Intuition: Deshalb war es gut, auf mein Bauchgefühl zu hören

Words by Claudia Marisa Alves de Castro
Photography: privat
Ich höre auf meine Intuition
Ja, es hat Momente gegeben, in denen mich meine Intuition getäuscht hat. Dennoch habe ich bisher jedes Mal versucht, diesem ganz speziellen Gefühl nachzugehen. Und gerade erst wurde ich darin bestätigt, dass es sich in jedem Fall lohnt, auf das eigene Bauchgefühl zu hören.
 

Hin und wieder befinde ich mich in Situationen, die sich ohne einen erkennbaren und logischen Grund komisch anfühlen. Und manchmal braucht es nicht einmal so einen bestimmten Moment: Hin und wieder wache ich bereits morgens mit einem schlechten Bauchgefühl auf. Wodurch diese innere Stimme genau ausgelöst wird und wieso sie mich überkommt, lässt sich in einigen Fällen nicht immer zweifelsfrei klären. Dennoch mache ich mir jedes Mal so meine Gedanken. 

Was bedeutet Intuition? 

Der Begriff »Intuition« stammt aus dem Lateinischen und ist vom Verb »intueri« abgeleitet, was so viel bedeutet wie »genau hinsehen/anschauen«. Im Grunde besitzen alle Menschen einen »sechsten Sinn« – ob wir uns aber darauf verlassen und diesen auch einsetzten, ist von Person zu Person unterschiedlich. Deshalb sprechen wir auch von Bauchmenschen, die ihre Entscheidungen oft intuitiv bzw. aus dem »Bauch« heraus treffen, und Kopfmenschen, die zumeist intensiv auf den eigenen Verstand setzen. 

Bei Intuition handelt es sich um eine Begabung, die es einem ermöglicht, auf Anhieb eine gute Entscheidung zu treffen, ohne dabei die zugrundeliegenden Zusammenhänge genau zu verstehen. Dies geschieht meist instinktiv und unbewusst. Deshalb lassen sich intuitiv getroffene Entscheidungen am Ende nur selten begründen. Oft heißt es auch, die Intuition sei genau deshalb dem Verstand überlegen, da sie auf unseren bisher gemachten Erfahrungen und einer ganz bestimmten inneren Logik beruhe – deshalb sprechen wir auch immer wieder von dem sogenannten »gesunden Menschenverstand«.

Die Intuition ist ein göttliches Geschenk, der denkende Verstand ein treuer Diener. Es ist paradox, dass wir heutzutage angefangen haben, den Diener zu verehren und die göttliche Gabe zu entweihen.

Albert Einstein

Ein Gefühl, das der Verstand nicht begreifen kann

Vieles, was wir intuitiv entscheiden, hat also nichts mit dem logischen Verstand zu tun und ist von diesem auch nicht zu begreifen. Manchmal sorgt die Intuition auch dafür, dass wir Dinge tun, die auf den ersten Blick erst einmal keinen Sinn ergeben. So kann ich tatsächlich nicht erklären, wieso ich früher an manchen Abenden den wesentlich längeren von zwei Wegen nach Hause wählte – während der andere kürzer war, dafür aber durch einen kleinen Park führte. Aber eben nur manchmal. Denn an anderen Abenden konnte ich den kürzeren Weg selbstbewusst beschreiten. Allerdings riet mein Gefühl mir hin und wieder davon ab. Hätte ich auf meinen Verstand gehört, wäre ich wohl immer den kürzeren Weg gegangen, da es einfach sinnvoller ist, schneller zu Hause zu sein. 

Die weibliche Intuition

Immer wieder ist auch von einer »weiblichen Intuition« die Rede. Die Theorie, Frauen seien besonders empathisch und emotional und Männer dagegen vor allem durch Logik und den Verstand getrieben, ist sehr umstritten. Da sich auch viele Männer von ihrem Bauchgefühl leiten lassen, bezeichnen einige Forscher die »weibliche Intuition« als Mythos. 

Ich ordne mich allerdings ganz klar der Gruppe der Bauchmenschen zu, was jedoch nicht bedeutet, dass ich völlig kopflos durch die Gegend spaziere. Doch wenn es zum Duell zwischen Kopf und Verstand kommt und ich logisch über etwas nachdenke, klinkt sich meine innere Stimme immer noch einmal ein. So auch vor zwei Wochen. 

