich, wie sie mir bis heute regelmäßig offenbart, immer an die erste Stelle. Wir müssen nicht jeden Tag telefonieren oder immer derselben Meinung sein, um tief im Inneren zu wissen, dass unsere Liebe bedingungslos ist. 

Ein Mutter-Tochter-Tag mit Wohlfühlprogramm

Gerade deshalb wurde es für mich mal wieder Zeit, etwas Besonderes mit meiner Mama zu erleben. Für ihren 50. Geburtstag hatte ich mir deshalb überlegt, ihr einen Mutter-Tochter-Tag zu schenken. Die Idee: Wir verbringen einen ganz Tag zusammen und tun Dinge, die sie schon sehr lange nicht mehr, oder noch nie in ihrem Leben gemacht hat. Zugegeben, nicht ganz uneigennützig gönnten wir uns nach einem ausgiebigen Frühstück zunächst eine Paar-Massage. Direkt im Anschluss hatte ich für sie einen Termin für ein Tages-Make-up organisiert. Massiert wurde meine Mutter natürlich schon einmal – professionell geschminkt allerdings noch nie. Hübsch zurechtgemacht stärkten wir uns mit einem riesigen Stück Käsekuchen und einem Kaffee, bevor es dann noch zur Maniküre ging. Den Tag und den Abend ließen wir schließlich beim Italiener mit Wein und Pasta ausklingen. 

Schon sehr lange waren wir nicht mehr zu zweit unterwegs. Doch ich bin dankbar, dass meine Mutter sich darauf eingelassen und es ihr so viel Spaß gemacht hat. Mir hat es auch Spaß gemacht und ich finde, so ein Mutter-Tochter-Tag sollte künftig unbedingt zu einer Regelmäßigkeit werden. Denn die Erinnerungen, die gemeinsame Erlebnisse schaffen, sind doch das Wertvollste, was wir im Leben besitzen können… 

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Claudia Marisa Alves de Castro

Redaktionsleiterin

Claudia Alves de Castro kommt vom Land, war aber nie für die Kleinstadt gemacht. Jetzt – da sie in Hamburg lebt – kann sie ihrem Interesse für Menschen, Geschichten und dem Schreiben freien Lauf lassen. Vom Lifestyle- und Fashionblog, über die Arbeit beim Fernsehen vor und hinter der Kamera, bis hin zu den Online-Redaktionen großer Verlage, Claudia ist mit allen Medien-Wassern gewaschen. Neben ihrer Leidenschaft für ihren Beruf, macht sie ihre Liebe für Kultur, Medien und Reisen besonders glücklich. Seit März 2018 schreibt sie über all das bei uns.

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