Da war es wieder: das komische Gefühl

Denn in letzter Zeit hatte mich immer wieder ein komisches Gefühl beschlichen, das sich einfach nicht einordnen ließ. Zudem war ich wesentlich müder als sonst, hatte starke Stimmungsschwankungen und fühlte mich – und auch das konnte ich nicht begründen – ganz allgemein absolut unwohl in meiner Haut. Mehrfach erklärte ich meinem Mann, dass irgendetwas nicht stimmen könne, ich aber leider nicht in der Lage sei zu sagen, was. Er riet mir dazu, zum Arzt zu gehen – doch was hätte ich dort sagen sollen? »Ich habe ein komisches Gefühl, bitte untersuchen Sie mich?«

Einige Tage später kamen dann noch Schmerzen im unteren Rücken dazu, die für mich jedoch nicht völlig neu waren – Probleme mit dem Rücken habe ich immer wieder mal. Neu hingegen waren die Schmerzen in der Leiste und ein Druckgefühl im unteren Bauch. All diese Symptome kamen und gingen und waren mal mehr, mal weniger stark, sodass ich zwischendurch immer wieder dachte, ich bildete mir alles nur ein. Auch mein Verstand versuchte, all das logisch einzuordnen. Für einen kurzen Moment kam ich zu dem Ergebnis, dass ich einfach zu gestresst sei und nur einmal richtig tief durchatmen müsse, um mich wieder »normal« zu fühlen. 

Mit Logik kann man Beweise führen, aber keine neuen Erkenntnisse gewinnen, dazu gehört Intuition.

Henri Poincaré (französischer Mathematiker und Astronom)

Der Übeltäter ist gefunden

Vor etwa zwei Wochen wachte ich auf und bekam Panik. Meine Intuition schien mir deutliche Signale zu senden. Ich griff zum Telefon, wählte die Nummer meiner Ärztin – und legte wieder auf. Mein Verstand ließ mich fragen, ob es nicht sinnvoll wäre, doch noch ein paar Tage abzuwarten. Und dann wurde mir übel. Ich wählte erneut und beschrieb, wie ich mich fühlte, und erklärte – auch wenn es sich komisch und eben nicht logisch angehört haben muss – dass ich im tiefsten Inneren wisse, dass etwas nicht in Ordnung sei. Am nächsten Tag saß ich bei meiner Ärztin, die mich erst abfragte und dann gründlich untersuchte. Nach einem Ultraschall war der Übeltäter gefunden: Eine 4 cm große Zyste am linken Eierstock hat das Gefühlschaos der letzten Wochen verursacht. 

Nach dieser Diagnose war ich unglaublich froh, meinem Gefühl vertraut zu haben. Eine Zyste ist übrigens überhaupt nicht schlimm. In den allermeisten Fällen verschwindet sie sogar von allein wieder. Die meisten Frauen entwickeln solche gutartigen, kleinen Hohlräume, die zumeist mit Blut oder Gewebeanteilen gefüllt sind. Erreicht die Zyste allerdings eine gewisse Größe oder Form, kann sie je nach Lage starke Schmerzen verursachen und sollte dann operativ entfernt werden. Deshalb ist es ratsam, die Entwicklung regelmäßig beobachten zu lassen. 

Seitdem ich weiß, was los ist, fühle ich mich wieder viel besser. Ich bin wacher und habe keine Schmerzen mehr. Es scheint beinah so, als hätte ich im tiefsten Inneren längst gewusst, was dort wächst – das Einzige, was ich noch brauchte, war eine Bestätigung. Mein Gefühl hat mich nicht im Stich gelassen. Für mich ist das also ein gutes Beispiel dafür, dass es sich lohnt, auf die eigene Intuition zu vertrauen. Und auch wenn es in vielen Situationen wesentlich hilfreicher wäre, sofort eine logische Erklärung parat zu haben, muss und kann das nicht immer der Fall sein. Manchmal ist es eben ein ganz bestimmtes Gefühl, dem wir –  mal mehr, mal weniger blind – vertrauen müssen. 

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Claudia Marisa Alves de Castro

Redaktionsleiterin

Claudia Alves de Castro kommt vom Land, war aber nie für die Kleinstadt gemacht. Jetzt – da sie in Hamburg lebt – kann sie ihrem Interesse für Menschen, Geschichten und dem Schreiben freien Lauf lassen. Vom Lifestyle- und Fashionblog, über die Arbeit beim Fernsehen vor und hinter der Kamera, bis hin zu den Online-Redaktionen großer Verlage, Claudia ist mit allen Medien-Wassern gewaschen. Neben ihrer Leidenschaft für ihren Beruf, macht sie ihre Liebe für Kultur, Medien und Reisen besonders glücklich. Seit März 2018 schreibt sie über all das bei uns.

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